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Zoologische Gesellschaft : Kampf gegen Wilderer und Gold-Investments

Naturschutz-Botschafter: Der kleine Brillenbär im Zoo repräsentiert auch seine bedrohten Artgenossen in Peru (Symbolbild). Bild: dpa

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt betreut Projekte in aller Welt und kämpft nicht nur gegen Wilderer, sondern auch gegen Gold-Investments.

          160 Jahre, das ist zwar kein klassisches Jubiläum, aber immerhin ein stattlicher runder Geburtstag und damit eigentlich ein Grund zum Feiern. Danach ist dem Präsidenten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), Klaus Becker, allerdings nicht so recht zumute. „Wenn wir in der Geschichte zurück und in 20 oder 40 Jahre alte Jahresberichte schauen, dann lesen wir erschreckenderweise fast die gleichen Sätze wie heute“, sagt der Vorstandssprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der der Naturschutzorganisation ehrenamtlich vorsteht. So wie bereits vor Jahren beschäftige die Zoologische Gesellschaft auch heute noch, dass Wilderer Elefanten und Nashörner töteten, Fernstraßen mitten durch Nationalparks gebaut würden und Staudammprojekte einzigartige Wildnisregionen bedrohten. Allerdings gebe es auch einige Erfolge, zum Beispiel dass sich die Zahl der Elefanten in einigen Schutzgebieten offenbar erhole.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gegründet wurde die Gesellschaft 1858, um den Frankfurter Zoo aufzubauen. Nach dem Übergang des Zoos an die Stadt Frankfurt 1915 hat sich der Förderschwerpunkt vom Tiergarten hin zum Naturschutz verschoben. Seit 60 Jahren ist dies das Hauptziel der ZGF. Wie Becker und ZGF-Geschäftsführer Christof Schäfer darlegten, ist die Organisation in 18 Ländern in 30 Projekten mit 323 Mitarbeitern tätig. 16,3 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr investiert. Das ist abermals mehr als im Vorjahr, und auch für dieses Jahr ist Becker zuversichtlich, dass die Gesellschaft abermals mehr investieren kann. Beispielsweise um in Peru im Manu-Nationalpark den Menschen beizubringen, dass die Brillenbären zwar manchmal die Obstbäume plünderten, die Anwesenheit der Tiere aber trotzdem ein Gewinn für die Menschen dort sei.

          Kooperation mit dem Zoo vertiefen

          Dazu werde viel in Bildung investiert, das reiche bis zur Finanzierung einer Internatsschule für Mädchen. Um für dieses Projekt zu werben und auch Spenden zu generieren, hat ein ZGF-Mitarbeiter den Manu-Nationalpark kürzlich im Frankfurter Zoo vorgestellt, als dort der Nachwuchs der Brillenbären gezeigt wurde. Diese Art der Kooperation mit dem Zoo möchte Becker gerne vertiefen.

          Die Weite der Serengeti: Seit fast 60 Jahren unterstützt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt tansanischen Behörden bei Parkschutz und ökologischem Monitoring.

          Denn nur dann, wenn die Tiere in den Gehegen Botschafter für den Naturschutz seien, lasse sich ihre Haltung rechtfertigen. „Sonst muss man sich irgendwann fragen, warum man Menschenaffen im Zoo hält“, sagte Becker. Damit der Zoo den Naturschutz noch weiter unterstützen kann, möchte die ZGF, dass ein „Naturschutz-Euro“ eingeführt wird. Dass also jeder Zoobesucher – wenn er nicht ausdrücklich widerspricht – mit dem Kauf seiner Eintrittskarte einen Euro für den Naturschutz spendet. So könnten die Besucher stärker sensibilisiert werden. Dazu sei es aber nötig, dass die Besucher noch mehr über die natürlichen Lebensräume der Tiere informiert würden.

          Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität

          Bildung ist, wie Becker gestern erläuterte, ein wesentlicher Baustein in der Arbeit der ZGF. So hat die Gesellschaft beispielsweise mit der Frankfurter Goethe-Universität und der Stiftung der KfW-Bank die sogenannte „Spring-School“ aufgebaut, eine Fortbildung für Leiter von Naturschutzprojekten, deren Aufgaben so vielfältig seien, dass es dafür eigentlich keine passende Ausbildung gebe. Denn neben der naturwissenschaftlichen Ausbildung seien Managementfähigkeiten ebenso nötig wie Rhetorik oder die Fähigkeit, einen liegengebliebenen Wagen wieder flottzumachen oder auch ein kleines Flugzeug zu fliegen, um das riesige Gebiet eines Naturparks zu kontrollieren. Becker hofft, dass in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität aus der „Spring-School“ ein Masterstudiengang entwickelt werden kann.

          In Indonesien setzt sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt für das Überleben des bedrohten Orang Utans ein.

          Die Zusammenarbeit von verschiedenen Frankfurter Institutionen möchte Becker auch bei einem weiteren großen Projekt vorantreiben. Es trägt den Namen „Frankfurt Conservation Center“ und soll Frankfurt zu einem Leuchtturm für den Naturschutz machen. Die Idee ist, gemeinsam mit Institutionen wie der KfW-Stiftung und -Bank, der Universität, dem Senckenberg-Institut und beispielsweise dem Blue Action Fund, der Biodiversitätsprojekte in den Meeren fördert, sowie anderen Organisationen ein Institut aufzubauen, an dem Symposien stattfinden könnten, das aber auch Unternehmen Beratung anbiete – beispielsweise in der Frage von Anlage in Gold. Denn die Gewinnung des Edelmetalls stelle eine große Gefahr für die Natur und die Menschen in Peru dar.

          „Frankfurt könnte so zu einer Metropole des Schutzes der biologischen Vielfalt werden“, sagte Becker. Als Sitz für das „Frankfurt Conservation Center“ kann Becker sich gut das Zoogesellschaftshaus vorstellen, das schließlich einmal von der Zoologischen Gesellschaft erbaut worden sei. Das derzeit wenig genutzte und sehr renovierungsbedürftige Gebäude ist bisher als Stätte für ein Kinder- und Jugendtheater vorgesehen. Sollte es dabei bleiben, werde sich sicher auch ein anderer Ort finden, meinte Becker. Er erwartet dafür umfangreiche Unterstützung der Stadt, stellt aber auch ein großes Engagement der ZGF und „vieler aus der Bürgerschaft“ in Aussicht.

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