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WM-Abschied : „Ein großer Gewinn“

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Abbau: Bald ist die „Main Arena” nur noch eine schöne Erinnerung Bild: F.A.Z. - Anna Mutter

Zwei Millionen Besucher haben in der Frankfurter „Main Arena“ die WM-Spiele verfolgt. Oberbürgermeisterin Petra Roth kann sich zur Fußball-EM in zwei Jahren sogar eine Wiederauflage der „Main Arena“ vorstellen.

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          Die WM ist zu Ende und Deutschland voll des Lobes: über Franz Beckenbauer und die Organisatoren, Jürgen Klinsmann und die Mannschaft, die deutschen Fans und ihre Gäste. In diesen Chor stimmten auch der hessische Innenminister Volker Bouffier und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU) ein. Das Land habe sich hervorragend präsentiert, „ich bin außergewöhnlich dankbar, daß alles so gut gelaufen ist“, sagte Bouffier. Roth äußerte, sie könne sich durchaus eine Wiederauflage der „Main Arena“ zur Fußball-EM in zwei Jahren vorstellen, konkrete Pläne dazu gebe es allerdings noch nicht.

          Die WM sei ein großer Gewinn für die Stadt Frankfurt, ihre Bürger und die Gäste gewesen, hob die Oberbürgermeisterin hervor. Die „Sky Arena“ am Pfingstwochenende und die „Main Arena“ mit der Großbildleinwand mitten im Fluß hätten weltweit Aufmerksamkeit erregt, die „Fan-Meile“ in Frankfurt sei eine der stimmungsvollsten in Deutschland gewesen.

          380.000 Überstunden bei der Polizei

          188 Fernsehsender in aller Welt haben nach den Worten von Günter Hampel, Geschäftsführer der städtischen Tourismus + Congress GmbH, das Lichterspektakel der „Sky Arena“ übertragen, in der „Main Arena“ hätten etwa zwei Millionen Besucher die WM-Spiele verfolgt, ins Stadion seien gut 250.000 Zuschauer zu den fünf Frankfurter Spielen gekommen. Die vom Magistrat bereitgestellten 8,2 Millionen Euro seien nicht ausgeschöpft worden, „wir liegen etwa 1,9 Millionen Euro darunter“, sagte Hampel. An jedem Spieltag waren dem Brandschutzdezernat zufolge 2100 ehrenamtliche und hauptamtliche Feuerwehrleute im Einsatz.

          Innenminister Bouffier bezifferte die durch die WM entstandenen Kosten für das Land Hessen auf etwa zehn Millionen Euro. Ein großer Teil davon entfiel auf die Abgleichung der rund 380.000 bei der Polizei in den vergangenen Wochen angefallenen Überstunden. Bouffier lobte noch einmal die Arbeit der Polizei, sie sei täglich mit rund 3000 Beamten im Einsatz gewesen und habe dabei die richtige Mischung aus Lockerheit und Konsequenz gefunden. Das sei ebenso wie der Einsatz der sogenannten Kommunikatoren ein Konzept, das auch bei anderen Großveranstaltungen in Zukunft genutzt werden könne. Der Minister wies noch einmal auf die Bedeutung der Videoüberwachung am Hauptbahnhof und auf dem Römerberg hin und fügte hinzu: „Vielleicht kommen wir in dieser Diskussion ja jetzt etwas weiter.“

          Unterdessen hat der Abbau der „Main Arena“ begonnen. 500 Arbeiter werden laut Hampel damit etwa eine Woche beschäftigt sein. Allein die beiden großen LED-Bildschirme im Main, die von der Firma Philips gemietet worden waren, bestehen aus knapp 1100 Einzelteilen, sie werden schon auf dem Ponton im Fluß demontiert. Anschließend soll die 30 Meter breite Plattform ans Ufer geschleppt und zurück nach Rotterdam verschifft werden.

          Ohne Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen

          Bei anderen Gelegenheiten wird in Frankfurt gern Bankenschelte betrieben. Aber nach der Fußball-Weltmeisterschaft gibt es ein dickes Lob für die Branche: „Ohne die Sponsoren wäre das Programm zur WM in Frankfurt nicht möglich gewesen“, sagt Günter Hampel, Geschäftsführer der Tourismus + Congress GmbH. Viele Millionen Menschen in aller Welt verfolgten am Fernseher schon zum WM-Start die Großprojektionen auf die Frankfurter Hochhäuser. 3,27 Millionen Euro kostete diese „Sky Arena“ - Frankfurter Unternehmen brachten das Geld auf, allen voran die Banken. Die „Main Arena“ mit der großen Leinwand im Main verschlang einschließlich Sicherheitspersonal 7,4 Millionen Euro. Davon kam rund eine Million von Sponsoren, etwa aus der Bandenwerbung.

          Bankiersgattin Sylvia von Metzler organisierte das sogenannte Fundraising, das Spendensammeln, für die „Sky Arena“. Einzige Gegenleistung an die Unternehmen war eine kurze Erwähnung im Zehn-Sekunden-Abspann der Installation - ohne Logo, ohne eigenen Schriftzug. Josef Ackermann ließ sich trotzdem nicht lumpen: Die Deutsche Bank soll mehr als 300.000 Euro gegeben haben, einen der höchsten Beträge. Die Dresdner Bank hatte offenbar etwas mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß sie auf der einen Seite sparen und Stellenabbau verkünden mußte, auf der anderen Seite beim Sponsoring nicht fehlen wollte.

          Löwenanteil für die „Main Arena“ trug die Stadt

          Nach etwas Verhandeln soll es für sie einen reduzierten Betrag gegeben haben. Commerzbank und Helaba sollen mit sechsstelligen Summen dabeigewesen sein. Die Deutsche Börse und Unternehmer Wolfgang Steubing gaben hohe Beträge, obwohl ihre Gebäude überhaupt nicht angestrahlt wurden. Zu den Unterstützern gehörten weiter die Messe, die Investmentbank JP Morgan, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, der Rhein-Main-Verkehrsverbund und der Flughafenbetreiber Fraport. „Wir haben 500.000 Euro in unser World-Cup-Terminal investiert, 300.000 für die ,Sky Arena' gegeben und 300.000 bis 400.000 für weitere WM-Aktionen am Flughafen“, sagt Dieter Weirich, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Fraport. Die DZ-Bank-Gruppe gab einen sechsstelligen Betrag für die „Sky Arena“, wie ein Sprecher sagte. Das Ganze sei „eine tolle Sache“ gewesen - es habe ein „sehr positives Feedback der Kunden“ gegeben.

          Das VIP-Zelt auf der Sachsenhäuser Seite der „Main Arena“ soll einen weiteren Beitrag zur Kostendeckung gebracht haben. Banken mieteten Tische für Kunden, auch viele Vorstände sah man dort fiebern. Den Löwenanteil für die „Main Arena“ brachte allerdings mit 6,4 Millionen Euro die Stadt Frankfurt auf.

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