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Klima : Zeichen für Klimawandel mehren sich

Bild: F.A.Z.

Warum hat es in Frankfurt zu Weihnachten eigentlich nicht geschneit? Ist daran der Klimawandel schuld? Experten sind bei solchen Vereinfachungen vorsichtig. Neben dem Treibhauseffekt berücksichtigen sie auch den sogenannten Stadteffekt.

          Über mangelnde Abwechslung dürfen die Meteorologen sich jedenfalls nicht beklagen, wenn sie auf das vergangene Jahr zurückblicken. 2006 war in Frankfurt und Umgebung nicht nur eines der wärmsten Jahre seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen, es war auch eines mit einer erstaunlichen Bandbreite an meteorologischen Phänomenen: Den extrem milden letzten vier Monaten des Jahres stehen die drei ersten Monate mit ungewöhnlich viel Kälte, Eis und Schnee gegenüber.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und während die Wetterleute den Januar mit seinen beständigen Minusgraden und viel weißer Pracht zum kältesten seit fast einem Jahrzehnt in Frankfurt erklären konnten, brach der Juli einen Wärmerekord nach dem anderen. Wegen des darauf folgenden regnerischen und viel zu kühlen August kam der Hochsommer erst mit ein paar Wochen Verspätung zu seinem Recht - im September, einem der wärmsten, trockensten und sonnenreichsten seit Beginn der Messungen.

          Frankfurt lag 2006 1,5 Grad über Durchschnitt

          Mit einer Durchschnittstemperatur von 11,2 Grad war das Jahr 2006 in Frankfurt 1,5 Grad zu warm. Deutschlandweit lag die Temperatur mit 9,5 Grad 1,3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt von 8,2 Grad. Das klingt wenig, ist aber für einen Jahresmittelwert enorm - und liegt vor allem im Trend: Viele der wärmeren Jahre wurden Ende des vergangenen und zu Beginn des neuen Jahrhunderts verzeichnet. 2006 passt bestens in dieses Bild - auch wenn ein einzelnes Jahr aus klimatologischer Sicht natürlich keinerlei Beweiskraft haben kann. Die Aneinanderreihung der Jahreswerte von der Messstation am Frankfurter Palmengarten (siehe Grafik) macht das Phänomen transparent: Sie zeigt, dass die Durchschnittstemperatur seit etwa 1890 um fast zwei Grad angestiegen ist. Und bildet man für jedes Jahr eine "Zehn-Jahres-Mitteltemperatur" - dabei werden für jedes Jahr die Durchschnittstemperaturen der jeweils vorangegangenen fünf und der folgenden fünf Jahre gemittelt -, ergibt sich eine Kurve, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglässt.

          Für die Meteorologen und Klimaforscher ist dieser Temperaturanstieg, der natürlich nicht nur in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet, sondern in ganz Deutschland registriert wird, ein untrügliches Zeichen für eine allmähliche Klimaverschiebung. Ein weiteres ist die Zahl der sogenannten Heißen Tage und der Eistage seit 1857: Während die Zahl der Tage mit Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad (Heiße Tage) vor allem in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen hat, ist die Zahl der Tage, an denen das Quecksilber nicht über den Gefrierpunkt kam (Eistage), immer weiter gesunken - und an diesem Trend kann auch die Tatsache nichts ändern, dass im Januar des gerade vergangenen Jahres mehr Dauerfrosttage gemessen wurden als üblich, nämlich acht statt sieben.

          Treibhauseffekt und Stadteffekt

          Es wird langsam wärmer - das ist bei den Fachleuten inzwischen vollkommen unstrittig, heftigen Streit gibt es dagegen bei der Beurteilung der Gründe. Während viele Experten wie der deutschlandweit bekannte Klimatologe Mojib Latif vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg oder der Frankfurter Forscher Christian Schönwiese vor allem den menschlichen Einfluss auf das Klima als sehr stark einschätzen und die Industrialisierung für einen großen Teil der Temperaturveränderungen in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich machen, sind andere Experten vorsichtiger.

          Gerhard Müller-Westermeier zum Beispiel, Klimafachmann beim Deutschen Wetterdienst, nennt neben dem Treibhauseffekt - also der vermuteten Erhöhung der Temperaturen durch die verstärkte Freisetzung von Kohlendioxyd - den sogenannten Stadteffekt: Frankfurt sei seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere seit Ende des Zweiten Weltkrieges, enorm gewachsen, die Bebauung habe stark zugenommen, und das sei nicht ohne Einfluss auf das städtische Klima geblieben. Müller-Westermeier verweist zudem auf die Geschichte: Forschungen zeigten, dass es auch im Mittelalter eine Wärmeperiode gegeben habe. Damals habe der Mensch keine Rolle gespielt - aber die aktuellen Temperaturerhöhungen lägen nicht wesentlich über der damaligen Erwärmung.

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