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Zoologische Gesellschaft : Artenvielfalt als Schutz vor Pandemien

Es gibt auch Hoffnung in der Krise: Die kleine Schar an Nashörnern breitet sich in der vom Tourismus derzeit verschonten Serengeti aus. Bild: dpa

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt sieht in der Corona-Krise auch Chancen. Mit einem Neubau hofft sie, den Fokus mehr auf die nachhaltig positiven Folgen des Naturschutzes auch vor Ausbreitung von gefährlichen Viren hinweisen zu können.

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          Wenn es nach Christof Schenck ginge, dann würden von den 750 Milliarden Euro aus den Konjunkturprogrammen mindestens 100 Milliarden in den Schutz der Regenwälder investiert. Nach Ansicht des Geschäftsführers der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) ist nämlich der Erhalt der tropischen Wälder und somit der Artenvielfalt die beste Vorsorge gegen künftige Pandemien. Diversität in der Natur sichere jenes Gleichgewicht, in dem auch Viren unter Kontrolle blieben. „Je mehr wir Artenvielfalt reduzieren und in die Natur eingreifen, umso größer ist die Gefahr, dass Viren auf den Menschen überspringen“, sagte Schenck am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts des Vereins. „Es wird in Zukunft verstärkt Pandemien geben, wenn wir so weiter machen.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um diese Botschaft des Naturschutzes tiefer in der Gesellschaft zu verankern, plant die ZGF derzeit gemeinsam mit der Senckenberg-Gesellschaft und der Goethe-Universität das Frankfurt Conservation Center. Es soll am Osteingang des Zoos errichtet werden und der Öffentlichkeit die Bedeutung der Artenvielfalt vermitteln. Verwirklicht werden kann das Vorhaben auch deshalb, weil die ZGF im Jahr 2019 unter anderem dank erstaunlich vieler Vermächtnisse und Erbschaften einen Rekordertrag von 33,59 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

          Corona-Krise hat alles verändert

          Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft wird sich auch im laufenden Jahr trotz Corona nicht verschlechtern, wie Schenck andeutete. Das Virus habe aber den Alltag der mehr als 400 in ZGF-Projekten tätigen Naturschützer in aller Welt massiv verändert. „Selbstverständlich hat Covid-19 unsere Arbeitsbedingungen stark beeinflusst, aber auch die Einflüsse auf die Natur sind gewaltig“, sagte Geschäftsführer Schenck. Sein Verein, der 1858 zur Förderung des Zoos gegründet worden war, hat sich zu einer in 18 Ländern tätigen Naturschutzorganisation entwickelt, die derzeit 29 Projekte betreut.

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          Wegen der Pandemie hat nach Schencks Worten die Wilderei Hochkunjunktur, ebenso die illegale Suche nach Gold in den Flüssen der tropischen Regenwälder, die vom krisenbedingt hohen Preis des Edelmetalls befeuert werde. „Jeder, der in Gold investieren will, sollte sich das genau überlegen, weil die Gewinnung enorme Folgen hat“, sagte der Geschäftsführer. „Das für die Bindung nötige Quecksilber kommt in die Flüsse, die Goldwäscher bringen bei ihrem Vordringen in den Urwald Covid-19 zu teils bislang kontaktfreien indigenen Völkern, die ohne Gesundheitssystem dem Virus ausgeliefert sind.“ Erst vor wenigen Tagen konnte die ZGF immerhin einen Erfolg verbuchen: Mit der Analyse von Satellitenbildern hatte sie in Kolumbien dazu beigetragen, dass das Militär Goldbagger aufspürte und die Gerätschaften zerstörte.

          Erfreuliche Nebeneffekte für den Naturschutz habe Corona derweil durch den Rückgang Tourismus, der für die betroffenen Länder allerdings wirtschaftlich sehr wichtig sei, so Schenck. „Tansania hat nach 113 Millionen Euro an Einnahmen durch die Serengeti im Vorjahr nun nahezu keine Einnahmen, was dramatisch ist.“ Den Tieren komme die Situation erst einmal zugute. So haben sich nicht nur Raubkatzen die derzeit nahezu ungenutzte Gras-Landebahn des Flugplatzes als Lebensraum zurückerobert. Auch die Nashörner würden seltener gestört, was die Chancen auf eine Vermehrung deutlich erhöhe.

          Schenck hofft nun, dass beim Wiederaufbau des Tourismus nach der Pandemie Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden. „Die Corona-Krise ist gewissermaßen ein Resetknopf und bietet auch Chancen. Es darf nicht mehr sein, dass Diesel-Generatoren Strom liefern und nicht Solarzellen. Und die Wertschöpfung muss vor Ort geschehen.“

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