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Messe Frankfurt : „Das ist der nächste Nackenschlag“

Lichtblicke: Die Light and Building gibt es erst wieder 2022. Bild: Imago

Mit Automechanika sowie Light and Building setzt sich der Absage-Reigen bei der Messe Frankfurt fort. Und auch hinter der Buchmesse steht ein großes Fragezeichen.

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          Nach einigem Zögern hat die Messe Frankfurt nun die aus dem Frühjahr in den Herbst verlegte Messe Light and Building und auch die turnusmäßig im September stattfindende Automechanika für dieses Jahr abgesagt. Aufgrund der aktuell angespannten Lage durch die Corona-Pandemie und die derzeit noch weltweit herrschenden Restriktionen für Großveranstaltungen und Reisen habe man gemeinsam mit Kunden, Partnern und unterstützenden Verbänden beschlossen, das internationale Branchentreffen für den sogenannten Automotive Aftermarket zu verschieben. Die Automechanika, bei der bisher rund 5000 Unternehmen vom Automobilzulieferer bis zur Versicherung und zum Waschanlagenhersteller ihre Produkte zuletzt 134.000 Besuchern präsentierten, soll nun im September 2021 stattfinden.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Die aktuellen Auflagen gepaart mit anhaltenden globalen Reise-Restriktionen und der potentiellen Gefährdung der individuellen Gesundheit machen es unmöglich, die beiden weltweit führenden Fachmessen im kommenden September durchzuführen“, sagt Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt. „Gleichzeitig müssen wir im Interesse von Ausstellern und Besuchern unnötige Kosten frühzeitig abwenden“, fügte er hinzu.

          Noch bis Ende April hatte die Messegesellschaft gehofft, die Fachmessen organisieren zu können, schließlich sei auf einem Gelände von 600.000 Quadratmetern ausreichend Platz, um für Distanz zu sorgen. Dennoch: „Für viele Unternehmen und Besucher aus zuletzt mehr als 180 Ländern wäre eine Teilnahme unter den momentan gegebenen und zu erwartenden Umständen nicht möglich“, sagt der Leiter der Autozulieferer-Messe, Olaf Mußhoff.

          Schließlich sei nicht davon auszugehen, dass sich der Flugverkehr bis zum September wieder normalisieren werde, hieß es weiter seitens der Messegesellschaft, bei der inzwischen fast alle Abteilungen Kurzarbeit eingeführt haben. Bei dem Unternehmen, das weltweit Messen ausrichtet, derzeit aber auch überall welche absagen muss, rechnet man damit, vielleicht im Sommer mit Regionalmessen beispielsweise in China wieder Veranstaltungen umsetzen zu können.

          Wiederbegegnung: Die Automechaniker rückt auf den Platz der IAA.

          „Angesichts der Tatsache, dass die Pandemie sich in Wellen über den Globus bewegt und in einigen Ländern erst im Sommer ihren Höhepunkt erreichen wird, bin ich sicher, dass die Verschiebung die richtige Entscheidung ist“, kommentiert Messe-Geschäftsführer Detlef Braun den Entschluss. In den nächsten Jahren soll die Automechanika Frankfurt, zu der die Messegesellschaft noch 14 Schwestermessen in 14 weiteren Ländern organisiert, ihren gewohnten zweijährigen Turnus wiederaufnehmen und dann jeweils in den ungeraden Jahren stattfinden, in denen bisher die IAA in Frankfurt ihren Platz hatte.

          Den gewohnten Rhythmus behält die Messe Light and Building bei, die zunächst aus dem Frühjahr in den Herbst verlegt worden war. Die Leitmesse für Licht und Gebäudetechnik findet in den geraden Jahren statt. 2018 zählte sie mehr als 2700 Aussteller und 220.000 Besucher. Die Verschiebung betrifft ebenfalls die Plattform für vernetzte Sicherheitstechnik namens Intersec Building, die nun erst im März 2022 auf der Light and Building ihre Premiere haben wird.

          Für die Stadt Frankfurt und sein Gastgewerbe ebenso wie für den Handel ist die Absage der Messen „ein weiterer Nackenschlag“, wie Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congressgesellschaft, sagt. Die Messegäste ließen schließlich auch in den Geschäften der Stadt viel Geld. Für Hotels und Gastronomie rechnet Eduard Singer, Vorsitzender des Frankfurter Branchenverbands Dehoga, mit Umsatzeinbußen in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Für ihn sei die Entscheidung zwar nicht überraschend gekommen, doch sei sie ein herber Schlag. Viele Unternehmen hätten sehr auf die Durchführung der Messen gehofft. Nun warte man gespannt, ob die Buchmesse stattfinden werde. Die Messe, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausrichtet, steht bisher noch für Mitte Oktober im Plan.

          Allerdings ist man bei den Organisatoren nicht sicher, ob es dabei bleiben kann. Aufgrund der Corona-Pandemie sei die Organisation der Frankfurter Buchmesse mit einem hohen Maß an Unwägbarkeiten verbunden, heißt es beim Börsenverein. „In der deutschen wie in der internationalen Publishingbranche wird vielerorts der Wunsch nach einem Stattfinden der Frankfurter Buchmesse geäußert, gleichzeitig steht außer Frage, dass auch im Oktober aufgrund von gesundheitspolitischen Überlegungen noch eine ganze Reihe an Einschränkungen für Veranstaltungen bestehen werden“, so ein Sprecher am Mittwoch.

          Der Börsenverein und die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse seien derzeit im Austausch darüber, ob und wie sich vor diesem Hintergrund die Bücherschau organisieren lasse. Das schließe auch die mögliche Virtualisierung wichtiger Angebote ein, wie zum Beispiel den Rechtehandel, das Netzwerken, die Präsentation der Neuerscheinungen und gesellschaftspolitische Diskussionen. Die Verlagerung von Messeangeboten in internetbasierte Foren und auf entsprechende Plattformen wird derzeit für viele Messen diskutiert. Eine wichtige Motivation der Organisatoren besteht nach Angaben eines Sprechers darin, ein flexibles Modell der Buchmesse zu entwerfen, das es deutschen und internationalen Kunden ermöglicht, sich auch später im Jahr noch kurzfristig für eine Teilnahme entscheiden zu können. Die endgültige Entscheidung über die Frankfurter Buchmesse soll Ende Mai fallen.

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