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Frankfurter „Bookfest“ : Eier und Erdbeben

  • -Aktualisiert am

Zugeschaltet: Zaia Alexander und Antje Rávik Strubel Bild: Lucas Bäuml

Anreise-Schwierigkeiten und leere Stühle: Das „Bookfest“ der Frankfurter Buchmesse bleibt von Corona nicht verschont. Lesungen finden in analog-digitalen Hybridformen statt.

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          Am ersten Abend des von der Buchmesse ausgerichteten „Bookfests“ läuft nicht alles nach Plan. Der Debütanten-Abend in der Romanfabrik wird wegen der Anreiseschwierigkeiten zweier Autoren am Mittwochmittag kurzfristig abgesagt, ebenso kurzfristig entscheidet Zaia Alexander sich dafür, Frankfurt wegen der im Risikogebiet rasch gestiegenen Infektionsgefahr fernzubleiben. Aus ihrem Roman „Erdbebenwetter“ liest sie im Studio des Mousonturms zugeschaltet vor. Christof Weigold und Bov Bjerg hingegen freuen sich über die Möglichkeit, trotz Pandemie ganz analog vor Publikum zu lesen.

          Für Weigolds Lesung aus seinem Roman „Die letzte Geliebte“ dürfen im Künstlerhaus bis zu 20 Personen Platz nehmen, einige Stühle bleiben leer. Die Anwesenden unterhält der Autor schon lange vor dem ersten Blick in den dritten Krimi rund um seinen Ermittler Hardy Engel aufs allerbeste. Hollywood sei eine schwäbische Erfindung, sagt der 1966 geborene Theaterautor und Drehbuchschreiber, der auch für die „Harald Schmidt Show“ geschrieben hat. Als die Stadt des Films noch ein staubiges Dorf ist, gründet Carl Laemmle bei Los Angeles die „Universal Studios“. Damals hätten nur „ein paar Verrückte in Scheunen“ Filme gedreht, sagt Weigold. Dann eröffnete der Schwabe auf einer Hühnerfarm seine eigene Produktionsstätte: „Filme können auch mal nicht funktionieren. Dann legen die Hühner immer noch Eier.“ In dieser Welt aus Geflügel und Filmstudios lässt Weigold seinen Protagonisten auf Spurensuche gehen. Bücher seien bei ihm immer mehr als 600 Seiten lang, sagt er. Das sei nötig, um in eine Welt eintauchen zu können, in der Menschen, vom Wandel überwältigt, anfingen, Morde zu begehen.

          Sonst schieben sich hier die Menschenmassen Richtung Eingang: Rolltreppen an der U-Bahn-Station Festhalle/Messe. Bilderstrecke
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          In der Innenstadt liest Bjerg derweil im gutgefüllten „Walden“ aus „Serpentinen“. Der Bestsellerautor fühlt sich unsicher. Es sei erst seine dritte Lesung nach dem Lockdown: „Ich bitte um Nachsicht.“ Kameramänner huschen durch den Raum und ernten mürrische Blicke des Publikums. „Um was geht es?“, liest Bjerg wiederholt vor. Es spricht der Sohn des Protagonisten, der zwischen seiner erfolgreichen Juristenmutter und seinem zwischen Selbstgeißelung und Hass auf die akademische Mittelschicht schwankenden Soziologenvater kaum noch zu hören ist. Der Vater, für den der Sohn immer nur „der Junge“ ist, hat sich mit seinem Kind auf eine Reise in die schwäbische Heimat begeben. Keine erfindungsreichen Schwaben in Hollywood, sondern eine Familie, in der sich schon viele Männer das Leben genommen haben.

          Unsicherheit und Selbstfindung auch bei Alexander. Nachdem Lou, die Protagonistin ihres Debütromans, einen „Hexer“ kennengelernt hat, gerät ihr Leben aus den Fugen. Im Erdbebenwetter, wenn es in Kalifornien mitten im Winter plötzlich heiß wird. Moderiert wird das rege Gespräch von der Schriftstellerin Antje Rávik Strubel. Ehe das Publikum beiden vor der Leinwand applaudiert, bezeichnet sie Alexanders Roman, den die in Potsdam und Los Angeles lebende Germanistin auf Deutsch und Englisch verfasst hat, als „hybrides Format“. So hybrid wie die Messe. Die Buchbranche sollte in Hühnerfarmen investieren.

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