https://www.faz.net/-gzg-7pv78

Frankfurter Ben-Gurion-Ring : Ermittlungen nach Schießerei werden ausgeweitet

Rockerbeerdigung: Der Anfang April am Ben-Gurion-Ring erschossene Kibrom T. gehörte dem Rockerclub „Gremium MC“ an. Die Tat ist noch nicht aufgeklärt. Bild: dpa

Acht Wochen nach der Schießerei im Ben-Gurion-Ring kommt das Viertel nicht zur Ruhe. Die Polizei ermittelt weiter und die Anwohner kämpfen gegen die Stigmatisierung ihrer Siedlung.

          2 Min.

          Die Siedlung am Ben-Gurion-Ring kommt auch fast zwei Monate nach der Schießerei nicht zur Ruhe. So hat es nach der Tat im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach, bei der Anfang April der Deutsch-Äthiopier Kibrom T. getötet wurde, weitere Festnahmen gegeben, die offenbar im Zusammenhang mit Drogengeschäften stehen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Drei Personen sind dem Vernehmen nach in Haft. Sie sollen versucht haben, nach der Schießerei Drogengeschäfte weiterzuführen, die zuvor auch mit Kibrom T. in Verbindung gebracht wurden. Dabei sollen die Beschuldigten auf der Suche nach angeblich versteckten Drogen gewesen sein. Dem Vernehmen nach haben sie einen jungen Mann, von dem sie sich Informationen zu dem Rauschgift erhofften, aufgesucht und ihn schwer misshandelt. Die jüngsten Festnahmen sind auch Gesprächsthema in der Siedlung selbst. Die Polizei bestätigte am Mittwoch, dass es weitere Festnahmen gegeben habe. Einzelheiten nannte sie aber nicht.

          Anwohner fordern mehr Schutz

          Bei einem der nun inhaftierten jungen Männer soll es sich um einen polizeibekannten Gewalttäter handeln, der zu der Gruppe der sogenannten Heddernheimer U-Bahn-Schläger gehörte, die im Januar 2008 einen Bahnfahrer angegriffen und schwer verletzt hatten. Die Tat hatte im damaligen Landtagswahlkampf für großes Aufsehen gesorgt. Der heute Vierundzwanzigjährige gilt als Intensivtäter und war in der Vergangenheit wegen diverser Gewalttaten verurteilt worden.

          Immer mehr Anwohner fordern, dass die Siedlung stärker bewacht wird. Direkt nach der Schießerei hatte die Polizei reagiert und war in dem Viertel öfter präsent - auch, um zu verhindern, dass es zwischen dem Umfeld des Opfers und dem des mutmaßlichen Täters weitere Auseinandersetzungen gibt.

          Tatort Parkanlage: Vor diesem Wohnblock im Ben-Gurion-Ring kam es zu der tödlichen Schießerei am 2. April 2014.

          In der Diskussion ist dem Vernehmen nach ein privater Sicherheitsdienst, der zu bestimmten Zeiten, etwa an den Wochenenden, in der Siedlung Streife laufen soll. Anwohner sagen, das sei dringend nötig, um das Sicherheitsgefühl in dem Viertel zu erhöhen. Zudem soll es bald eine „geeignetere Durchmischung“ der Mieterschaft geben. Entsprechende Überlegungen gibt es dem Vernehmen nach bei den Wohnungsbaugesellschaften, die am Ben-Gurion-Ring Appartements in den großen Wohnblöcken vermieten. So sollen mehr Wohnungen als bisher frei vermietet werden.

          Image des Viertels als „sozialer Brennpunkt“

          In einer Bürgersprechstunde, die vor etwa drei Wochen in der Siedlung stattfand, hatten Anwohner gegenüber der Polizei, Vertretern des Ortsbeirats und des städtischen Präventionsrats geäußert, sie wollten, dass ihr Viertel endlich das Image als sozialer Brennpunkt verliere; das sei eine Stigmatisierung, unter der vor allem die älteren Anwohner, aber auch die Jugendlichen zu leiden hätten.

          Sie forderten unter anderem den Abbau der Gedenkstätte, die seit Wochen in Form von Dutzenden Kerzen, Fotos und Transparenten an dem Tatort steht. „Es ist schlimm, gerade für die Kinder im Viertel, jeden Tag aufs Neue an die Schießerei erinnert zu werden“, sagt eine Anwohnerin. Die Familie und Freunde des Toten jedoch beharren darauf, dass „der Ort des Trauerns“ erhalten bleibe. „Es ist traurig, was passiert ist“, sagt ein Anwohner. „Aber die Tat hatte einen kriminellen Hintergrund. Das sollte man nicht glorifizieren.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.