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Stadtpolitik : Hitlergruß mit Tatütata

Verwirrung im Römer: Zeigte Markus Fuchs den Hitlergruß oder gab er sich lediglich als Karnevalist? Bild: dpa

Die Stadtverordneten basteln sich einen Eklat: Pearl Hahn von der Linkspartei will gesehen haben, wie der AfD-Politiker Markus Fuchs in der Stadtverordnetenversammlung den Hitlergruß zeigte.

          Es dauerte eine Weile, bis das vermeintlich Ungeheuerliche zu Ulrich Baier drang. Seine Beisitzerin im Präsidium der Stadtverordnetenversammlung, Pearl Hahn von der Linkspartei, wollte etwas gesehen haben. Während der Kollege Nico Wehnemann (Die Fraktion) vom Rednerpult zu seinem Platz ging, soll der Kollege Markus Fuchs (AfD) „einen Hitlergruß mit Tatütata gemacht“ haben. Das zumindest beteuerte Hahn - und zwar so lange, bis sich Grünen-Politiker Baier, der das Ganze von seinem Platz ganz oben und ganz vorne nicht mitbekommen hatte, an Fuchs wandte. Er sagte ihm, dass er ihn, falls es stimmen sollte, was Hahn gesehen habe, rügen müsste.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Soweit ist die Sache unstreitig. Denn falls Fuchs tatsächlich so töricht gewesen wäre, vor 92 anderen Stadtverordneten, mehreren Journalisten, Zuhörern und städtischen Mitarbeitern den Hitlergruß zu entbieten, wäre das eine Straftat gewesen. Doch Fuchs hatte etwas anderes getan. Von den Pressebänken aus war das gut zu sehen, weil sie direkt neben den Plätzen der AfD-Fraktion liegen. Fuchs rief, nachdem Wehnemann seinen Vortrag mit der Zeile „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ der linken Punkband Slime beendet hatte, „Tätä, tätä, tätä“ und bewegte gleichzeitig in einer Art karnevalistischem Begleitgruß mehrmals die rechte Hand schräg in Stirnhöhe hin und her.

          Nicht im Konjunktiv rügen

          Eigentlich wäre damit alles erledigt gewesen. Aber nun hob Rainer Rahn, der AfD-Fraktionsvorsitzende, gleich beide Arme mit jeweils ausgestrecktem Zeigefinger und schritt zum Saalmikrofon. Er verlangte von Baier, sich zu entscheiden: Rüge oder keine Rüge? Baier, der das Ganze ja nicht gesehen hatte, konnte sich guten Gewissens aber nicht entscheiden, da er sich nur auf Hahns Beobachtung hätte stützen müssen. Denn sonst hatte im Saal ja keiner das „Tätä, tätä, tätä“ samt Karnevalswischer als Tatütata mit Hitlergruß wahrgenommen. Rahn ließ daraufhin den Ältestenausschuss einberufen.

          Markus Fuchs (AfD): Nur Wischbewegungen.

          Es ging auf halb zehn, als sich fast alle im Fraktionssaal der CDU versammelten. Dort ging es noch einmal hoch her. Patrick Schenk (BFF) ließ durchblicken, dass er Baier wegen dessen Alters - der Mann ist 76 - für überfordert mit einer emotionalen Debatte halte. Mehrere andere Politiker warfen Schenk daraufhin Altersdiskriminierung vor. Rahn sagte, es gehe ihm darum, dass ein Stadtverordnetenvorsteher „nicht im Konjunktiv rügen“ könne. Einig waren sich die meisten, dass Baier recht gehandelt habe. Der CDU-Stadtverordnete Christoph Schmitt fasste alles gut zusammen: „Frau Hahn hat geglaubt, etwas gesehen zu haben. Aber unter dem Strich steht: Wir wissen’s nicht.“

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