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Frankfurter Bahnhofsviertel : Hilfe und Repression

Not: Eine Frau kauert im Frankfurter Bahnhofsviertel auf dem Asphalt. Bild: dpa

Das Elend im Frankfurter Bahnhofsviertel ist laut dem Gesundheits- und dem Ordnungsdezernenten groß. Die Politiker haben bereits einen Lösungsansatz für die Probleme.

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          Um die Missstände im Frankfurter Bahnhofsviertel zu beheben, braucht es nach Ansicht von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) ein Zusammenspiel von Drogenhilfe und repressiven Maßnahmen. Die Situation im Viertel ist angespannt und hat sich verschlechtert, so bewertet es sowohl Majer als auch Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Müll, Verschmutzung, offener Drogenkonsum und -handel sowie teils aggressives Verhalten der Obdachlosen und Drogensüchtigen seien auch eine Folge der Corona-Krise. „Im Bahnhofsviertel halten sich in den letzten Wochen aufgrund der Handlungsvorschriften zur Eindämmung des Coronavirus wesentlich weniger Menschen auf, die nicht zum Kreise der Drogenhändler, Drogenabhängigen oder Obdachlosen gehören“, sagte Frank auf Anfrage der F.A.Z.. Vor Corona habe es ein Korrektiv von Anwohnern, Touristen und Gewerbetreibenden gegeben, das nun weggefallen sei. „Das Elend in diesem Viertel tritt damit in den letzten Wochen sehr viel stärker als sonst in Erscheinung.“

          Theresa Weiß
          (weth.), Rhein-Main-Zeitung
          Katharina Iskandar
          (isk. ), Rhein-Main-Zeitung

          Dezernent Majer, der auch für die Drogenhilfe zuständig ist, sieht das ähnlich. „Für die Drogenabhängigen, die sich ständig im Bahnhofsviertel aufhalten, ist dies der Ort, der für sie ihr Zuhause ist, der ihnen Sicherheit bietet und an dem sie gerade aus Angst vor der Pandemie festhalten. Während des Lockdowns haben sich neue Freiräume im Bahnhofsviertel aufgetan, die von unterschiedlichen Gruppen jetzt genutzt werden.“ Da außerdem Druckräume und Begegnungsstätten ihr Angebot reduzieren mussten, finde mehr offener Konsum statt. „Als Dezernent unterstütze ich daher ausdrücklich die Stadt- und Landespolizei, wenn sie die für alle Bürgerinnen und Bürger gültigen Regeln im öffentlichen Raum durchsetzen. In der Frankfurter Drogenpolitik müssen Hilfe und Repression zusammenwirken“, sagte Majer der F.A.Z..

          Am „Frankfurter Weg“ festhalten

          Schon jetzt wird im Bahnhofsviertel nach Angaben von Frank intensiv kontrolliert. Die Stadt setze sich für das Viertel ein, hob der Dezernent hervor. Er sieht einen Lösungsansatz für die Probleme in dezernatsübergreifender Arbeit durch den Koordinator, der als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Ämtern und Behörden helfe, „zum Beispiel, wenn eine Litfaßsäule versetzt werden muss, die sich als beliebtes Drogendepot erwiesen hat“, wie Frank sagte. Zudem würden die Straßen regelmäßig gereinigt, aus dem Haushalt gebe es dafür Mittel. Auch Beleuchtung und Videoüberwachung würden stetig verbessert. Weiterhin habe sich die Stadt von München und Zürich beraten lassen, um Impulse für den Umgang mit den Drogenabhängigen zu sammeln.

          Der „Frankfurter Weg“ sei jedoch nicht gescheitert, da sind sich beide Dezernenten einig. Frankfurt sei es gelungen – entgegen dem Trend in nahezu allen anderen Großstädten –, die Anzahl der Drogentoten vom Niveau der neunziger Jahre mit bis zu 150 Toten im Jahr auf 20 bis 30 Tote zu senken. Diesen Weg werde man weitergehen, sagte Majer: „Wir werden die niedrigschwellige Substitution in Bahnhofsnähe ausweiten.“ Auch die heroingestützte Behandlung solle ausgebaut werden. Drogensüchtige in einem Konsumareal zu isolieren sei jedoch unmenschlich.

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