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Fehlverhalten der Polizei : Plötzlich als Verdächtiger im System

Vom Rechtsstaat überzeugt: Navid Wali wirft der Polizei keinen generellen Rassismus vor. Bild: Frank Röth

Für einen deutschen Extremismus-Experten afghanischer Herkunft wurde eine Verkehrsordnungswidrigkeit in Frankfurt zum Albtraum. Mit einem Anwalt klagt er das Vorgehen der Polizei an.

          6 Min.

          Es beginnt mit einem Besuch Navid Walis im Sportstudio an einem Sonntag im Juli vergangenen Jahres, einer Ordnungswidrigkeit auf der Fahrt nach Hause am späten Abend und einer Polizeikontrolle. Seit Februar dieses Jahres steht fest, dass die erkennungsdienstliche Behandlung im Zusammenhang mit der Kontrolle des bis dahin völlig unbescholtenen Mannes inklusive Fingerabdrucksicherung, Fotos und des Speicherns als mutmaßlicher Konsument von Drogen unverhältnismäßig und rechtswidrig war.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Mit Hilfe eines Göttinger Anwalts hatte sich Wali gegen das Vorgehen der Polizei in der Nacht zum 6. Juli vergangenen Jahres mit einer Klage beim Verwaltungsgericht Frankfurt gewehrt. Auch deshalb, weil die sofortige Speicherung im Meldesystem unter anderem dazu geführt hat, dass der 30 Jahre alte Deutsche afghanischer Herkunft seinen Beruf teilweise nicht mehr ausüben konnte: Wali arbeitet als pädagogische Kraft für eine Organisation, die sich auf die Gewaltprävention und die Deradikalisierung von Extremisten in Justizvollzugsanstalten im Auftrag des Staates spezialisiert hat. Parallel studiert er Sozialarbeit. Doch in die JVA ließ man Wali plötzlich nicht mehr hinein – er war inzwischen in der polizeilichen Datenbank als Person gespeichert, die im Verdacht steht, eine Straftat begangen zu haben.

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