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Zukunft des Campus Bockenheim : Wohnen, Kultur und viel Grün auf der Wunschliste

  • -Aktualisiert am

Sehr beliebt: Das Studierendenhaus wollen die Teilnehmer der Dialogrunde unbedingt erhalten sehen. Bild: Astis Krause

Was wird aus dem Campus Bockenheim, wenn die Uni weggezogen ist? Die Stadt sammelt Vorschläge von Bürgern.

          3 Min.

          „Das ist ja wie in der Schule“, sagt ein Mann am Nebentisch. Im Festsaal des Studierendenhauses auf dem Campus Bockenheim sind viele kleine Tischgruppen im Raum verteilt. Auf ihnen liegen bunte Wachsmalstifte, gelbe Papierkärtchen und Pläne des Campus-Geländes – vor und nach seiner geplanten Neugestaltung. Es gibt Süßigkeiten, Getränke und Brezeln. Keine schlechte Idee bei einer Diskussionsrunde, die dreieinhalb Stunden dauern wird.

          Etwa 100 Interessierte haben sich eingefunden, um den Vertretern des Stadtplanungsamtes, das die Veranstaltung initiiert hat, ihre Vorschläge zur zukünftigen Gestaltung des Campus zu unterbreiten. Viele tragen runde Pappschilder, auf denen ihr Name steht. Das Motto des Abends wird in dicken Buchstaben an die Wand geworfen: „Dialog Campus Bockenheim“. Planerin und Mediatorin Kristina Esser moderiert das Treffen von Stadtplanern und Bürgern, das tatsächlich sehr an Gruppenarbeit in der Schule erinnert: „Wir wollen, dass Sie miteinander ins Gespräch kommen.“ Das ist laut Esser das Ziel der Veranstaltung.

          Kärtchen mit Stichworten

          Doch zunächst gilt es zuzuhören. Senckenberg-Direktor Volker Mosbrugger erklärt den Zuhörern, wie Museum und Institut die neu hinzukommenden Gebäude der Universität nutzen wollen. Dieter von Lüpke, Leiter des Stadtplanungsamts, weist darauf hin, dass es bis heute keinen Kaufvertrag für das Gelände gebe, weshalb der Dialog zwischen Bürgern, Stadt und Käufer noch nicht in Gang gekommen sei. „Die Stadt hat aber ein Interesse daran, den Wohnanteil zu erhöhen. Auch das Land Hessen wird sich aufgrund des Büroleerstands in Frankfurt der Erhöhung des Wohnanteils nicht verschließen.“

          Nachdem Projektleiterin Christina Stiel, die für die Planungen zuständig ist, noch einmal kurz die Umbaupläne rekapituliert hat, werden die Besucher aufgefordert, ihre Vorschläge zu Papier zu bringen. Auf vier Stelltafeln, die den Themen „Gebäudestruktur“, „Offene Diskussion“, „Nutzung“ und „Freiflächen und Grün“ zugeordnet waren, sollen sie Kärtchen mit ihren Stichworten heften. Ein Moderator sammelt die eingehenden Ideen.

          Die Reihen haben sich schnell gelichtet

          Schnell entstehen Diskussionen an den Tischen, die Leute gehen durch den Saal, um die vier Stellwände bilden sich Menschentrauben. Immer mehr gelbe Karten bedecken die weißen Flächen, einige Besucher malen ihre Vorschläge in die ausgehängten Pläne hinein. Auf einem Zettel steht: „Erhalt Studierendenhaus komplett“, andere Stichworte sind „70% Wohnraum mindestens“, „Wohnungen und Künstlerateliers im Philosophicum“, „Verkehr reduzieren“ und „bezahlbarer Wohnraum“. Oder es wird gefragt: „Hochschule für Musik?“ Ein Plädoyer für den Umzug der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf das alte Campus-Areal.

          Als die Phase der Ideensammlung beeendet ist und die Moderatoren die Stimmungsbilder zusammenfassen, haben sich die Reihen schon gelichtet. Zunächst habe sich eine Mehrheit gegen den Bau der Hochhäuser im Süden des Gebiets ausgesprochen, sagt eine Moderatorin. Es werde befürchtet, dass sie die Sicht von der Sternwarte versperren und schlecht für das lokale Klima sein könnten. Den Umzug der Musikhochschule auf den Campus wünschen sich viele. Probe- und Künstlerräume sowie generationenübergreifendes Wohnen stehen ebenfalls auf der Liste. Auch der Erhalt des alten Druckereigebäudes liege etlichen am Herzen. Ob das Philosophicum abgerissen werden soll, sei umstritten gewesen. „Einstimmig haben sich alle aber für den Erhalt des gesamten Studierendenhauses ausgesprochen“, fasst die Moderatorin zusammen.

          Der Dialog hat auch Grenzen

          Beim Thema „Nutzung“ sei besonders die Erhöhung des Wohnraumanteils auf dem Gelände gefordert worden, auch sollten in den Planungen die soziale und ethnische Mischung sowie die Barrierefreiheit des Geländes und der Wohnungen berücksichtigt werden. Weitere Anliegen seien die Zwischennutzung der Gebäude in der Zeit vor dem Umbau des Geländes und der Erhalt der Studentenwohnheime. Die geplanten Grünflächen sollten so groß angelegt werden, dass sie nicht nur als „Abstandsgrün“ dienten. Moderatorin Esser fasste zusammnen: „Es wird ein urbaner Bereich gewünscht, an dem Wohnen und Arbeiten nicht getrennt werden und es viele kulturelle Orte gibt.“

          Zum Schluss werden aber auch die Grenzen des Dialogs deutlich gemacht. Amtsleiter Lüpke betont, die Stadt könne keinen Einfluss auf die Größe der Wohnungen oder ihren Preis nehmen, aber sie könne entscheiden, wie viel Wohnraum es anteilig gebe. Die gesammelten Vorschläge sollen als Anregung für die Überarbeitung des Rahmenplans dienen. Axel Kaufmann, Vertreter des Ortsbeirats 2, sagt: „Man sollte am 20. Mai nicht enttäuscht sein, wenn nicht alle Vorschläge in die Planung aufgenommen worden sind.“

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