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Frankfurter Bahnhofsviertel : Nächste Runde im Kampf gegen Dealer

Drogenrazzia im Frankfurter Bahnhofsviertel (Archivbild) Bild: dpa

Die Polizei erhöht den Druck auf die Rauschgiftszene. Jetzt nahm die neue Dienststelle für das Bahnhofsviertel die Arbeit auf.

          2 Min.

          Das Büro von Markus Sabais sieht so aus, wie ein Büro eben aussieht, wenn man gerade eingezogen ist. Ziemlich karg. Aber das Wichtigste steht schon dort. Ein Computer, ein Telefon, sogar schon ein paar Grünpflanzen. Vor allem aber hängt eine riesige Karte an der Wand mit den Straßen des Bahnhofsviertels. Sein künftiges Einsatzgebiet. Denn der 38 Jahre alte Polizeioberrat leitet die neue Dienststelle, die mit annähernd 150 Beamten eingerichtet worden ist, um die Kriminalität im Bahnhofsviertel nachhaltig zu bekämpfen.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Fachjargon nennt sich die Dienststelle „REE“, was für Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit steht. Sie ist der Nachfolger der sogenannten „BAO Bahnhofsgebiet“, die ein Jahr lang mit hundert Beamten und täglichen Kontrollen gegen die Drogenkriminalität vorgegangen ist. Die neue Dienststelle ist auf mehrere Jahre angelegt. So lange zumindest, bis sich die Situation im Bahnhofsviertel wesentlich verbessert hat.

          Weniger Dealer auf den Straßen

          Dass das viel Arbeit wird, weiß Sabais mit am besten. Er kennt die Strukturen des Bahnhofsviertels seit Jahren, hat sich eingelesen in das, was die BAO seit Monaten schon an Vorarbeit geleistet hat. Die Dealer auf den Straßen seien weniger geworden. Nun gelte es vor allem die Ebene der Zwischenhändler anzugehen, sagt der Polizist.

          Damit sind jene Dealer gemeint, die in der Hierarchie weiter oben sitzen und deren Zahl die Polizei auf eine „überschaubare Größe“ von rund 30 bis 50 Beteiligte schätzt. Die Logistiker, die die Händler auf den Straßen koordinieren und die Abnehmer, die die Kokainlieferungen entgegennehmen. Und schließlich auch die Crack-Küchen-Betreiber, die das Rauschgift in konspirativen Wohnungen mit Backpulver aufkochen und in kleine Kügelchen pressen, die dann in Kleinstportionen an den Endkunden verkauft werden.

          Innenminister Peter Beuth fordert Erfolge

          Vor einigen Wochen erst ist der Polizei ein größerer Schlag gegen eine Gruppierung gelungen. In einer Küche in Flörsheim haben die Männer Crack angefertigt, das eigens nur für das Frankfurter Bahnhofsviertel gedacht war, wie Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagt. Seinen Worten zufolge hat dieser Erfolg aber noch nicht ausgereicht, um eine nachhaltige Versorgungslücke innerhalb der Drogenszene zu schaffen. Deshalb brauche die Polizei mehr solcher Aufgriffe, sagt Bereswill, der noch einmal Bilanz gezogen hat. 45 Kilogramm Rauschgift wurden sichergestellt, 62 300 Personen kontrolliert, 8700 Ermittlungsverfahren eingeleitet, im Schnitt ging an jedem zweiten Tag ein Dealer in Untersuchungshaft. „Wir wollen spürbare Auswirkungen auf die Szene.“

          Innenminister Peter Beuth (CDU), der die neue Dienststelle besuchte, mahnte die Stadt Frankfurt abermals, „nun ebenfalls ihre Hausaufgaben zu machen“. Seine Kritik richtete sich gegen alle beteiligten Dezernate gleichermaßen: gegen das für die Drogenpolitik zuständige Gesundheitsdezernat, das für die Reinigung der Straßen verantwortliche Umweltdezernat und das Sicherheitsdezernat, dem die Stadtpolizei angehört. Von ihnen fordert er, dass sie in ihrer jeweiligen Zuständigkeit ebenfalls bald Erfolge vorweisen.

          Demnächst soll endlich auch die neue Überwachungskamera installiert werden, auf die die Polizei wegen der ausgiebigen Diskussionen zwischen CDU, SPD und Grünen lange gewartet hat. Dass die Technik der bisherigen Kameras veraltet ist, ist offensichtlich, wie ein Blick auf die Monitore zeigt, die das Geschehen am Kaisersack und an der Düsseldorfer Straße aufzeichnen. Die Personen auf dem Kaisersack sind, wenn herangezoomt wird, teils nur verschwommen zu sehen. Die moderne, aber „nur“ mobile Kamera an der Düsseldorfer Straße überträgt zwar gestochen scharfe Bilder, allerdings zeichnet sie immer nur den gewählten Ausschnitt des Geschehens auf. Die Bilder von kriminellen Handlungen im Umfeld hingegen gehen verloren. Dabei werde im Viertel nicht nur mit Drogen gehandelt, sondern es würden eine Vielzahl an anderen Delikten begangen, so Bereswill. Auch die soll die neue Dienststelle bekämpfen.

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