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Wie Frankfurter helfen wollen : Pendelverkehr zur polnisch-ukrainischen Grenze

Aus der Wohnung wird ein Lager: Halina packt Pakete. Bild: Lucas Bäuml

Viele Menschen engagieren sich nun für die Ukraine, sammeln Spenden. In Frankfurt stellt ein Mann seine Privatwohnung zur Verfügung, damit von dort aus Hilfstransporte aufbrechen können.

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          In den Zimmern rechts vom Flur lagert Kleidung. In Plastiksäcken eingepackte Jacken, Mäntel, Schutz gegen die Kälte. Ein Raum ist für die Kinderkleidung, im zweiten werden die Sachen für Erwachsene aufbewahrt. Und im Wohnzimmer stapeln sich die Lebensmittel. Gläschen mit Babynahrung, päckchenweise Tee und Kaffee, Konservendosen. Zwei Männer und eine Frau sitzen da und verstauen alles in Kartons, verschließen die Pakete mit breitem Klebeband. Zwischendrin steht Halina, eine Ukrainerin, verheiratet mit einem Polen, die seit 2008 in Deutschland und seit 2015 in Frankfurt lebt.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Halina hat den Überblick, dirigiert die Helfer, gibt Anweisungen. Sie weiß, was wo lagert, sie weiß, was zu verpacken ist, ihre Energie ist beeindruckend. Halina will den Menschen in ihrer Heimat helfen, die unter Putins Angriffskrieg so fürchterlich leiden. Alles andere zählt für sie gerade nicht.

          Jan Klasen, engagiert beim Lions Club Frankfurt-Römer, hat ihr dafür seine Wohnung zur Verfügung gestellt. Bis Montagabend wurde hier noch ganz normal gewohnt, seit Dienstag ist die Erdgeschosswohnung im Frankfurter Westend ein Lager für Hilfsgüter, die so schnell wie möglich in die Ukraine gebracht werden sollen. Fünf Laster wurden schon beladen und sind an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren. Dort werden die Hilfsgüter von Verwandten und Freunden von Halina übernommen und weiter verteilt im Westen des angegriffenen Landes. Krankenhäuser, Altenheime, Kindertagesstätten und Suppenküchen werden mit den Lieferungen versorgt.

          „Die Ukrainer halten gerade den Kopf für unsere Freiheit hin“

          Alles soll jetzt möglichst schnell gehen, denn Halina und ihre Helfer haben Angst, dass die Transporte, wenn der Krieg sich immer weiter ausbreitet, von einem Moment auf den nächsten nicht mehr möglich sein könnten. Deshalb wollen sie keine Zeit verlieren, deshalb arbeiten sie fast ohne Pause. Dass ihr Nachname nicht in der Zeitung genannt wird, ist Halina und ihrem Ehemann Wojciech wichtig. Wer sich so wie sie für die Ukraine engagiere, mache sich in diesen Tagen schnell Feinde, sagen sie.

          Den Kontakt zwischen dem ukrainisch-polnischen Paar und Jan Klasen, der seine Wohnung geräumt hat, damit dort ein Lager für Hilfsgüter entstehen konnte, hat eine Frau aus dem Lions Club vermittelt. Der 55 Jahre alte Klasen hat früher bei der Johanniter-Unfall-Hilfe mitgearbeitet, kennt sich im Kata­strophenschutz aus. Auch für ihn stand, als der Krieg ausbrach, außer Frage, dass er sich für die Notleidenden in der Ukraine einsetzen will. Erst hatte er überlegt, seine Kontakte zu den Johannitern zu reaktivieren, dann kam er mit Halina und ihrem Mann zusammen.

          „Die Ukrainer halten gerade den Kopf für unsere Freiheit hin“, sagt Klasen. „Sie sind es, die dem Verbrecher Putin die Stirn bieten.“ Bis zum Sonntag, als Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag eine Kehrtwende in der Außenpolitik und enorme Investitionen in die Ausrüstung der Bundeswehr ankündigte, habe er sich für die deutsche Politik in der Ukraine-Krise geschämt. „Wolodymyr Selenskyj hat jahrelang davor gewarnt, dass solch eine Situation kommen wird“, sagt Klasen. Und dass es scheinheilig sei, nun darüber überrascht zu sein. „Wir können helfen und wir müssen helfen“, meint Klasen.

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