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Zwischen Frankfurt und Taunus : Die „Josefstadt“ soll flexibel bleiben

Neue Perspektiven: So könnte der Raum zwischen Frankfurt und dem Taunus gestaltet werden. Die meisten Wohnungen sollen in drei Quartieren auf der städtischen Seite der A5 errichtet werden. Auf der anderen Seite bleiben die meisten Äcker unbebaut. Ob es auch „Steinbach-Ost“ jemals geben wird, steht in den Sternen. Bild: Simulation Cityförster/Urbane Gestalt

Für den geplanten „Stadtteil der Quartiere“ gibt es ein erstes Bild. Die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs ordnen die geplanten Wohnviertel vor allem östlich der Autobahn an. Aber es gibt auch ein Angebot an Steinbach.

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          Vier neue Quartiere, davon drei auf Frankfurter Seite. 8600 Wohnungen, davon 7100 diesseits der Autobahn 5. Das Untersuchungsgebiet bleibt zu 75 Prozent unbebaut. Das sind die Kernbotschaften des Siegerentwurfs, den die Jury des städtebaulichen Wettbewerbs für einen neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten ausgewählt hat. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, votierte das Preisgericht einstimmig für den Vorschlag der Bürogemeinschaft Cityförster und Urbane Gestalt. „Der Entwurf hat die Frage, wie Stadt und Landschaft gemeinsam geplant werden können, hervorragend beantwortet“, lobte Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der von einem auch für ihn persönlich „wichtigen Moment“ sprach. Josef hatte immer wieder für das unter den Anliegern umstrittene Projekt geworben, das Kritiker auch spöttisch als „Josefstadt“ bezeichnen. „Wenn das Projekt schon informell meinen Namen trägt, dann soll es auch gut werden“, sagte er.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Ergebnis steht am Ende eines aufwendigen Workshop-Verfahrens, das unter großer Bürgerbeteiligung stattgefunden hat. Sieben Planungsteams hatten in den vergangenen Monaten Vorschläge erarbeitet, wie in dem bisher landwirtschaftlich geprägten Untersuchungsgebiet zwischen den Frankfurter Stadtteilen Praunheim und Niederursel auf der einen Seite und den Nachbarkommunen Eschborn, Steinbach und Oberursel auf der anderen Seite 8000 bis 12.000 Wohnungen und 6000 bis 8000 Arbeitsplätze entstehen könnten. Leitgedanke war dabei stets, einen „Stadtteil der Quartiere“ zu schaffen statt ein großes, zusammenhängendes Neubaugebiet wie am Riedberg. Die Quartiere sollen auch unabhängig von einander entwickelt werden können.

          Der Siegerentwurf ordnet den Großteil der neuen Wohnungen und Arbeitsplätze auf der Frankfurt zugewandten Seite der Autobahn an. Dort sind drei neue Viertel geplant, die die Namen Lachgraben-Quartier, Produktives Praunheim und Neu-West-Stadt tragen. Jenseits der Autobahn in Richtung Steinbach wollen die Entwurfsverfasser die landwirtschaftliche Weite und den Bezug zum Taunus erhalten. Allerdings sehen sie an der Ortsgrenze zur Nachbarkommune auch ein Erweiterungsgebiet „Steinbach-Ost“ vor, das direkt an die schon vorhandene S-Bahn-Trasse anschließt und zusätzlich von der Frankfurter U-Bahnlinie 7 erschlossen werden soll, die dafür verlängert werden müsste. Wie Josef hervorhob, handelt es sich in diesem Fall um eine „Angebotsplanung“, die nicht ohne Zustimmung der Nachbarstadt realisiert werden soll. Falls Steinbach bei seiner ablehnenden Haltung bliebe, würde allerdings auch der U-Bahn-Anschluss entfallen.

          Vom Lärm der Autobahn abgeschirmt

          Der Entwurf hebt sich von vielen anderen dadurch ab, dass er relativ einfach zu realisieren scheint und pragmatisch mit den größten Hindernissen im Untersuchungsgebiet – der Autobahn 5 und den Hochspannungsleitungen – umgeht. In Höhe des neuen Lachgraben-Quartiers quert eine relativ schmale Landschaftsbrücke die Autobahn, über die auch die verlängerte U-Bahnlinie 7 nach Steinbach geführt würde. Das Quartier soll darüber hinaus durch gewerblich genutzte Gebäude vom Lärm der Autobahn abgeschirmt werden. An anderen Stellen sollen Lärmschutzdeiche und Lärmschutzwände die Bewohner von den Immissionen der Autobahn schützen. Weil die Wohnquartiere genügend Abstand halten, müssen auch die Hochspannungsleitungen nicht verlegt werden.

          Um möglichst viel Landschaft zu schonen, wurde die Bebauung kompakt und dicht gehalten. Die Verfasser des Siegerentwurfs verzichten beispielsweise auf Einfamilienhäuser und planen vor allem drei- bis sechsgeschossige, vereinzelt aber auch höhere Gebäude. Westlich der Autobahn bleiben die Felder als „koproduktive Landschaft“ erhalten, ein Öko-Bauernhof soll zur regionalen Versorgung dienen. Das Bett des Steinbachs soll zu einem Naturpark aufgewertet werden.

          Einen Schwachpunkt des Entwurfs bildet die Neu-West-Stadt, die an die als Raumstadt geplante Frankfurter Nordweststadt anknüpft. Würden an dieser Stelle tatsächlich zwölfgeschossige Wohnhochhäuser errichtet, litte nicht nur das Weichbild der Stadt. Auch ist unklar, wie man die Bewohner in dieser Höhe vom Lärm der Autobahn schützen könnte.

          „Sehr selbstverständlich“

          Die Vorsitzende des Preisgerichts und Präsidentin der Bundesarchitektenkammer Barbara Ettinger-Brinckmann bescheinigt dem Siegerentwurf „große Qualitäten“. Er wirke „sehr selbstverständlich“ und präsentiere plausible Lösungsvorschläge für die vorhandenen Restriktionen, „ohne alles umzukrempeln“. Außerdem wirke das Konzept, das vorhandene Strukturen weiterentwickele, auch wirtschaftlich tragfähig. „Es ermöglicht den Bau eines Quartiers, ohne zwingend den nächsten Schritt zu machen.“

          Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher spricht von einer „pragmatischen und wirtschaftlich durchdachten Lösung“, die viele Wünsche der Bürger aufnehme. Das Verfahren sei eines der aufwendigsten gewesen, das er in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, und zu einem eindeutigen und guten Ergebnis gekommen.

          Der städtebauliche Siegerentwurf soll nun als Grundlage für die weitere Arbeit dienen. Die Empfehlung der Jury, die Studien, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und weitere fachliche Grundlagen sollen bis Ende 2021 in einen Abschlussbericht einfließen. Erst danach kann die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, ob eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Frankfurter Nordwesten tatsächlich sinnvoll ist und eingeleitet werden soll. Sollte der Entwurf realisiert werden, würde die Stadt Josef zufolge mit dem Quartier „Produktives Praunheim“ beginnen – „und sich dann langsam hocharbeiten“.

          Alle Entwürfe sind noch bis zum 30. November in einer Ausstellung im Planungsdezernat, Kurt-Schumacher-Straße 10, zu sehen. Die Beiträge finden sich zudem unter www.ffm.de/nordwest im Internet.

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