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Zum Tode von Iring Fetscher : Ein wohlwollender Frankfurter

  • -Aktualisiert am

Iring Fetscher ist im Alter von 92 Jahren am Samstag in Frankfurt verstorben. Bild: dpa

Vier Mal hat er Frankfurt anderen Städten vorgezogen. Der Politikwissenschaftler Iring Fetscher, der an der Goethe Universität Frankfurt lehrte, war kein begeisterter Frankfurter. Aber ein wohlwollender.

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          Nein, ein begeisterter Frankfurter war er nicht, aber ein wohlwollender. Immerhin hat der Politikwissenschaftler Iring Fetscher nicht weniger als vier Rufe – unter anderem nach Wien und New York – abgelehnt, um der Goethe-Universität treu zu bleiben. Fast ein Vierteljahrhundert, von 1963 bis 1987, lehrte er dort als Ordinarius für Politikwissenschaft, spezialisiert auf politische Theorie und Ideengeschichte.

          Fetscher war einer jener Professoren, die auch außerhalb ihres akademischen Wirkens von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Er wurde phasenweise sogar als „Fernsehprofessor“ bezeichnet, was seinen wissenschaftlichen Ruhm aber nicht wirklich beschädigen konnte. Dazu war zum Beispiel das mit seinem Schüler Herfried Münkler herausgegebene fünfbändige „Handbuch der politischen Ideen“ zu gewichtig. Dass man Fetscher außerhalb der geisteswissenschaftlichen Sphäre wahrnahm, lag auch an zwei Dingen: Er ging offen mit seiner Lebensgeschichte um, etwa mit seiner anfänglichen Kriegsbegeisterung als Soldat und als Zuhörer bei Goebbels’ Sportpalast-Rede. Und er trat als populärer Autor ironisch-tiefenpsychologischer Beschäftigung mit Märchen hervor.

          Träger der Goethe-Plakette

          Als die „Frankfurter Rundschau“ den Politikwissenschaftler Fetscher 2009 mit der Museumsleiterin Susanne Gaensheimer über seine Wahlheimat nachdenken ließ, nannte er Frankfurt „viel bedeutender als München“. Dem Transitorischen der Stadt gewann er eine ironische Volte ab: „Keine andere Stadt in Deutschland hat mit ihrem Flughafen und ihrem Hauptbahnhof so viele Bezüge zur Welt. Das spricht nicht gerade dafür zu bleiben, vielmehr ist man hier, weil man überall hinkann.“

          Der Stadt verbunden war der Vater von vier Kindern, Träger der Goethe-Plakette, der im Dichterviertel lebte, vor allem über die Römerberggespräche, an denen er sich regelmäßig beteiligte. Am Samstag ist er in einem Frankfurter Krankenhaus gestorben.

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