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Frankfurter Schwimmbäder : „Mehr Badezeiten nur für Frauen“

  • -Aktualisiert am

Viele Musliminnen gehen in sogenannten Burkinis schwimmen: Auf dem Bild trägt die Berlinerin Abir einen Ganzkörperschwimmanzug in einem Freibad. Bild: dpa

Der Frankfurter Ausländerbeirat und eine Orts-SPD sehen Bedarf an mehr Schwimmzeiten nur für Frauen. Der SPD-Chef und der Sportdezernent der Stadt sind allerdings skeptisch.

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          In Frankfurter Schwimmbädern soll es mehr Badezeiten ausschließlich für Frauen geben. Das fordern die Kommunale Ausländervertretung (KAV) und die SPD im Bezirk Bockenheim/Kuhwald/Westend. Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef, Sportdezernent Markus Frank (CDU) und die städtischen Bäderbetriebe sind eher dagegen, aber es scheint durchaus eine Nachfrage zu geben.

          Nach einer Anregung der KAV ist das Gartenbad Fechenheim schon seit 1993 sonntags von 8 bis 11Uhr für Frauen reserviert. Seit 2003 gehört das Bad zur TG Bornheim, die die Regel von der Stadt übernahm. Nach Angaben von Boris Zielinski, dem Sportlichen Leiter des Vereins, wird das Angebot jeden Sonntag von mehr als 100 Frauen genutzt, von denen 80 bis 90 Prozent Musliminnen seien. Zu dieser Zeit wird ausschließlich weibliches Personal eingesetzt.

          Angebot nicht nur für Musliminnen gedacht

          Die KAV will, dass Frauen in Fechenheim länger schwimmen können und dass es für sie auch in anderen Stadtteilen ein solches Angebot gibt. „Der Bedarf ist da, auch für Frauen ohne religiösen Hintergrund“, sagt Hüseyin Kurt, auf den die Anregung zurückgeht. Die SPD im Bezirk Bockenheim/Kuhwald/Westend unterstützt die Idee, schlägt aber eine variable Regelung. Sie bittet den Ortsbeirat, den Magistrat aufzufordern, ein derartiges Konzept zu prüfen. Im Blick hat die Orts-SPD besonders das Rebstockbad. Gemeint sei ein Angebot für alle Frauen, nicht etwa nur für Musliminnen, hebt der SPD-Fraktionschef im Ortsbeirat, Martin Völker, hervor.

          Die SPD-Fraktion im Römer will sich nach den Worten Josefs noch mit dem Thema befassen. Er selbst ist wegen grundsätzlicher Erwägungen zum Miteinander der Geschlechter aber gegen eine besondere Badezeit für Frauen. Wenn man wolle, dass Kinder gemeinsam den Schwimmunterricht besuchten, sei es schwierig, für Erwachsene eine Ausnahme zu schaffen. Außerdem seien ihm keine Vorfälle bekannt, die gegen eine gemeinsame Nutzung sprächen. Auch Sportdezernent Frank ist skeptisch, würde die Angelegenheit aber prüfen, wenn das politisch gewollt sei. Besonders beim Rebstockbad sei er jedoch „extrem zurückhaltend“, weil es sehr stark frequentiert sei.

          „Spezielle Schwimmzeiten sind wenig integrationsfördernd“

          Betül Yimez würde sich hingegen über ein größeres Angebot für Frauen freuen. Die Erziehungswissenschaftlerin arbeitet an der Goethe-Universität im Projekt „Hessische Muslime für Vielfalt und Demokratie“ mit und hat das Fechenheimer Bad genutzt. Es sei wegen der großen Nachfrage aber sehr voll gewesen, so dass sie sich wieder abgemeldet habe. „Für Frauen, die aus religiösen oder anderen Gründen unter sich sein wollen, ist ein eigenes Angebot wichtig.“ Das gelte auch mit Blick auf Flüchtlinge.

          Die städtischen Bäderbetriebe halten spezielle Schwimmzeiten für Frauen jedoch für wenig integrationsfördernd, wie Stela Staneva, die stellvertretende Marketingleiterin, hervorhebt. Auch Flüchtlingsfrauen nähmen an gemischten Schwimmkursen teil. Zudem seien in allen Bädern Burkinis zugelassen. Über die Frage, ob Badezeiten für Frauen eingeführt werden sollten, sei immer wieder diskutiert worden, aber man habe sich nach Rücksprache mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten dagegen entschieden, so Staneva. Eine Ausnahme bildet das Riedbad in Bergen-Enkheim, das im Winter an einem Tag für zwei Stunden nur Frauen offensteht.

          Gabriele Wenner, die Leiterin des städtischen Frauenreferats, nimmt an, dass es einen Bedarf für spezielle Schwimmzeiten gibt, auch ohne kulturelle oder religiöse Begründung. Sie verweist etwa auf den Wunsch von Mädchen, schwimmen zu gehen, ohne „angemacht oder begrapscht zu werden“. Man solle den Bedarf erheben und dann schauen, was sinnvoll sei.

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