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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Freiwilliger Polizeidienst : Mit der Brechstange

Ähnelt der Polizei-Uniform: Menschen, die im freiwilligen Freiwilligen Polizeidienst tätig sind, ist nicht egal, was in ihrem Umfeld passiert. Bild: dpa

Die jüngste Debatte in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung lässt tief blicken. Denn die Koalition scheint nicht begriffen zu haben, wofür der Freiwillige Polizeidienst eigentlich gedacht ist.

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          Man muss nicht zu denen gehören, die einer neu gewählten Stadtregierung gleich unterstellen, sie handele lieber im Hauruck-Verfahren als mit der Sorgfalt, die ihr Amt gebührt, um sich darüber zu wundern, wie die Debatte über den Freiwilligen Polizeidienst am Donnerstagabend in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung verlaufen ist. Wohl aber darf man die Frage aufwerfen, ob der neuen Koalition die Unterschiede bekannt sind zwischen den Aufgaben der Landespolizei, der Stadtpolizei und der sogenannten Hilfspolizei. Offenbar aber ist es einfacher, Äpfel mit Birnen zu vergleichen und wahllos alles zusammenzuwerfen, wo „Polizei“ draufsteht. Am Ende wurde eine Entscheidung getroffen, die allein aus ideologischen Gründen gewollt war.

          So ehrlich, das auszusprechen, hätte man wenigstens sein müssen. Zumindest denen gegenüber, die sich seit Jahren im Freiwilligen Polizeidienst engagieren. Wohlbemerkt im Ehrenamt. Einige von ihnen sind Rentner, die ihre Freizeit sinnvoll verbringen wollen. Dann gibt es die vierfache Mutter, die sich wünscht, dass ihre Kinder in einem geordneten Umfeld aufwachsen. Es gibt den Studenten, der sich über die sieben Euro Aufwandsentschädigung freut. Und es gibt den Ingenieur, der sich irgendwann vorgenommen hatte, sich gesellschaftlich stärker einzubringen.

          Keine Blockwarte

          Das alles sind keine Blockwarte. Sondern Menschen, denen nicht egal ist, was in ihrem Umfeld passiert. Stattdessen mussten die Ehrenamtler erfahren, dass man sie in der Stadtverordnetenversammlung mit Weihnachtsgänsen verglich, die man ja auch nicht frage, was sie vom Weihnachtsfest hielten. Zynischer geht es kaum.

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          Das alles lässt tief blicken, zumal sich gerade die vier Parteien der neuen Koalition auf die Fahne geschrieben haben, eine Politik für den Bürger zu betreiben – „vom Menschen her“. Das wurde hier nicht getan. Denn die Koalition hat nicht begriffen, dass der Freiwillige Polizeidienst nie dafür gedacht war, Kriminalität zu bekämpfen, sondern dafür zu sorgen, dass sie erst gar nicht entsteht. Ihre „Waffe“ ist das offene Ohr und der wachsame Blick. Im Gespräch mit Anwohnern und lokalen Einzelhändlern. Dabei geht es nicht um schwere Delikte, sondern um das defekte Laternenlicht an der Bushaltestelle, Ruhestörungen und zugeparkte Einfahrten. Die Hinweise werden weitergegeben an das Revier.

          Wenn nun argumentiert wird, dass im vergangenen Jahr weniger Streifenstunden geleistet wurden, muss sich die Koalition doch fragen, warum. Während der Pandemie mussten die Helfer nämlich pausieren. Das hätte die Sicherheitsdezernentin bei der Landespolizei erfahren können. Hätte sie denn gefragt. Am Ende ist es in der Debatte aber ohnehin nicht um Inhalte gegangen. Sondern um die Verpackung. Was, wenn die Ehrenamtler „Präventionshelfer“ hießen – ohne „Polizei“? Dann hätte man sich damit sogar noch geschmückt.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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