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Zoo : Zwischen finanziellen Zwängen, Artenschutz und Tradition

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Wo bleiben die Nebelparder? Schon vor zwei Jahren sollten sie ihr Quartier im neuen Katzendschungel des Frankfurter Zoos beziehen, und noch immer ist nicht einmal eine Schwanzspitze von den südostasiatischen Großkatzen zu sehen.

          Wo bleiben die Nebelparder? Schon vor zwei Jahren sollten sie ihr Quartier im neuen Katzendschungel des Frankfurter Zoos beziehen, und noch immer ist nicht einmal eine Schwanzspitze von den südostasiatischen Großkatzen zu sehen. Bio-Designer Gunter Häusler, ein Meister seines Fachs, wie er im Grzimek-Haus schon bewiesen hat, ist mit dem sieben Meter hohen Kunstbaum noch nicht fertiggeworden, und Zoodirektor Christian Schmidt hat Verständnis für den Künstler, denn auch er wünscht höchste Qualität. Der Sumatra-Tiger "Iban" muß sich ebenfalls gedulden, nachdem er nacheinander zwei Weibchen verloren hat. Doch inzwischen hat die Londoner Koordinatorin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms eine passende Gefährtin im Zoo von Wuppertal für ihn entdeckt: Im Frühjahr soll die Tigerin in den Frankfurter Katzendschungel umziehen.

          Nebelparder und Sumatratiger hatte der Zoo schon früher gezüchtet, und Schmidt will an der Tradition festhalten. Zudem haben beide Tiere einen hohen sogenannten Schauwert für das Publikum. Nur etwa 25 Nebelparder gibt es in europäischen Zoos, und der Freiland-Bestand der Sumatratiger ist neben jenem der südchinesischen Tiger derzeit am meisten gefährdet. Lauter Gründe für den Zoodirektor, seinen Bestand an Tieren aus Südostasien zu erweitern. Die Rostkatzen vermehren sich gut, und sogar die Löwen, die in Indien selten geworden sind, bieten ein tapsiges Schauspiel mit ihrem Nachwuchs. Nicht nur die Frankfurter danken dem Zoo die sechs neuen Anlagen, darunter Katzendschungel, Mähnenwolf-Pampa und Robbenfelsen: Eine Umfrage vor zwei Jahren ergab, daß nur ein Drittel der Besucher aus der Stadt kam, die übrigen zu je einem Drittel aus der Region und von auswärts.

          Der Frankfurter Tiergarten, der noch immer von seinem Grzimek-Image zehrt und auch dank der Zoologischen Gesellschaft einen guten internationalen Ruf genießt, ist also auch ohne Elefanten ein "Leuchtturmzoo". Das könnte sich allerdings ändern, falls er im nächsten Jahr seine Bonobos und Orang Utans verliert. Das alte Menschenaffenhaus entspricht nämlich nicht mehr den Richtlinien der Europäischen Union. Auch die Kollegen in Leipzig und München mußten für 12 und 15 Millionen Euro neue Häuser für ihre Primaten bauen. Eine kostspielige Angelegenheit für eine Stadt, die wie Frankfurt vom hessischen Innenminister bereits aufgefordert wurde, ihre Zoo-Trägerschaft zu überdenken.

          Wenn der Spatenstich zum neuen Menschenaffenhaus nicht bis zum 9. April 2005 stattgefunden hat, werden nur die Flachlandgorillas in Frankfurt bleiben können. Ihr Trakt ist erst knapp 40 Jahre alt, ihr Freigehege noch jünger. Aber auch die Bonobos und Orang Utans, die in einem Bau von 1933 hausen, der 1945 wiederaufgebaut wurde, sind in ihrer Heimat durch Bürgerkriege, Wilderer und das Ebola-Virus von der Ausrottung bedroht. Vor allem aber: Der Bonobo ist das Logo-Tier des Frankfurter Zoos, der weltweit als erster Tierpark Bonobos gezüchtet hat. Wenn er sein Angebot an solch populären Tieren reduzierte, kämen weniger Besucher, und der Zoo bräuchte wieder mehr Subventionen, weil das ohnehin niedrige Eintrittsgeld ausbliebe, fürchtet Direktor Schmidt und spricht von einem Teufelskreis.

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