https://www.faz.net/-gzg-a4v1f

Neues Wohngebiet in Frankfurt : Auch die „Au“ müsste weichen

Planspiele in Rödelheim: Auf der sandfarbenen Fläche an der A5 entsteht derzeit ein Logistikpark. Bild: Simulation Karl Richter

Alle Jahre wieder schlagen die BFF-Fraktion und der Architekt Karl Richter ein neues Wohngebiet vor. Diesmal ist es das „Westerbachviertel“ in Frankfurt-Rödelheim. Die Stadt hat dort andere Pläne.

          2 Min.

          Eines muss man der BFF-Fraktion lassen: Sie wird nicht müde, neue Standorte für den Wohnungsbau vorzuschlagen. Die jeweiligen Flächen sind zwar auch dem Stadtplanungsamt bekannt und aus nachvollziehbaren Gründen für andere Zwecke vorgesehen. Aber die im Stadtparlament vertretenen „Bürger für Frankfurt“ haben andere Vorstellungen. Ideengeber der Fraktion ist dabei der Architekt Karl Richter, der schon verschiedentlich mit Vorschlägen für Wohngebiete in Erscheinung getreten ist. Nach dem Rebstock-Areal, den Mainwasen und dem Sportpark an der Bundesbank ist Richters neuer Fund nun ein vornehmlich gewerblich genutztes Gebiet in Rödelheim beiderseits der Westerbachstraße, das im Westen von der A 5 begrenzt wird.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es handelt sich um ein Konversionsprojekt, also um ein Gewerbegebiet, das nach Richters Vorstellung zum gemischt genutzten „Westerbachviertel“ mit 2200 Wohnungen und Flächen für Gewerbe, Einzelhandel, Schule und Kita umgewandelt werden sollte. Auch das besetzte Gebäude „In der Au“, ein autonomes Kulturzentrum und Wohnprojekt, soll diesen Plänen weichen. Die Eigentumsverhältnisse sind kompliziert. Überwiegend handelt es sich um private Grundstücke, eine städtische Kleingartenanlage soll nach Meinung des Architekten und der BFF einer Schule Platz machen. Die Fraktion rät der Stadt, den Eigentümern mit einer „Angebotsplanung“ entgegenzukommen. Außer Wohnquartieren soll es an der A 5 auch Raum für Gewerbe, Büros und Handwerk geben.

          „Anstatt untergenutzte Gewerbeflächen zwanghaft konservieren zu wollen, wie es der schwarz-rot-grüne Magistrat auch hier tun will, setzen wir in diesem Fall auf die Konversion der untergenutzten Areale“, sagt Fraktionschef Mathias Mund. Damit zeige die Fraktion, dass sich Wohnraum in Frankfurt schaffen lasse, ohne Ackerböden und Naherholungsgebiete zu vernichten. Es könnten sogar noch Flächen entsiegelt werden.

          Die überwiegend gewerblich genutzten Flächen böten nach Ansicht der BFF-Fraktion Platz für eine Kita und Schule, 2200 Wohnungen, Gewerbe, Einzelhandel
          Die überwiegend gewerblich genutzten Flächen böten nach Ansicht der BFF-Fraktion Platz für eine Kita und Schule, 2200 Wohnungen, Gewerbe, Einzelhandel : Bild: Simulation Karl Richter

          Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hält das Vorgehen der BFF-Fraktion für „unterkomplex“. Erst am Montagabend im Planungsausschuss hatte Josef Mund vorgeworfen, es sich zu einfach zu machen, indem er die Realität ausblende und auf planerische Einschränkungen keine Rücksicht nehme. Laut dem neuen Entwicklungsprogramm für Gewerbeflächen befinden sich an dieser Stelle unter anderem emittierende Gewerbebetriebe. Das Straßennetz sei hoch ausgelastet, die Erschließung müsse verbessert werden. Um Entwicklungshemmnisse abzubauen, sei eine „städtebauliche Beordnung“ durch eine entsprechende Rahmen- und Bauleitplanung nötig.

          Tatsächlichen Gegebenheiten berücksichtigen

          Der Sprecher des Planungsdezernats wirft dem Architekten Richter und der BFF-Fraktion vor, bei ihren Vorschlägen die tatsächlichen Gegebenheiten nicht zu berücksichtigen. „Es bringt uns nicht weiter, planungsrechtliche Grundlagen auszublenden und einfach nur Baukörper auf der Stadtkarte zu plazieren. So funktioniert Stadtplanung nicht. Das ist kein leeres Papier, wir arbeiten mit gewachsenen Strukturen.“

          Die BFF-Fraktion will sich davon nicht abschrecken lassen und hat für ihr „Westerbachviertel“ einen Antrag formuliert, mit dem der Magistrat aufgefordert wird, entsprechende Bebauungspläne in die Wege zu leiten. Die Stadtverordneten dürften dies aber ablehnen.

          Weitere Themen

          Sonderpreis für Sechzehnjährigen

          Hessischer Gründerpreis : Sonderpreis für Sechzehnjährigen

          Trotz Corona-Krise haben sich in diesem Jahr mehr Start-ups als sonst für den Hessischen Gründerpreis beworben. Dreizehn von ihnen sind ausgezeichnet worden – und der jüngste Gewinner ist gerade einmal 16 Jahre alt.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.