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Wohnungen statt Büros : Das Ende des „Kraken“

Einst Europas größte Gewerbeimmobilie: Das Lurgi-Haus im Frankfurter Mertonviertel wird abgerissen. Bild: Helmut Fricke

Das Lurgi-Haus in Frankfurt soll Wohnungen weichen. Das wird nicht so einfach. Nun versucht sich die städtische Wohnungsgesellschaft ABG mit einem Partner am einst größten Bürogebäude Europas.

          3 Min.

          Wer das frühere Lurgi-Haus von oben betrachtet, der sieht einen riesenhaften Kraken mit sieben Armen, der im Mertonviertel gestrandet ist. Bei seinem Bau im Jahr 1987 mit rund 87.000 Quadratmetern Bürofläche noch die größte Gewerbeimmobilie Europas, steht der einstige Sitz der Lurgi GmbH nun schon seit einigen Jahren fast komplett leer. Der letzte Eigentümer Aroundtown, der das Haus bei einer Zwangsversteigerung vor drei Jahren erworben hatte, versuchte noch vergeblich, es weiter als Bürofläche zu vermieten, stellte das Gebäude dann aber wieder zum Verkauf. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich schon im Sommer in einem Bieterverfahren die städtische Wohnungsgesellschaft ABG durchgesetzt, die das Grundstück gemeinsam mit dem Berliner Projektentwickler GSP erworben hat. Den Kaufpreis will ABG-Geschäftsführer Frank Junker nicht nennen, er sei „dem Areal angemessen“. In der Immobilienbranche heißt es, dass mehr als 110 Millionen Euro gezahlt worden seien. Bei der Versteigerung vor drei Jahren wurde der Verkehrswert auf 102 Millionen Euro geschätzt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Damit sind die Tage des Kraken gezählt. Die ABG und ihr privater Partner wollen das Gebäude abreißen und an seiner Stelle bis zu 1100 Wohnungen in fünf- bis sechsgeschossigen Mehrfamilienhäusern bauen, hinzu kommen mindestens eine Schule, Kitas und Einzelhandel. Den Weg dazu hat die Stadt bereitet. In öffentlichen Erklärungen, aber auch durch den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen, hat die Stadt klargemacht, dass sie an einer abermaligen Büronutzung der Immobilie kein Interesse hat. Mit einer gemischten Nutzung des Grundstücks sollen stattdessen die städtebaulichen Schwächen des Mertonviertels gelindert werden. Anstelle eines überwiegend leerstehenden Bürostandorts wünscht sich die Stadt ein „kleinteilig strukturiertes, urbanes, gemischt genutztes und durchgrüntes Wohnquartier“. Weil Aroundtown daran in Verhandlungen kein Interesse zeigte, wurde vor einem Jahr auch noch eine Vorkaufssatzung für das Gelände erlassen. Das zeigte nun offenbar Wirkung.

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