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Nächster Termin: : Frankfurter Allgemeine Bürgergespräch: Kultur und Zusammenhalt

Bürgergespräch: Wen erreicht die Kultur außerhalb des eingesessenen Bürgertums? Diese und andere Fragen werden in einem Bürgergespräch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Donnerstag, 26. April, von 19 Uhr an im Holzfoyer der Frankfurter Oper am Willy-Brandt-Platz verhandelt. Bild: dpa

Am 26. April 2018 diskutiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit interessierten Bürgern im Frankfurter Opernhaus über die Künste in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung.

          2 Min.

          Grundsätzliche Diskussionen über Kultur werden nur noch selten geführt. Das war einmal anders. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam mit Hilmar Hoffmanns Schlagwort von der „Kultur für alle“ das Thema der Teilnahme sämtlicher Bevölkerungsschichten an den Angeboten in Museen, Konzerthäusern, Theatern und anderen Einrichtungen auf den Tisch. In den Achtzigern wurde der Begriff „Kulturgesellschaft“ kreiert: Die Künste wurde als Mittel zur Kompensation verstanden, die nicht nur die individuelle, sondern auch die politische und gesellschaftliche Zerrissenheit wenn nicht heilen, so doch lindern sollte. Nach der Wiedervereinigung gab es Ansätze, die deutsche Einheit als Kulturprojekt voranzubringen. Aber mit derlei idealistischen Vorstellungen war bald Schluss.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Heute haben wir es mit einer „neuen Unübersichtlichkeit“ zu tun, von der Habermas, als er dieses Wort prägte, noch nichts ahnte. Die kulturelle Kluft zwischen Ost und West klafft nach wie vor, manche halten sie für tiefer denn je. Migranten-Parallelgesellschaften sind entstanden, mit denen kaum ein Austausch stattfindet, und an den Rändern der Gesellschaft sammeln sich immer mehr die Extreme: Populisten und eine neue, sich als geistige Vordenkerin gerierende Rechte, autonome Linke und eine gewaltbereite Antifa, Islamisten und weniger radikale Muslime, die gleichwohl im Zweifelsfall bereit sind, die Scharia über den Rechtsstaat zu stellen.

          Kulturschocks, Konfliktlinien und Kampfbegriffe

          Die Kultur wirkt derzeit ratlos angesichts der Lage. Die Überraschung der kulturellen Eliten an der West- und Ostküste der Vereinigten Staaten war groß, als sie zur Kenntnis nehmen mussten, dass ein Großteil Amerikas völlig anders dachte und fühlte als sie: Trump war ein Kulturschock vor allem für jene, die es nicht für möglich gehalten hätten, dass große Teile der Bevölkerung auf liberale Werte pfeifen würden. Ebenso ein Schock war der Brexit.

          Auch in Deutschland zeichnen sich Konfliktlinien ab, die bis in die Familien hineinreichen. Während der Aufstieg der AfD für die einen einem Rückfall in die Barbarei gleichkommt, leiden die anderen unter dem Druck einer politischen Korrektheit, die etwa einen Autor wie Uwe Tellkamp wegen seiner kritischen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unter intellektuelle Quarantäne setzt. Derweil sind Begriffe wie „Heimat“ oder „deutsche Kultur“ zu Kampfbegriffen mutiert, während die „Identitäre Bewegung“ die Idee der Identität gekapert hat. Dabei ist die Frage nach ihr dringlicher denn je: Lange für selbstverständlich gehaltene Zuschreibungen wie die, sich zunächst als Weltbürger, dann als Europäer und erst zuletzt als Deutscher zu fühlen, bröckeln zusehends unter der Zunahme nationalistischer Strömungen.

          Wen erreicht die Kultur?

          Die Kultur hat einmal für sich in Anspruch genommen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Aber wen erreicht sie außerhalb des eingesessenen Bürgertums, das sich weiterhin universalistischen Werten verpflichtet fühlt? Spiegelt sich die Vielfalt der Kulturen im Kunstbetrieb wider, die mittlerweile in einer Stadt wie Frankfurt ihren Platz haben? Soll das Stadttheater, sei es Schauspiel oder Oper, weiter an der Mischung aus klassischen und modernen Stücken vorwiegend aus der westlichen Tradition festhalten, oder ist es an der Zeit, sich auch in den großen Häusern anderen Stoffen und Formen zuzuwenden, die Angebote auch an nicht mit dem abendländischen Kanon vertraute Menschen machen?

          Diese Fragen werden unter anderen in einem Bürgergespräch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Donnerstag, 26. April, von 19 Uhr an im Holzfoyer der Frankfurter Oper am Willy-Brandt-Platz verhandelt. Deren Intendant Bernd Loebe ist einer der Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Ute Bansemir von „theaterperipherie“, Franziska Nori, Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, und Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, sind ebenfalls dabei.

          Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter www.faz.net/veranstaltungen nötig.

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