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Zirkusse in Corona-Krise : Hoffen auf die Weihnachtsshow

  • -Aktualisiert am

Im Trainingslager: Die Pferde des Zirkus Carl Busch im Stammquartier in Dürrwangen Bild: Pepaj, Marina

Die Corona-Krise trifft Zirkusunternehmen besonders hart: Ihre Kunst gilt nicht als förderwürdige Kultur. Der Zirkus Carl Busch hat trotzdem schon Pläne für den Winter.

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          In Franken, im malerischen Ort Dürrwangen, bereitet die Familie Wille ein Weihnachtsgeschenk für die Frankfurter vor – das Programm für den Great Christmas Circus. Diese Veranstaltung des Zirkus Carl Busch auf dem Festplatz am Ratsweg ist in der Stadt mittlerweile zu einer Tradition geworden. Auch in Corona-Zeiten will Zirkusdirektor Manuel Wille-Busch sie nicht abreißen lassen. Er und die anderen Angehörigen des Familienunternehmens sind fest entschlossen, vom 18. Dezember bis zum 10. Januar in ihrem Zirkuszelt eine neue Show zu präsentieren.

          Direktor Wille-Busch ist sich bewusst, dass dieser Plan mit einem Risiko verbunden ist. Schließlich fasst das Chapiteau des Zirkus Carl Busch 1400 Besucher – was die Shows zu Großveranstaltungen macht. Die sind zur Zeit nicht erlaubt, und es ist anzunehmen, dass auch im Dezember und Januar noch Einschränkungen oder zumindest hohe Hygienestandards gelten. Aus Vorsicht verkauft der Zirkus Carl Busch deshalb nur Tickets für jede zweite Reihe. Darüber hinaus arbeitet er an einem Hygienekonzept, das den Zirkusbesuch sicher machen soll.

          In der Manege: Natascha Wille beim Great Christmas Circus 2019
          In der Manege: Natascha Wille beim Great Christmas Circus 2019 : Bild: Marina Pepaj

          Während der vergangenen Jahre war der Great Christmas Circus auf dem Festplatz immer ein großer Erfolg. Das gut geheizte Zelt war meistens vollständig gefüllt, zumindest während der Nachmittagsshows. Die Willes sind optimistisch, dass auch während des Gastspiels in diesem Winter die zur Verfügung stehenden 700 Plätze besetzt sein werden. Zumindest die Vorstellungen kurz vor und an Heiligabend sowie die Shows an den Feiertagen dürften gefragt sein. Wer dabei sein möchte, sollte auf Nummer sicher gehen und schon jetzt Karten erwerben. Denn der Vorverkauf hat begonnen.

          Ins Wanken geraten

          Während in den vergangenen Tagen viel über geschlossene Theater und abgesagte Konzerte berichtet wurde, war von der Not der Zirkusunternehmen kaum die Rede. Dabei ist diese Branche besonders gefährdet, weil die Zirkuskunst offiziell nicht zur Kultur gezählt wird und keine staatliche Förderung erfährt. Selbst ein Konzern wie der Cirque du Soleil, der weltweit mit einem Dutzend Shows unterwegs ist und in Las Vegas mehrere Hotels bespielt, ist ins Wanken geraten und muss womöglich demnächst Insolvenz anmelden.

          Deutsche Vorzeigeunternehmen wie Roncalli in Köln und Zirkus Krone in München waren durch den Lockdown von Anfang an getroffen: Krone musste seine Veranstaltungen im eigenen Bau stoppen, und Roncalli konnte seine neue Show nicht einmal mehr zur Uraufführung bringen. Der Zirkus Carl Busch musste seine Tournee mit der Pferdeshow „Yakari und kleiner Donner“, die im Herbst 2018 auch in Frankfurt zu sehen war, im März abbrechen. Zum Glück haben die Willes Rücklagen, um die Krise aus eigener Kraft zu überstehen.

          Sie setzen ihre Hoffnung auf den Kinderzoo bei Dürrwangen, den sie an Pfingsten wieder öffnen dürfen. Und auf den Great Christmas Circus in Frankfurt, für den sie mittlerweile vor allem bei Familien ein Stammpublikum gewonnen haben. Schon jetzt üben im Stammquartier in Dürrwangen Natascha Wille, die Schwester des Zirkusdirektors, und Stallmeister Manuel Frank mit den 40 Zirkuspferden neue Dressurakte für das Weihnachtsprogramm ein.

          Zudem hat Direktor Wille-Busch bei der Zusammenstellung des Weihnachtsprogramms einen besonderen Fang gemacht: Er konnte den Clown und Hochseilläufer Henry Ayala unter Vertrag nehmen. Der Venezolaner und seine Truppe haben im Januar beim Zirkusfestival in Monte Carlo mit ihren originellen und waghalsigen Nummern Prinzessin Stephanie und das Publikum von den Sitzen gerissen. In Frankfurt dürfte es ähnlich sein.

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