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Finanz-Affäre : Wie der Frankfurter Awo der Neuanfang gelingen will

Finanz-Affäre der Frankfurter Awo: Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) stellt sich der Kritik. Bild: dpa

Gegen den Frankfurter Kreisverband wird wegen finanzieller Machenschaften ermittelt. Viele Ehrenamtliche aus den Ortsvereinen zeigen sich enttäuscht und entsetzt. Wie soll es nun weitergehen?

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          Als ein „Zeichen der Hoffnung nach Wochen der Wut und Resignation“ bezeichnet der Awo-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler den Verlauf der Kreiskonferenz der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt am Samstag. Viele der etwa 100 Delegierten hätten sich zu Wort gemeldet und „eine klare Sprache gesprochen“. Die Ehrenamtlichen aus den Ortsvereinen hätten ihr Entsetzen und ihre Enttäuschung über die mutmaßlichen Verfehlungen der bisherigen Kreisverbandsführung geäußert. Es habe aber auch Selbstkritik und Entschuldigungen gegeben: Man sei zu gutgläubig gewesen und hätte früher etwas gegen die Machenschaften der Verbandsspitze unternehmen müssen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu Beginn des nichtöffentlichen Treffens hatte Stadler einen Zwischenbericht über die Erkenntnisse gegeben, die der Bundesverband aus den bisherigen Prüfungen des Kreisverbands gezogen hat. Der Frankfurter Awo-Führung werden – ähnlich wie der mit ihr eng verknüpften Wiesbadener Awo-Leitung – unter anderem Selbstbereicherung durch völlig überhöhte Gehälter, hochmotorisierte Dienstwagen und Luxusreisen vorgeworfen. Öffentliche Gelder, unter anderem für die Versorgung von Flüchtlingen, sollen zweckentfremdet worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs zu Lasten der Stadt Frankfurt und Untreue gegen den eigenen Verband. In der vergangenen Woche wurden deshalb Geschäfts- und Privaträume der Verantwortlichen in Hessen und Berlin durchsucht.

          Neues Präsidium geplant

          Eigentlich hätte auf der Konferenz am Samstag ein neues Präsidium, also eine ehrenamtliche Führung gewählt werden sollen. Das wurde jedoch wegen einer womöglich nicht rechtskräftigen Einladung vertagt. Stattdessen nutzten die Delegierten das Treffen zur offenen Aussprache. Die Funktionäre, die im Zentrum der Beschuldigungen stehen, darunter der frühere Geschäftsführer Jürgen Richter, seine Stellvertreter Panagiotis Triantafillidis und Jasmin Kasperkowitz sowie der zurückgetretene Präsident Ansgar Dittmar, waren nicht erschienen.

          Besonders gelobt wurde im Anschluss Sitzungsleiterin Sylvia Schenk. Die SPD-Politikerin, die in Frankfurt Sportdezernentin war und heute für die Antikorruptionsorganisation Transparency International tätig ist, habe mit einer klugen Moderation für einen „ungeheuer ehrlichen“, aber auch sachlichen Verlauf der Debatte gesorgt. Klemens Mielke, der Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Nied, sprach von einer konstruktiven Atmosphäre und einem „Schritt nach vorn auf dem richtigen Weg“.

          Am 15. Februar soll nun eine weitere Kreiskonferenz stattfinden, auf der ein neues Präsidium gewählt wird, das dann auch über eine neue Geschäftsführung bestimmen muss. Mögliche Präsidiumskandidaten wurden am Samstag genannt. „Es handelt sich um Frauen und Männer aus den Reihen der Frankfurter Awo, die über Kompetenz und den notwendigen Abstand zu bisherigen Akteuren verfügen“, sagte Stadler. Es sei klar, dass es einen „radikalen Wechsel“ geben müsse. Er sei überzeugt davon, dass der Neuanfang gelingen werde: „Der Zustand der Machtlosigkeit ist aufgehoben.“

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