https://www.faz.net/-gzg-a1t2d

Tourismus in Hessen : Ferien, Reisen, keine Reisen

Landlust: Für den ländlichen Raum, wie hier i m mittelhessischen Dietzhölzta, kann die Krise eine Chance sein. Bild: Wolfgang Eilmes

Nach dreieinhalb Wochen Schulferien steht fest: Im Reiseland Hessen werden zurzeit lange nicht so viele Übernachtungen verkauft, wie es möglich wäre. Über die Gründe für die Zurückhaltung lassen sich zahlreiche Vermutungen anstellen.

          1 Min.

          Hohen Erwartungen folgt oft tiefe Ernüchterung. So wird es wohl auch sein, wenn in ein paar Wochen offiziell Bilanz gezogen wird über den Hessen-Tourismus im Sommer 2020. Schon jetzt, nach dreieinhalb Wochen Schulferien in Hessen selbst und noch bevor sie in Baden-Württemberg begonnen haben, steht fest: Im Reiseland Hessen werden zurzeit lange nicht so viele Übernachtungen verkauft, wie es möglich wäre.

          Über die Gründe für die Zurückhaltung lassen sich zahlreiche Vermutungen anstellen. Annehmen darf man, dass viele ihr Geld zusammenhalten, Kurzarbeit und Konsumwille passen nicht zwingend zusammen. Viele werden keine Lust haben, in einem Hotel mit Maske herumzulaufen. Andere nehmen wohl die Pandemie und die potentiellen Gefahren für den Einzelnen so ernst, dass ihnen eine Rückkehr in einen wie immer gestalteten Alltag nicht sicher erscheint; es gibt ja nicht nur die Ballermann-Touristen, denen Sangria wichtiger zu sein scheint als Abstand.

          Kein Wunder angesichts dieser Gemengelage, dass Campingplätze, Ferienwohnungen und Ferienhäuser vorwiegend in dünner besiedelten Gegenden in diesen Tagen und Wochen besonders beliebt sind. Für den ländlichen Raum, der unter der Auszehrung, dem Gasthaussterben und Streben in die Städte leidet, kann das eine Chance sein: Wem es 2020 dort gefallen hat, der kommt 2021 vielleicht wieder. Höher werden die Chancen darauf, wenn auf dem Land nicht nur Unterkünfte sind, sondern auch gut gepflegte Rad- und Wanderwege, wenn es Möglichkeiten zum Einkauf und zur Einkehr gibt.

          Im Juni hat die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) die sogenannte Landestourismus-Strategie vorgestellt, ein sieben Punkte umfassendes Papier mit Zielen wie „Netzwerke erweitern“, „Bewusstsein für Regionalität schaffen“ und „Förderung des Gastgewerbes ausweiten“. Das sind sicher erstrebenswerte Ziele, und auch die Ausstattung des Programms mit zwei Millionen Euro zum Beispiel für die Förderung energetischer Maßnahmen einzelner Betriebe muss man nicht kleinreden. Einen Umstand aber, den Praktiker schon lange beklagen, ändert auch die neue Strategie nicht. Für den Tourismus ist, übergeordnet, auch das Wirtschaftsministerium zuständig, womit die Branche in all ihren Verästelungen Ansprechpartner in zwei Häusern hat. Was auffällt: dem Land fehlt noch immer eine digitale Vermarktungsstrategie, die als solche beim Endverbraucher ankommt.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Team des neuen Präsidenten : Bidens Top Ten

          Donald Trump ist Geschichte, Joe Biden lenkt die Geschicke der Vereinigten Staaten. Doch wer sitzt mit ihm am Steuer? Wir stellen die wichtigsten Personen in seinem Team vor.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt sich in Berlin in der Bundespressekonferenz den Fragen der Journalisten.

          Corona-Liveblog : Merkel: „Grenzkontrollen sind für uns die Ultima Ratio“

          Kanzlerin sieht Erfolge in der Pandemiebekämpfung +++ „Wir werden alles dafür tun, die Lieferkette zu sichern“, sagt Merkel mit Blick auf den Impfstoff +++ Schulen und Kitas haben bei Öffnung Priorität +++ 20.398 Neuinfektionen in Deutschland +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Bleiben Impfstoffe wirksam? : Schlupflöcher für Mutanten

          Je genauer die neuen Virus-Varianten untersucht werden, um so mehr wachsen die Bedenken: Sollten sie etwa die Immunabwehr unterlaufen können? Eine neue Studie deckt schwächelnde Antikörper nach mRNA-Impfungen auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.