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Wohnungseinbrüche : „Seitdem habe ich Angst“

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Verletzte Privatsphäre: Dass ein Fremder in die eigene Wohnung eingedrungen ist, belastet Einbruchsopfer nachhaltig. Bild: dpa

Nach einem Einbruch sieht das Opfer die Welt mit anderen Augen. Nun sollen neue Strategien und eine Software die Aufklärung verbessern.

          Es war der Tag vor Gründonnerstag, als Einbrecher die Wohnung von Cornelia Schumacher verwüsteten. Nachbarn erinnerten sich später an ein lautes Rumpeln, dachten aber, es seien die Handwerker, die für diesen Tag angekündigt waren. Die Täter brachen die Tür auf, verteilten sich offenbar in den Räumen, wühlten in Schubladen und verstreuten deren Inhalt auf dem Boden. Dann nahmen sie sich den Kleiderschrank vor. Röcke, Hosen, Shirts, alles landete auf dem Bett. Auch im Bad sahen sie sich um, öffneten Schränke und durchstöberten jede Dose, jede Box. Sie hängten sogar die Bilder in der Wohnung ab und öffneten die Klappe zum Sicherungskasten, sahen private Briefe durch. Schließlich fanden sie im Wohnzimmer, was sie suchten. 750 Euro. Sie nahmen das Geld und verschwanden. Vorher putzten sie noch an der Eingangstür die Fingerabdrücke weg.

          Cornelia Schumacher ist keine ängstliche Person. Die Grafikerin lebt seit mehr als zehn Jahren in Frankfurt, fährt mal mit dem Fahrrad, mal mit Bus und Bahn durch die Stadt. Vor einigen Monaten noch hätte sie dagegengehalten, wenn andere darüber klagten, sie fühlten sich in Frankfurt nicht mehr wohl. Zu viele Verbrechen, zu viele Vorfälle, die, ohne, dass man es irgendwie steuern kann, zutiefst verunsichern. Nun ertappt sich Cornelia Schumacher dabei, dass es ihr genauso geht.

          Die Polizei erkennt Strukturen beim Vorgehen der Täter

          Der Einbruch, sagt sie, habe alles verändert. Noch Wochen später fürchtete sie sich, wenn sie nach Hause kam, weil der Fahrradstellplatz in einer ziemlich düsteren Ecke liegt. Wenn sie morgens aus dem Haus ging, blickte sie zuerst auf die andere Straßenseite, ob ihr jemand verdächtig vorkomme. Nachts konnte sie nicht gut schlafen, weil ihre Wohnungstür stark beschädigt war; die Hauseigentümer brauchten drei Monate, um eine neue einzubauen. Als sie endlich da war, ließ Cornelia Schumacher einen Sicherheitsriegel installieren, was sie 500 Euro kostete. Und trotzdem überlegt sie nun umzuziehen. In einen anderen Stadtteil, in eine andere Wohnung. Vielleicht, so hofft sie, passiere dort so etwas nicht.

          Tatsächlich scheint es eine feste Struktur zu geben, nach denen die Einbrecherbanden vorgehen. Galt früher einmal die Maxime, Einbrecher suchten nie zweimal dieselbe Wohnung auf, so belegen neuste Erkenntnisse des hessischen Landeskriminalamts genau das Gegenteil. Über mehrere Monate lang haben Beamte Tatorte und Reiserouten in Wiesbaden sowie im Main-Taunus-Kreis, Main-Kinzig-Kreis und in Darmstadt-Dieburg erfasst und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Täter einen sehr engen Aktionsradius haben und gerade in den Gegenden noch einmal zuschlagen, in denen sie schon einmal gewesen sind.

          Wie Vorhersagen möglich werden

          Die Erkenntnisse will die Polizei in Hessen nun für eine Prognose-Software nutzen, die Beamten des Landeskriminalamts unter dem etwas sperrigen Namen „KLB-operativ“ entwickelt haben; das Akronym steht für Kriminallagebild. Das Programm analysiert die Daten des Vortags und informiert, in welchen Städten und Wohnvierteln Einbrüche gemeldet worden sind. Aus diesen Informationen wird dann jeweils für den aktuellen Tag eine Vorhersage getroffen, in welchen Gegenden die Tätergruppen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nächstes aktiv werden. Dort finden dann verstärkte Verkehrskontrollen und Streifenfahrten statt. In einer ersten Testphase hat sich das Programm bewährt. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist dort um 14 Prozent zurückgegangen.

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