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Zirkus : Vom Klassenclown zum besten Clown der Welt

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Bei ihm haben die Zuschauer immer gut lachen: Starclown David Larible Bild: Henning Bode

David Larible ist in den vergangenen Jahren für die Amerikaner der Inbegriff eines Spaßmachers gewesen: Er war Star des Zirkus Ringling. Jetzt können auch die Frankfurter bei Roncalli über den Gewinner des Goldenen Clowns lachen.

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          Ein Clown, so heißt es, sei abgeschminkt ein trauriger Mensch. Auf David Larible, den derzeit wohl besten Zirkusclown der Welt, trifft das nicht zu – der Mann aus Verona lacht auch privat: „Ich bin immer lustig.“ Er lebt nach der Devise Charlie Chaplins, dass jeder Tag ohne Lachen ein verlorener Tag ist. In der Arena des Zirkus Roncalli, der noch bis Sonntag auf dem Festplatz am Ratsweg gastiert, rettet der Fünfzigjährige seit Wochen die Tage fremder Leute, denn Vorstellung für Vorstellung verführt er sein Publikum zum befreiten, losprustenden Lachen. So gesehen füllte Larible während seines Frankfurter Gastspiels – die geretteten Tage aller seiner Zuschauer zusammengerechnet – gut und gerne einige Jahrzehnte mit Sinn.

          Bei Roncalli die Leidenschaft wiedergefunden

          Vor noch nicht allzu langer Zeit hat der Ausnahme-Clown während eines einzigen Auftritts sogar an die 50 Jahre gerettet. Das war in New York im Madison Square Garden, wo der Star von Ringling Bros. and Barnum & Bailey 18.000 Zuschauer zu Lachsalven hinriss. „Vor mir kamen 20 Elefanten, danach stand ich, der kleine Clown aus Italien, allein in der Arena.“ Ohne Requisiten, einzig mit seiner Persönlichkeit hat er die Massen betört.

          15 Jahre ist Larible mit Ringling, dem größten Zirkus der Welt, durch Amerika gezogen, er war im Wortsinn das Aushängeschild der Show, sein Konterfei zierte die Werbeplakate. Im vergangenen Jahr ist er nach Europa zurückgekehrt, alles Bitten und Betteln des Ringling-Managements konnte ihn nicht zurückhalten: „Ich hatte keine Leidenschaft mehr.“ Bei Roncalli, dem, wie Larible sagt, „besten Zelt-Zirkus der Welt“, hat er die alte „Passion“ wiedergefunden. Vielleicht auch deshalb, weil er hier in seinem Familienzirkus arbeitet – eine Schwester Laribles ist seit 20 Jahren mit Roncalli-Direktor Bernhard Paul verheiratet. Laribles zwei große Nummern derzeit, das „Konzert mit Zuschauern“ und die „Aida-Oper“, aber auch seine kleineren Auftritte sprühen mittlerweile wieder vor Witz.

          Viele Talente: nicht nur Clown, auch Artist

          Der Fünfzigjährige ist zum Clown geschaffen, aber er ist nicht immer Clown gewesen. In die Manege freilich ist er hineingeboren worden, die Laribles sind in der siebten Generation Zirkusmenschen, seine Eltern betrieben den Familienzirkus „Medrano“. Dass der junge David die Tradition weiterführen würde, war von Anfang an ausgemachte Sache; dass er Clown werden würde, war für ihn, der schon in der Schule als Klassenkomiker seine Mitschüler zum Lachen und seine Lehrer zum Verzweifeln gebracht hatte, ebenfalls klar. Sein kluger Vater hat ihn indes darüber belehrt, dass man zuerst ein guter Artist sein müsse, um ein wirklicher Clown werden zu können. Also hat der Sohn am Trapez gehangen, auf Pferden balanciert. Wenn freilich bei „Medrano“ der Clown krank oder verhindert war, ist der junge David immer eingesprungen. Die anderen Artisten bestätigten ihn danach immer: „David, du hast Talent.“

          Mit 24 Jahren hat Larible sich entschieden, sich ganz aufs Clown-Fach zu konzentrieren. Christel Sembach-Krone, die Chefin des Münchener Zirkus Krone, bei dem Larible damals unter Vertrag stand, machte ihm, nachdem ihr damaliger Clown das Unternehmen verlassen hatte, den Vorschlag, in der nächsten Saison die Rolle des Spaßmachers zu übernehmen. Das war Laribles erstes Clown-Engagement. Vier Jahre später schon wurde er zum Zirkusfestival in Monte Carlo, der inoffiziellen Weltmeisterschaft, eingeladen und errang auf Anhieb einen Silbernen Clown. Mit dem Goldenen Clown, der höchsten Auszeichnung, wurde Larible vierzehn Jahre später 1999 im Alter von 42 Jahren ausgezeichnet, damals war er schon in Amerika auf Tournee.

          Laribles Auftritten merkt man an, dass er in seiner ersten Karriere Artist gewesen ist und fünf Jahre lang Ballett gelernt hat. Der stämmige Italiener bewegt sich behende und gleichzeitig graziös – wie Chaplin, Rivel und die anderen großen Clowns, die immer auch etwas von einem Tänzer an sich hatten. Larible kommt bei seinen Nummern, bei denen er Leute aus dem Publikum in die Manege holt, seine riesige Erfahrung zugute. Gleichgültig, ob seine unfreiwilligen Mitspieler schüchtern sind oder arrogant, schauspielerisch begabt oder unbeholfen, eigenwillig oder leicht lenkbar: Larible bringt sie zur Entfaltung, ohne dass sie sich blamieren. Denn seine Spaßstücke sind so aufgebaut, dass am Ende nicht der Besucher, sondern er der Dumme ist.

          Drei Jahre Übung für eine Zirkusnummer

          Acht große Szenen und mehr als ein Dutzend kleine hat der Roncalli-Star in seinem Repertoire. Bis eine tragende Nummer sitzt, feilt er zwei, drei Jahre an den Details. Laribles Darbietungen mögen leicht und spontan aussehen, doch sie sind bis in die kleinste Einzelheit durchkomponiert. Wobei der Italiener jedes Mal auch improvisieren muss, denn seine Mitspieler sind immer andere. Regelmäßig wechselt Larible das Programm, weshalb er dauernd neue Ideen erprobt.

          Dass seine Nummern viel mit Musik zu tun haben, ist kein Zufall: Larible spielt ein halbes Dutzend Instrumente. Sein liebstes ist die Trompete, er bringt aber auch die Gitarre, die Flöte, die Mundharmonika oder das Schlagzeug zum Klingen. In seiner Ein-Mann-Show, die er schon in Theatern auf allen fünf Kontinenten gezeigt hat, geht es hochmusikalisch zu. Doch für solche Auftritte findet er selten Zeit, denn Roncalli kann auf seine Kunst auch nicht eine Vorstellung lang verzichten. In Amerika war Larible die Attraktion von Ringling, jetzt bei Roncalli ist der Mann mit der roten Nase ein komischer Held, der mit seinen Späßen durchs gesamte Programm führt. Hans Riebsamen

          Der Zirkus Roncalli gastiert noch bis zum 4. November auf dem Festplatz am Ratsweg. Vorstellungen dienstags bis samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr, mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags auch um 15 Uhr. Tickets unter 0 18 05 / 22 45 22.

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