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Zentrum für Musik und Tanz : In Bockenheim entsteht ein Kulturcampus

Parkplätze zu Wohnraum: Rund um das Bockenheimer Depot wird vieles anders. Bild: Wonge Bergmann

Das Land und die Stadt Frankfurt planen auf dem Universitätsgelände im Stadtteil Bockenheim einen Kulturcampus. Nach dem Umzug der Goethe-Universität ins Westend soll unteranderem die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst einziehen.

          Das Land und die Stadt Frankfurt planen auf dem Universitätsgelände im Stadtteil Bockenheim einen Kulturcampus. Nach dem Umzug der Goethe-Universität ins Westend sollen die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und zahlreiche andere Kulturinstitutionen, darunter das Ensemble Modern, die Forsythe Company, die Junge Deutsche Philharmonie und das Musik-, Theater- und Tanzlabor „Frankfurt Lab“ auf dem Campus angesiedelt werden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem die Entscheidung, wie berichtet, schon am Dienstag grundsätzlich bekannt geworden war, verkündeten am Donnerstag der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar und Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU) die Einzelheiten im Frankfurter Römer. „Wir schlagen viele Fliegen mit einer Klappe“, sagte Weimar, der von einem „Vorschlag“ der Landesregierung sprach. Zum einen entstehe ein über Frankfurt hinaus weisender „höchst attraktiver Kulturcampus“. Zum anderen sei der Wohnanteil auf dem Campus auf nahezu 50 Prozent gesteigert worden. Roth dankte Weimar geradezu überschwänglich: „Sie haben ein Herz für Frankfurt.“ Der Präsident der Musikhochschule, Thomas Rietschel, sprach von einem für Europa einmaligen Kulturzentrum, das den Campus beleben werde.

          Studierendenhaus soll in Teilen erhalten bleiben

          Damit erfährt das langjährige Ringen um die Zukunft des Campus Bockenheim eine überraschende Wende. Zuletzt hatte man angenommen, dass sich die Pläne der unter Raumnot leidenden Musikhochschule, nach dem Umzug der Universität ins Westend auf den Campus zu ziehen, nicht finanzieren lassen.

          Die Musikhochschule soll auf dem nördlichen Campusgelände am Bockenheimer Depot untergebracht werden. Die Dondorf-Druckerei wird als Verwaltungsgebäude genutzt, an der Zeppelinallee wird ein acht bis zwölf Stockwerke hoher Turm mit Proberäumen errichtet. Für das Hauptgebäude ist das Gelände der Universitätsbibliothek von Ferdinand Kramer vorgesehen. Außerdem soll das Studierendenhaus in Teilen erhalten und ebenfalls von der Musikhochschule genutzt werden. In der Nähe wird ein Konzertsaal errichtet. Weimar veranschlagt für die 30 000 Quadratmeter großen Bauten der Musikhochschule insgesamt 120 Millionen Euro.

          Mit dem Umbau einzelner Gebäude könnte schon 2015 begonnen werden

          Der Finanzminister favorisiert, die denkmalgeschützte Universitätsbibliothek abzureißen und auf dem Gelände einen Neubau zu errichten. Die Pläne seien allerdings noch nicht mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Da die Universitätsbibliothek erst 2018 als letzte Einrichtung in einen Neubau auf dem Campus Westend umziehen soll, kann erst danach mit dem Hauptgebäude begonnen werden.

          Um die Musikhochschule zu entlasten, soll sie jedoch schon vorher nach und nach verlagert werden. Mit dem Umbau einzelner Gebäude könnte schon 2015 begonnen werden. Dazu zählen die Dondorf-Druckerei und der Probenturm ebenso wie das im mittleren Campusabschnitt gelegene Studierendenhaus und der benachbarte Konzertsaal.

          Keine Veräußerung en bloc

          Die weiteren Kultureinrichtungen wie die Deutsche Ensemble Akademie mit Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie, die Dokumentationseinrichtung „Motion Bank“, eine Probebühne für Aufführungen im Depot, das Musik-, Theater- und Tanzlabor „Frankfurt Lab“ sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal sollen in einem an dem geplanten zentralen Grünzug gelegenen Gebäude unterkommen. Die Stadt will den Bau mitfinanzieren. Sie zahle bisher jährlich 800.000 Euro Miete für die Institute, sagte Roth.

          Den Chancen für Bockenheim, von der Musikhochschule zu profitieren, stand bislang der Wunsch der Landesregierung entgegen, beim Verkauf des Geländes einen hohen Preis zu erzielen. Entgegen der ursprünglichen Pläne wird das Campusgelände nun nicht en bloc an die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Holding und die OFB Projektentwicklung veräußert. Die beiden Gesellschaften sollen nun vorerst nur auf einem kleinen Areal nördlich des Bockenheimer Depots zum Zuge kommen, wo Platz für 200 Wohnungen ist. Ein Kaufvertrag soll in Kürze unterzeichnet werden, der Grundstückspreis wird auf rund zwölf Millionen Euro geschätzt. ABG-Geschäftsführer Frank Junker sieht darin nur den ersten Schritt. „Am Rest bleiben wir dran“, sagte er und kündigte an, im nächsten Jahr mit dem Bau zu beginnen. Bringt Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) den Bebauungsplan wie angekündigt Anfang 2011 ins Verfahren, könnte dieser Termin gehalten werden.

          Hochhaus-Cluster erst ganz hinten auf der Prioritätenliste

          Von einem Verkauf der übrigen, noch nicht mit öffentlichen Einrichtungen belegten Flächen in „marktgerechten Stücken“ verspricht sich Weimar höhere Erlöse, mit denen der Umzug der Universität finanziert werden soll. „Wir sind Treuhänder des Landeshaushalts und der Universität“, sagte er. Eine besondere Herausforderung stellt Weimar zufolge die Neuordnung des Geländes rund um das Senckenberg-Naturkundemuseum dar, dessen Erweiterung geplant ist. Die Senckenbergische Stiftung soll alleiniger Eigentümer der Grundstücke werden, damit sie das gesamte Areal an die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Erbbaurecht übertragen kann.

          Der Physikalische Verein müsste sein Erbbaurecht aufgeben und soll als Kompensation Flächen für ein neues Planetarium in dem Museumsneubau erhalten. In das ehemalige Pharmazie-Gebäude der Universität zieht das Loewe-Zentrum „Biodiversität und Klima“ ein. In der Nähe ist der Bau einer „Mesokosmenhalle“ zu Forschungszwecken vorgesehen. Mesokosmen sind Riesen-Reagenzgläser, in denen Leben im Wasser untersucht werden kann. Als „in der Prioritätenliste auf dem letzten Platz“ bezeichnete Weimar die Entwicklung des Hochhaus-Clusters auf dem südlichen Campus-Abschnitt.

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