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Journalismus : Bürgerreporter im Netz

  • -Aktualisiert am

Damit kann jeder zum Bürgerreporter werden: Kamerahandys Bild: picture-alliance/ dpa

Das Internet wird langsam erwachsen. Was die Zukunft den regionalen Online-Aufritten bringen wird, wurde auf der Konferenz „Frankfurter Tag des Online-Journalismus“ diskutiert. Dabei wurden Möglichkeiten, aber auch Gefahren erkannt.

          Zwölf Jahre ist das Internet nun alt. In Menschenjahren gesprochen, ist es also noch ein Kind. Ein Kind, das langsam erwachsen wird. Getragen von den technischen Neuheiten, ist aus dem Web 1.0 das Web 2.0 geworden. Waren die Online-Nachrichtenportale vor sechs Jahren noch auf den bloßen Meldungskonsum der Leser ausgerichtet, nimmt nun die Interaktivität an Bedeutung zu.

          Die „Bild“-Zeitung hat es mit ihren „Leserreportern“ vorgemacht. Der Nutzer beteiligt sich an der Gestaltung des Zeitungs- und Internetauftritts. Zu den lesergenerierten Inhalten zählen neben Fotos und Videos von Bürgerreportern Weblogs, in denen eigene Meinungen veröffentlicht werden können.

          Gesellschaftlicher „Voyeurismus“

          Der Umgang mit dem „user generated content“ war eines der Hauptthemen beim 3. Frankfurter Tag des Online-Journalismus. Der Hessische Rundfunk, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und der Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland hatten zu der Konferenz im HR-Sendezentrum geladen.

          HR-Intendant Helmut Reitze machte auf die Möglichkeiten, aber auch auf Gefahren der Nutzung von Handy-Videos und Fotos von Laien-Journalisten aufmerksam. „Das hätte sich George Orwell nicht träumen lassen: Millionen ,little brothers‘, die sich gegenseitig beobachten“, prophezeite Reitze sarkastisch. Vor diesem gesellschaftlichen „Voyeurismus“ warnte der Intendant, er wies aber auch auf die Vorzüge des Leser-Journalismus hin: die Aktualität und die Verbreiterung der Rechercheplattform. Um die lesergenerierten Inhalte auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen, bedürfe es allerdings immer noch ausgebildeter Journalisten, meint der Chefredakteur der WAZ-Gruppe, Ulrich Reitz.

          Druck des technischen Fortschritts

          Der Beruf des Journalisten wandele sich unter dem Druck des technischen Fortschritts, so Reitz. Er sagte voraus, dass sich ein neues Berufsbild entwickeln werde: das des „channel manager“. Dieser koordiniere an seinem crossmedialen Arbeitsplatz journalistische Inhalte, also Newsletter und Filme fürs Handy, „Podcasts“ und Artikel fürs Internet und Berichte und Kommentare für die Zeitung. „Wenn die Regionalzeitungen diese multimediale Entwicklung verpennen, verspielen sie ihr Monopol“, prognostizierte Reitz.

          Auch wenn drei von vier verkauften Zeitungen regionale Blätter seien, wie der Chefredakteur von „onruhr.de“, Uwe Knüpfer, hervorhob, beschäftigen sich nach einer Studie des Kommunikationswissenschaftlers Christoph Neuberger in Deutschland nur rund 70 Regionalredakteure in Vollzeit mit dem Internet – das wären lediglich drei Prozent der 2350 Online-Journalisten. Dabei schaffe die regionale Berichterstattung gerade in der globalisierten Welt einen Heimatbezug.

          Die Zukunft des regionalen Online-Journalismus hat in technischer Hinsicht schon begonnen. Was nun noch fehle, sei gestalterischer Mut, sagte HR-Redakteur Jan Eggers: „,MySpace‘ und ,Youtube‘ machen es vor. Baut Blogs, werdet erwachsen.“

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