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Demonstrationen gegen Gazakrieg : „Wir wehren uns dagegen, Antisemiten zu sein“

Beflaggt: Demonstranten zeigen auf dem Römerberg die palästinensischen Farben. Bild: Wonge Bergmann

Wieder haben Palästinenser und Israel-Kritiker in der Frankfurter Innenstadt gegen die Militäroffensive in Gaza demonstriert. Die Veranstaltung blieb diesmal friedlich. Radikalen Demonstranten hatten die Veranstalter selbst eine Absage erteilt.

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          Als die ersten Worte gesprochen wurden auf dem Römerberg, war klar, dass an diesem Nachmittag ein anderer Ton herrschen würde als vor zwei Wochen. Von „jungen muslimischen Chaoten“ war die Rede, die am 12. Juli den aktuellen Protest gegen Israel missbrauchten. Dieses Mal hingegen, so hieß es schon in der Ankündigung, werde man „ein Beispiel setzen für eine friedliche Demonstrationskultur“.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Keine Hetze, keine Hassparolen, keine menschenrechtsverletzenden Plakate. Und so wurde eine Gruppe junger Türken, die mutmaßlich der türkischen rechtsradikalen Vereinigung Graue Wölfe angehörten, schon vor der Kundgebung aufgehalten. Sie hatten ein Plakat dabei mit der inzwischen weit verbreiteten Anklage: „Kindermörder Israel.“ Ein Ordner sagte, solche Äußerungen seien „nicht willkommen“.

          „Für den Frieden sprechen“

          Zu dem Protest aufgerufen hatte die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH), eine Vereinigung, die viele muslimische Gemeinden als eine Art Dachorganisation sehen. Dennoch kamen mit rund 400 Demonstranten weit weniger als erwartet. Die Veranstalter hatten die Zahl auf 3000 geschätzt. Eine Größenordnung, auf die sich auch die Polizei eingestellt hatte, die mit mehreren hundert Beamten rund um den Römerberg präsent war.

          Es blieb so friedlich, wie vom Veranstalter gewünscht. Auch deshalb, weil der stellvertretende Vorsitzende der IRH, Ünal Kaymakci, zu Beginn der Kundgebung deutlich sagte, man sei „zusammengekommen, um gemeinsam für den Frieden zu sprechen“. Man wolle zeigen, dass die Kundgebung keine Veranstaltung einer bestimmten Religion sei, „sondern die von humanitär denkenden Menschen“. Deshalb gebe es auch keinen Platz für antisemitische Äußerungen, die die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen „aufs Schärfste“ verurteile.

          Der Vorsitzende der IRH, Ramazan Kuruyüz, fand dennoch scharfe Worte. Nicht nur gegen die Politik Israels, sondern auch gegen die der deutschen Regierung. Er sprach ihr ab, ein Rechtsstaat zu sein. „Ein moderner demokratischer Rechtsstaat würde die Täter ermitteln und vor Gericht stellen“, sagte er. Dieser Grundsatz gelte aber offenbar nicht für Israel, weil die „zivilisierte Menschheit“, wozu er Deutschland und die Europäische Union im allgemeinen zähle, schweige.

          Kritik an Gewaltpolitik

          Kuruyüz wehrte sich gleichzeitig gegen Vorwürfe, ein Antisemit zu sein. Es gehe darum, Israel wegen seiner Gewaltpolitik zu kritisieren. Das habe aber nichts mit Antisemitismus zu tun, „sondern damit, zu hinterfragen, ob ein palästinensisches Leben etwa weniger wert ist als ein israelisches.“

          Viele Demonstranten teilten diese Ansicht offenbar. Es dürfe nicht sein, dass man als Antisemit gelte, nur weil man das Auftreten Israels im Nahost-Konflikt kritisiere, sagt eine junge Frau. Das gemeinsame Ziel sei es doch, „diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden“.

          Diesen Appell richtete auch die hessische Landesvorsitzende der Linkspartei, Janine Wissler, an die Demonstranten. Es dürfe kein weiteres Blutvergießen geben, sagte sie. Eine Lösung könne nur außerhalb der militärischen Auseinandersetzung stattfinden. „Ohne Freiheit und Aufhebung der Blockade in Gaza wird es keinen Frieden geben.“

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