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Wirte in Frankfurter Altstadt : „Wir wollen kein Freilichtmuseum“

Streitfall: Wirte und Gäste wollen Außengastronomie – die Feuerwehr will freie Rettungswege Bild: Helmut Fricke

Die Wirte in der Frankfurter Altstadt erhöhen im Streit um die Außengastronomie den Druck auf Feuerwehr und Verwaltung. Sie wollen ihre Tische wieder herausstellen.

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          Hans Peter Zarges sitzt in seinem Wirtshaus am Hühnermarkt und erledigt Papierkram. Ganz unten in dem Stapel findet er einen Plan, auf dem die Flucht- und Rettungswege der Feuerwehr eingezeichnet sind. Daran habe er sich auch orientiert, als er Tische und Stühle rausgestellt habe, sagt der Gastronom in der Frankfurter Altstadt. „Die Tische stehen meines Erachtens richtig.“ Trotzdem wurde er vor drei Wochen von der Feuerwehr aufgefordert, die Tische reinzuholen. Mehrere Wirte in der Altstadt haben Post von der Branddirektion bekommen, weil sie mit ihrer Außengastronomie die Rettungswege blockieren. Die Aufregung unter den Wirten und ihren Kunden ist groß. „Die Altstadt muss belebt sein. Wir wollen hier doch kein Freilichtmuseum“, sagt Zarges.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein paar Meter weiter hat seine Schwester Birgit Zarges ihre 60Tische vor der „Goldenen Waage“ vorsichtshalber abgeräumt. Sie wollte die 15.000 Euro Strafe, die ihr angedroht worden seien, lieber nicht riskieren. Nur acht schmale Tische stehen noch draußen. Die Betreiberin des kleinen Kaffeehauses hat sie vorsichtshalber dicht an die Fassade gestellt. Auf dem Plan der Rettungswege ist vor dem Fachwerkhaus ein dunkelgraues Rechteck eingezeichnet. Das bedeutet: Aufstellfläche der Feuerwehr. „Dieser Plan ist alt und muss überarbeitet werden“, sagt Zarges. Denn in der „Goldenen Waage“ werde nicht gewohnt, und ein einst als Versammlungsstätte geplanter Raum könne so auch nicht genutzt werden.

          „Es gibt eine Genehmigungslage“

          Die Feuerwehr sieht das anders. „Der Plan ist nicht veraltet. Es gibt eine Genehmigungslage, und die setzen wir um“, sagt Michael Brückmann, der stellvertretende Leiter der Abteilung Vorbeugung und Planung. Sein Angebot an die beteiligten Ämter, sich noch einmal zusammenzusetzen, um die Situation in der Altstadt zu entschärfen, sei bisher verhallt. „Wir sind offen für Gespräche. Man muss sich mit allen beteiligten Ämtern noch einmal zusammensetzen. Aber die Initiative muss aus dem Römer kommen.“

          Auch Michael Guntersdorf, bis Ende Oktober Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH und Bauherr der Altstadt, wundert sich über den „absurden Plan“, wie er sagt. „Das würde einen ganzen Stadtteil adabsurdum führen. Die Stadt hat ein Interesse an einer vernünftigen Außenbestuhlung.“ Man sei in der Abstimmung mit der Feuerwehr auch schon viel weiter gewesen. So sei die Situation vor der „Goldenen Waage“ längst geklärt gewesen. „Der Plan müsste angepasst und auf den neuesten Stand gebracht werden“, meint Guntersdorf. Die Masse an Bestuhlung sei in der Altstadt allerdings durchaus ein Problem gewesen, fügt er hinzu. „Das muss auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden.“

          Regelwerk für die Sommergärten

          Es ist in diesen Tagen schwierig, in der Stadtverwaltung zu dem Thema eine Auskunft zu bekommen. Für die Außengastronomie in der Altstadt fühlt sich offenbar gerade kein Amt zuständig. Künftig, wenn die neuen Gestaltungsregeln gelten, wird das Amt für Straßenbau und Erschließung verantwortlich sein. Von dem Regelwerk für die Sommergärten hat sich Hans Peter Zarges mehr versprochen. Er vermisst einheitliche Möbel und findet es falsch, dass der Paulsplatz ausgespart werden soll. Von der Dom-Römer GmbH ist Zarges bitter enttäuscht: „Die ist in Apathie verfallen.“

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