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Streit um Professur : Wird die Psychoanalyse in Frankfurt an den Rand gedrängt?

Der Weisheit letzter Schluss? An der Goethe-Universität sollen Psychologie-Professuren verfahrensoffen ausgeschrieben werden. Bild: Martin Albermann

Die Goethe-Universität Frankfurt will Psychologie-Professuren verfahrensoffen ausschreiben. Kritiker befürchten Nachteile für die Psychoanalyse. Die Uni verteidigt sich.

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          Selten wird so lebhaft über die Neubesetzung einer Professur diskutiert – und das, bevor die Stelle überhaupt ausgeschrieben ist: Es geht um die Frage, wer Tilmann Habermas nachfolgen wird, wenn er demnächst in den Ruhestand geht. Der 1956 geborene Sohn des Philosophen Jürgen Habermas leitet am Institut für Psychologie der Goethe-Universität den Arbeitsbereich Psychoanalyse. Damit vertritt er prominent eine Richtung der Psychotherapie, um deren angemessene Repräsentanz in Frankfurt nun manche fürchten. Denn der Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften plant, den Lehrstuhl verfahrensoffen wiederzubesetzen – das heißt, ohne ausdrückliche Widmung für die Psychoanalyse. In dieser Woche soll sich der Fachbereichsrat mit dem Ausschreibungstext befassen.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kritiker sehen in dem Vorhaben einen Traditionsbruch und empfinden es als Angriff auf eine Therapieschule, deren Bedeutung gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Konflikte hoch zu schätzen sei. Von einem „Affront gegen Freud und Mitscherlich“ sprach Marianne Leuzinger-Bohleber, ehemalige Leiterin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts, kürzlich in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, habe 1930 den Goethepreis der Stadt Frankfurt erhalten, und Alexander Mitscherlich, erster Direktor des Freud-Instituts, sei auf einen fachbereichsübergreifenden Lehrstuhl an der Goethe-Uni berufen worden, nachdem ihm die Mediziner eine Professur verweigert hätten.

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