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Frankfurter Animal Lounge : Leckerli und Kuscheldecke für den Flug

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Von Frankfurt nach Teheran: Ein braunes Araberpferd schaut aus dem Container zum Flugzeug. Bild: Amadeus Waldner

Neben zig Millionen Menschen fliegen jedes Jahr auch Millionen Tiere vom größten deutschen Airport ab oder landen dort. Auch auf echte Exoten sind die Mitarbeiter dort vorbereitet.

          In den auf dem Zwingerboden ruhenden Weimaraner kommt Leben, als sich Nadine Meister der Tür nähert. Im Nu ist der Hund schwanzwedelnd auf den Beinen, presst Schnauze und Vorderpfoten gegen das Gitter und bellt aufgeregt. Hier braucht jemand wohl ein paar Streicheleinheiten, denkt sich der Beobachter. Beruhigend spricht die Tierpflegerin auf den Vierbeiner ein - und ein paar Leckerli gibt es auch. Doch eigentlich will die Mitarbeiterin der Animal Lounge am Frankfurter Flughafen sicher gehen, dass es dem Hund kurz vor seinem bevorstehenden Abflug nach Tel Aviv gut geht und er es sich langsam in der Transportbox bequem macht. Ready for Boarding - das gilt auch für Vierbeiner.

          Die Mitarbeiter der zum Frachtbereich der Lufthansa gehörenden Tierstation müssen nicht unbedingt flugtauglich sein - aber Tierliebe gehört schon dazu, auch wenn die große Mehrheit der tierischen Reisenden nicht so ein großes Liebesbedürfnis haben wie der Weimaraner auf dem Weg nach Israel. Die allerhäufigsten „Passagiere“, die in der Frankfurt Animal Lounge Station machen, sind Zierfische. „Etwa 80 Millionen im Jahr“, sagt Sabine Grebe, Leiterin der seit bald elf Jahren bestehenden Einrichtung.

          Tierschutzauflagen und Tierseuchenbestimmungen

          Allzu viel sei von den Reisenden mit Schuppen aber nicht zu sehen, denn deren Transportbehältnisse sind in Kisten untergebracht, erzählt sie. Für die Inaugenscheinnahme bei Ankunft, Export oder im Transit ist der Amtstierarzt zuständig.

          Die Animal Lounge, in der die Tiere vor dem Flug oder vor der Abholung untergebracht sind, ist letztlich nur ein kleiner Abschnitt im Verfahren von Tieren auf Reisen. Um die Bereitstellung der erforderlichen Papiere, Quarantäne, Nachweise der Gesundheit und dergleichen kümmern sich spezielle Tierspeditionen.

          „Es gibt Tierschutzauflagen, aber auch Tierseuchenbestimmungen“, sagt Grebe über die Bestimmungen, die beim Aufenthalt der Tiere in der Station einzuhalten sind. Sie sollen verhindern, dass Krankheiten eingeschleppt oder übertragen werden. In der 4000 Quadratmeter großen Anlage sind Import-, Export- und Transitbereich deshalb baulich voneinander getrennt. Ankömmlinge werden so etwa nicht Tieren begegnen, die auf ihren Abflug warten.

          Premium-Angebote

          Dabei gibt es auch in den einzelnen Bereichen Sicht- und Schallschutz. Die Dogge, die mit Spielzeug und Kuscheldecke auf den Abflug nach Singapur wartet, ist weit vom Zwinger des Weimaraner entfernt. In der Nachbarschaft ist lediglich aus einem einige Meter entfernten Zwinger unfreundliches Knurren zu vernehmen. Dort hängt an der Tür ein rotes Warnschild: „Bissiger Hund!“ Vor einem anderen Zwinger lehnt eine Palette. „Das ist dann immer ein Zeichen, dass man sich wirklich vorsehen muss oder das Tier mehr Ruhe braucht“ erläutert Meister, ehe sie zu einem Wasserschlauch greift und eine Pferdebox gründlich desinfiziert, ehe sie für den nächsten Kurzbewohner vorbereitet werden kann.

          Lufthansa Cargo: Eine Mitarbeiterin versorgt einen reisenden Vierbeiner. Bilderstrecke

          Rund 2000 Pferde fliegen jährlich über Frankfurt zu Wettbewerben, Deckeinsätzen oder auch im Rahmen eines internationalen Umzugs ihrer Besitzer. Für sie stehen in der Animal Lounge 42 Großtierställe bereit. Ruhebereiche gibt es insbesondere für Katzen, die nicht durch Wiehern oder Bellen gestört werden sollen und Grebe zufolge besonders gerne in der eigenen Box entspannen.

          Gerade für besonders fürsorgliche Hunde- oder Katzenbesitzer gibt es ein Premium-Angebot, das mit Sorgen aufräumen soll, sagt Grebe. „Die Mitarbeiter der Frankfurt Animal Lounge machen ein Bild von dem Tier in seiner Unterkunft und schreiben einen kurzen Bericht, wie es ihm geht. Das kommt sehr gut an, weil viele die Sorge haben: Was passiert im Transit mit unserem Tier?“

          Sorge um die Lieblinge

          Die Sorge um das Wohl der vierbeinigen Lieblinge sei auch öfter in den Papieren zu spüren: „Manche schreiben regelrechte Liebesbriefe mit den Kosenamen, dem Lieblingsspielzeug oder anderen Informationen über ihr Tier“, erzählt Meister, die seit einem Jahr in der Animal Lounge arbeitet und vorher in einer Tierklinik angestellt war. „Für uns ist das natürlich super.“ Denn da für viele Tiere schon die Trennung vom Besitzer Stress ist, können wir so viel besser auf sie eingehen.“

          Während der Transport von Haustieren oder Rennpferden für die Mitarbeiter Alltag ist, können fliegende Exoten eine besondere Herausforderung darstellen, etwa wenn Zootiere eine neue Heimat in einem anderen Zoo finden. „Wir haben die Standardfutter natürlich da - aber bei den Exoten muss man ein bisschen vorausplanen.“ Zudem seien etwa ein Nashorn oder ein Löwe nicht gerade Tiere, die als leicht im Umgang gelten. „Da fliegen dann die Zootierpfleger mit, die das Tier kennen und es schon an die Transportbox gewöhnt haben“, erklärt Grebe.

          Auch die Experten für Tierfracht stoßen allerdings bei manchem Exoten an Kapazitätsgrenzen: „Eine ausgewachsene Giraffe oder einen ausgewachsenen Elefanten könnten wir wohl nicht transportieren“, meint Grebe angesichts der Höhenabmessungen im Frachtraum. Für die Tierpfleger sind die Zootiere jedenfalls eine spannende Abwechslung, erzählt Meister „Neulich durfte ich sogar einen Koala streicheln, als sein Zoopfleger ihn auf dem Arm hatte.“

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