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Zu Besuch bei Kämmerer Uwe Becker : Idylle im Reihenhaus

Heimwerker: Meistens hat Uwe Becker Arbeit auf dem Schirm. Wenn er Zeit hat, übt er am Computer Fliegen. Bild: Frank Röth

Kämmerer Uwe Becker wohnt in Nieder-Eschbach. Dort hat er schon immer gewohnt. Im Haus gibt es viel helles Holz. Im Garten stehen eine Rutsche und ein Kaninchenstall. Teil eins der Serie „Zu Besuch bei den Dezernenten“.

          Frankfurt ist ziemlich präsent im Wohnzimmer von Uwe Becker. Über dem grauen Ecksofa des Stadtkämmerers hängt ein dreiteiliges Bild der Skyline – in leuchtendem Orangerot. Durch die großen Fenster zum kleinen Garten scheint die Nachmittagssonne auf den Couchtisch mit Glasplatte. Becker und seine Frau Kerstin sitzen am Esstisch. Wie fast alle Möbel und die Treppe zum Obergeschoss ist er aus hellem Holz. Auf der Tischplatte liegt ein Stein in Herzform. In der Vitrine der Schrankwand stehen zwei große Kerzen. Bunte Buchstaben erinnern an die Taufe der Kinder: Melissa und John. Die Zwillinge werden im Dezember elf Jahre alt.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein paar Minuten früher hat der CDU-Politiker die Besucher an der Tür seines Reihenhauses empfangen. „Familie Becker“ steht auf einem freundlichen Schild links neben der Tür. Das Haus ist das zweite in einer Reihe von vieren; die Fassade ist hellgrau. Seit fast acht Jahren wohnen die Beckers in diesem Neubaugebiet im nördlichen Stadtteil Nieder-Eschbach. Vor der Haustür sind das Gezwitscher von Vögeln und das Brummen eines Rasenmähers zu hören. Auf der Spielstraße, die das Wohngebiet umgibt, kicken sich zwei Jungs einen Fußball zu. Der Lärm der nahen Autobahn 5 dringt nicht bis hierher.

          Elternhaus liegt nur fünf Minuten entfernt

          Kerstin Becker zieht die Vorhänge vor der Fensterfront beiseite. Davor stehen drei Paar bunter Crocs – praktische Plastikschuhe aus Amerika. Der Garten liegt nach Süden raus, es ist sehr heiß an diesem Nachmittag. Dominiert wird der hintere Teil des Grundstücks von einem großen Holzgerüst mit Rutsche. Rechts findet sich ein Stall samt Auslauf für zwei Kaninchen aus dem Tierheim. „Die Kinder kümmern sich“, sagt die 38 Jahre alte Frau mit den dunklen Haaren, „aber das meiste machen schon wir.“

          Uwe Becker ist in Nieder-Eschbach aufgewachsen und zur Schule gegangen. In den ersten Jahren nach der Hochzeit 1999 wohnte er mit seiner Frau, die aus Kelsterbach stammt, im Erdgeschoss des elterlichen Hauses. Das liegt nur fünf Minuten vom Reihenhaus entfernt.

          In der Akademie wurde es ernst

          Beckers Eltern sind seit ein paar Jahren Nachbarn seines größten innerparteilichen Rivalen. Damals zog der CDU-Vorsitzende und hessische Innenminister Boris Rhein mit seiner Familie in ein rot gestrichenes Einfamilienhaus mit hoher Hecke ganz in der Nähe, wie Becker während eines Spaziergangs durch den Stadtteil erzählt. Kurz zuvor ist er durch die Heinrich-Becker-Straße in Richtung Freibad geschlendert. Heinrich war Uwes Großonkel und 1924 der erste SPD-Bürgermeisters des damals noch eigenständigen Nieder-Eschbach. Ob er manchmal abends zu Boris Rhein geht, um mit ihm ein Bierchen zu trinken? Becker schaut verwundert. „Das ist noch nicht vorgekommen.“

          Richtig kennengelernt hat sich das Ehepaar Becker 1995 in der Bankakademie in Frankfurt, die heute zur Frankfurt School of Finance and Management gehört. Zwar hatten sich die beiden schon früher in der Berufsschule hin und wieder gesehen – Uwe machte damals eine Ausbildung bei der Sparkasse, Kerstin bei der damaligen Dresdner Bank. Doch erst Jahre später, in der Akademie, wurde es ernst. „Die zweite Chance wollte ich nicht vergeben“, sagt Becker, der Ende Juli 42 Jahre alt wird. Bei der ersten Verabredung gingen sie ins Kino, es lief Walt Disneys Zeichentrickfilm „Pocahontas“. Den Heiratsantrag machte Becker seiner Frau im Flugzeug nach Paris. Über das Bordmikrofon.

          Ein Amerika-Fan

          An der Treppe zum ersten Stock des Reihenhauses hängt ein gemalter Clownskopf, ein Kunstwerk der Kinder. Sohn John hat seinen Namen bekommen, weil sein Vater immer schon für John F. Kennedy geschwärmt hat. Den Nachwuchs nach Idolen zu benennen hat bei den Beckers Tradition. „Ich bin nach Uwe Seeler benannt worden“, sagt der Kämmerer.

          Die Oberbürgermeisterin ist immer in seiner Nähe. Zumindest dann, wenn der Finanzdezernent in seinem privaten Arbeitszimmer sitzt. Rechts vom Schreibtisch, auf dem ein großer Apple-Flachbildschirm thront, hat er eine kleine Fotogalerie eingerichtet. Vorn auf dem Regalbrett stehen zwei gerahmte Bilder, die ihn mit Petra Roth zeigen. Auch Ministerpräsident Volker Bouffier hat einen Ehrenplatz.

          Dass der Kämmerer ein Amerika-Fan ist, beweist spätestens sein Arbeitszimmer: Ein großer Wimpel erinnert an ein Super-Bowl-Spiel der National Football League. Auf einem Regalbrett finden sich zwei kleine Amerika-Fahnen. Und dann gibt es in dem Raum noch einen großen Joystick. Becker nimmt ihn nur noch selten zur Hand, weil ihm sein Amt nur wenig Zeit für Spielereien am heimischen Computer lässt. Aber wenn er mal Zeit hat, spielt er „X-Plane 9“. Das ist ein Simulator – zum Fliegenlernen.

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