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Wohnen in Niederrad : Die ganze Stadt im Blick

Wohnen mit Aussicht: Die teilmöblierten Wohnungen können im Juli bezogen werden. Ende März verschwindet das Gerüst vor den Fenstern Bild: Helmut Fricke

Ein Büroturm wandelt sich. Auf 17 Etagen entsteht Wohnraum nicht nur für Mediziner und Stewardessen. In die Neugestaltung der Bürostadt Niederrad kommt Bewegung.

          In der Bürostadt Niederrad geht nach Feierabend das Licht aus. Die Angestellten begeben sich mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss der Bürotürme und fahren aus dem Viertel. Sie lassen einen bizarren, komplett auf Arbeit ausgerichteten Ort zurück, an dem abends nur ein paar Apartmenthäuser und Hotels die Stellung halten. Am Wochenende ist die Bürostadt wie ausgestorben. Erst montags kehrt zwischen den Hochhäusern wieder Leben ein. So war es bisher. Doch bald werden in der Bürostadt auch Fenster erleuchtet sein, hinter denen die Menschen nicht arbeiten, sondern kochen, lesen, schlafen und fernsehen. Der erste Wohnturm Niederrads soll im Juli bezogen werden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er kam 1970 als Bürohochhaus auf die Welt. An der Adresse Lyoner Straße 19 ist von außen noch nicht viel zu erkennen. Durch ein mit grünen Stoffbahnen verkleidetes Gerüst schimmert eine weiße Putzfassade. Der vormals graue Turm hat nicht nur einen neuen Anstrich bekommen. Auch sonst erinnert wenig an das Bürogebäude, das zuletzt keine Mieter mehr fand. Zwei Jahre lang stand der Turm komplett leer, bevor ihn der Projektentwickler Günter Hägele entdeckte. 92 Mietwohnungen und sechs Penthäuser will er in den 17 Etagen unterbringen. Im Erdgeschoss soll allerdings ein Büro einziehen.

          „Das regt mich total auf“

          Hägele ist in der zu einem Drittel leerstehenden Bürostadt Niederrad, die die Stadt in ein gemischt genutztes, lebendiges Quartier mit bis zu 3000 neuen Wohnungen für 6000 Einwohner umwandeln will, ein Pionier. Der Geschäftsführer von Dreyer & Kollegen Real Estate, das den Turm erworben hat, reagiert recht impulsiv, wenn jemand behauptet, die Infrastruktur sei dort nicht so gut ausgebaut wie in gewachsenen Wohnvierteln. „Das regt mich total auf“, sagt er dann ungehalten und zählt die Vorzüge auf, darunter die Grünflächen, der nahe Stadtwald und die Geschäfte in der Umgebung. Lidl, Rewe und eine Postfiliale sind nur 500 Meter entfernt. Bis zum Golfplatz sind es zehn Minuten. Die Restaurants in der Bürostadt sind vor allem in der Mittagspause gut frequentiert. Und für den kleinen Hunger gibt es die Dönerbude „Ützel Brützel“.

          Das erste Penthaus ist schon vermietet. Eine Familie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten will sich an der Spitze des Wohnturms niederlassen. Ihre Aussicht ist beneidenswert. Künftige Mieter müssen sich für eine Himmelsrichtung entscheiden: Gehen die Fenster nach Süden, können sie den Flugzeugen, deren Einflugschneise weit entfernt liegt, beim Landen zuschauen. Und nach Norden haben die Mieter die ganze Stadt im Blick.

          Nicht jedes Bürogebäude eignet sich auch als Wohnraum

          Ursprünglich wollte Hägele das Hochhaus, das wegen der alten Bausubstanz und der niedrigen Decken keine Mieter mehr fand, abreißen. Dann entschied er sich zum Umbau und fand in dem Architekten Stefan Forster den passenden Planer. Der Architekt saß diesmal nicht vor einem weißen Blatt, das er mit eigenen Entwürfen füllen musste. Die Struktur war weitegehend vorgegeben. „Zu Beginn macht man die ganze Bude leer und fängt von vorne an“, erläutert Forster seine Methode.

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