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Wegen Finanzskandals : Frankfurter Awo-Präsidium tritt zurück

Dienstwagen: Awo-Fahrzeug vor der Zentrale des Kreisverbands im Frankfurter Ostend Bild: Imago

Der Druck war zu groß: Das Präsidium der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt um den Vorsitzenden Ansgar Dittmar ist zurückgetreten. Die CDU kritisiert, die SPD betrachte den Verband als „Selbstbedienungsladen“.

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          Das Präsidium der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Somit hat auch der Präsidiumsvorsitzende Ansgar Dittmar die Konsequenzen aus dem Skandal um zwielichtige Geschäfte, überzogene Gehälter, Luxus-Dienstwagen und Mobbing gegen Mitarbeiter gezogen. Wie der Kreisverband gestern mitteilte, tritt das gesamte ehrenamtliche Führungsgremium zurück, wobei mehrere der ursprünglich 21 Mitglieder ihr Amt schon zuvor aufgegeben hatten. „Ab sofort kann und muss die Awo Frankfurt reorganisiert werden“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung des Präsidiums.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem zuvor schon in Frankfurt der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter und die ehrenamtlichen Revisoren sowie in Wiesbaden der Kreisvorsitzende Wolfgang Stasche ihr Amt niedergelegt hatten, war der Druck auf Dittmar immer stärker geworden. Unter anderen der Awo-Bundesverband forderte ihn zum Rückzug auf. Dittmar ist auch hauptamtlicher Geschäftsführer des Bezirksverbands Hessen-Süd, dem schwere Versäumnisse bei der Kontrolle der beiden Kreisverbände vorgeworfen werden.

          In einer Sitzung Anfang Dezember hatte Dittmar den Rückzug noch verweigert und Neuwahlen für den 18. Januar angekündigt. Gestern rechtfertigte sich das Präsidium dafür, die Forderung aus Politik, Gesellschaft und eigenem Verband so spät erfüllt zu haben. „Es wäre niemandem, am allerwenigsten der Awo, geholfen gewesen, die Arbeit aufgrund lautstarker Rücktrittsforderungen Dritter einfach ,hinzuwerfen‘.“ Das Präsidium habe in den zurückliegenden Wochen „verantwortungsbewusst, kollegial und vor allen Dingen geordnet zahlreiche Maßnahmen eingeleitet“. Dazu gehörten Kontrollen durch unabhängige Wirtschaftsprüfer und die Bestellung eines externen Compliance-Officers, der mit seinem Team Ansprechpartner im Fall „tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände“ sei.

          Entlastung für Präsidium verweigern

          Zweifelsohne seien im Kreisverband Frankfurt Fehler gemacht worden. „Menschen sind fehlbar.“ Unter den Fehlern litten die Mitarbeiter und Mitglieder des Verbands. „Nach allem, was wir bis jetzt wissen, haben einzelne Personen, denen wir in der Vergangenheit vertrauten, wohl Maß und Mitte verloren.“ Die Vorwürfe überschatteten die tägliche Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen. „Wir hoffen sehr, dass Medien und Gesellschaft wahrnehmen, dass die Awo mit all ihren sozialen Einrichtungen in Frankfurt unverzichtbar bleibt.“

          Die Arbeit der Beschäftigten lobte auch Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) in einem Brief, den sie am Freitag an die Awo-Ortsvereine des Kreisverbands schickte. Gleichzeitig appellierte sie an die Verantwortung der Mitglieder, aus der aktuellen Krise herauszukommen. Möglich sei das nur mit einem „konsequenten Neuanfang mit neuem Führungspersonal“ und der „ernsthaften Aufarbeitung aller Vorwürfe“. Dafür sollten die Ortsvereinsvorsitzenden und die Betriebsräte bei der Kreiskonferenz Mitte Januar die Weichen stellen. Sprich: Sie sollten dem Präsidium keine Entlastung erteilen. Auch der Vorsitzende des Awo-Bundesvorstands, Wolfgang Stadler, hatte vor einigen Tagen an Mitglieder und Delegierte des Kreisverbands appelliert, das Präsidium nicht zu entlasten.

          CDU sieht „Genossenfilz“ zwischen Awo und SPD

          Birkenfeld teilt weiter mit, dass sie das Rechtsamt beauftragt habe zu prüfen, ob Verträge mit dem Kreisverband gekündigt werden könnten. Das könne zwar auch Hilfsbedürftige und Beschäftigte treffen, ihr bliebe jedoch keine Wahl, wenn sie die Interessen der Stadt nicht anders schützen könne. Birkenfeld erinnerte daran, dass der Verlust der Gemeinnützigkeit drohe.

          Unterdessen hat die hessische CDU die SPD wegen deren Verbindungen zur Awo und der möglichen Verstrickung sozialdemokratischer Politiker in den Skandal angegriffen. CDU-Generalsekretär Manfred Pentz bezeichnete die Arbeiterwohlfahrt als „Selbstbedienungsladen hochrangiger SPDler“. Es sei beschämend, wie unter Beteiligung von SPD-Mitgliedern Steuergeld, das Bedürftigen zugutekommen sollte, für opulente Geschäftsführergehälter, PS-starke Dienstwagen und Übernachtungen in Luxushotels verwendet worden sei. Die SPD-Landesvorsitzende Nancy Faeser habe noch kürzlich gesagt, dass die SPD und die Awo untrennbar verbunden seien. „Historisch mag das stimmen, viel schlimmer ist, dass durch den verbindenden Genossenfilz und die Raffgier einiger Weniger nun der gesamte Wohlfahrtsverband in schlechtem Licht steht.“

          Als skandalös bezeichnet Pentz auch das Verhalten des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der zuerst angegeben hatte, nichts von dem hohen Gehalt seiner bei der Awo angestellten Frau gewusst zu haben, nun aber ankündigte, es eventuell zurückzuzahlen. „Ein deutlicheres Schuldeingeständnis kann es nicht geben.“ Die SPD verteidigte sich mit einem Verweis auf die Feststellung des Awo-Bundesverbandes, wonach der südhessische Skandal ein Problem der Awo und nicht der SPD oder Feldmanns sei. Darauf wiederum reagiert die Frankfurter FDP irritiert: Der Awo-Bundesverband versuche, Feldmann „weißzuwaschen“.

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