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Frankfurter Bahnhofsviertel : Raus aus der Elendsspirale

Im Frankfurter Bahnhofsviertel leben besonders viele Obdachlose und Drogenabhängige. Bild: Maximilian von Lachner

Was hilft Menschen, die auf der Straße leben? Der Ortsvorsteher Oliver Strank des besonders betroffenen Frankfurter Bahnhofsviertels schlägt vor: eine bedingungslose Wohnung und Arbeit.

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          Etwas muss sich ändern, das ist für Oliver Strank klar. Der SPD-Politiker, der Ortsvorsteher für das Bahnhofsviertel ist, will nicht zusehen, wie Obdachlose verelenden. Gerade war er unterwegs, um Weihnachtspakete an Menschen zu verteilen, die kein Zuhause haben, die von Alkohol oder Drogen abhängig sind und weder Arbeit noch Geld haben. Strank weiß, dass nicht alle Fachleute aus der Obdachlosen- und Drogenhilfe jubeln, wenn Helfer Geschenke oder Essen verteilen. Das verstetige die Situation der Bedürftigen, lautet das Argument dagegen. Aber Strank sagt: „Die Wertschätzung und Begegnung sind wichtig.“

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch für den Helfer: Diese Begegnungen haben ihn dazu gebracht, jetzt eine Debatte anzustoßen, wie den Obdachlosen geholfen werden kann. Strank hat dafür zwei Anträge in seinen Ortsbeirat eingebracht: Er will, dass Obdachlose zuallererst eine Wohnung bekommen, unabhängig davon, ob sie mit Sozialarbeitern an psychischen Problemen oder Süchten arbeiten, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder sich kooperativ zeigen. Ein harter Kern von etwa 200 Menschen schläft in Frankfurt auf der Straße. Für diese Gruppe will Strank das „Housing first“, also eine Wohnung, die nicht daran geknüpft ist, ob sich die Betroffenen an Auflagen halten. Hätten sie diese und damit auch eine Meldeadresse, könnten andere Probleme leichter angegangen werden, etwa der Bezug von Sozialleistungen. Der geschützte Raum mache es auch leichter, sich mit der Sucht auseinanderzusetzen, weil er die Betroffenen stabilisiere. „So kann der Teufelskreis durchbrochen werden“, meint Strank.

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