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Sorge um alte Bäume : Widerstand gegen U-Bahn-Tunnel unter Park

  • Aktualisiert am

Sollen nicht leiden: Bäume im Frankfurter Grüneburgpark Bild: Wolfgang Eilmes

Die Gegner eines Tunnels unter dem Frankfurter Grüneburgpark für die U-Bahn-Linie 4 formieren sich. Sie befürchten, dass dem Park das Wasser abgegraben wird.

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          Eine Trasse unter dem Grüneburgpark gelte es „unter allen Umständen“ zu verhindern. So heißt es in einer Erklärung der Aktionsgemeinschaft Westend und der Bürgerinitiative Grüneburgpark. Ein solches Vorhaben sei nicht umweltverträglich und auch nicht verkehrspolitisch erforderlich.

          Die Aktivisten sehen durch eine U-Bahn-Trasse unter dem Park und dem Palmengarten Gefahren für die Grundwasserströme und die zum Teil jahrhundertealten Bäume. „Keine Untertunnelung des Grüneburgparks“ lautet denn auch die Parole der beiden Initiativen, die für den 5. Februar um 15 Uhr zu einer Wanderung durch den Grüneburgpark entlang der eventuellen Trasse einladen.

          Im Dezember hatte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) elf Varianten einer Trasse von Ginnheim nach Bockenheim vorgelegt. Außer der wegen der hohen Kosten ausgeschiedenen ursprünglichen D-Linie mit einer unterirdischen Station an der Ginnheimer Landstraße und der Franz-Rücker-Allee liegen zehn weitere Varianten vor.

          Zwischen 190 und 210 Millionen Euro

          Drei führen über den Europaturm direkt zur Bockenheimer Warte, sieben zum Campus Westend mit einem Tunnel unter dem Grüneburgpark. Der Verkehrsdezernent hat vier Routen in die engere Wahl gefasst und lässt sie jetzt von der Straßenverwaltung Hessen Mobil einer Nutzen-Kosten-Untersuchung unterziehen. Oesterling selbst hatte schon im Dezember keinen Hehl daraus gemacht, dass er eine Strecke mit einer Haltestelle am oder auf dem Campus Westend bevorzugen würde. Die Universität selbst besteht auf eine Anbindung an die Linie U 4 und verweist auf die steigende Zahl von Studenten und Universitätsbeschäftigten, die jeden Tag den Campus aufsuchten.

          Die Gegner einer Untertunnelung des Grüneburgparks argumentieren, dass eine Trasse über den Campus erheblich teurer ausfallen würde als die anderen Varianten. Tatsächlich liegen die Kostenschätzungen für die drei Routen ohne Campusanbindung zwischen 190 und 210 Millionen Euro, während die Universitätsvarianten mit Tunnel unter dem Park zwischen 250 und 270 Millionen Euro kosten würden. Die Variante mit einer Haltestelle am Adornoplatz mitten auf dem Campus liegt sogar bei 320 Millionen.

          Hier werde ein „Prestigeprojekt“ durchgeboxt, warnen die Tunnelgegner. Weder die Zahl der Studenten noch der von der Universität prognostizierte Zuwachs an Lernenden, Lehrenden und sonstigen Beschäftigten erforderten eine U-Bahn auf dem Campus Westend. Die schon jetzt vorhandene Anbindung an die A-Linie der U-Bahn reiche aus. Die Bürgerinitiativen verweisen darauf, dass die U-Bahn-Station Holzhausenstraße, wo die Studenten aussteigen und dann zu Fuß knapp zehn Minuten zum Campus laufen, gut bedient werde, denn hier hielten Bahnen im Drei-Minuten-Takt. Zudem gebe es drei Busverbindungen zum Campus.

          Zusätzliche Fluchtwege

          Dem Argument der Befürworter einer Anbindung der Universität an die Linie U 4, nämlich dass die Station Holzhausenstraße zu Stoßzeiten überfüllt sei, halten sie entgegen, man könne das Problem dadurch lösen, dass man die Ausgänge verbreitere und zusätzliche Fluchtwege schaffe. Auch der Bau eines Fußgängertunnels zur Universität sei in Erwägung zu ziehen, um längere Wartezeiten an den Ampeln und die damit verbundenen Gefahren zu vermeiden.

          Die U-Bahn-Planer und auch Verkehrsdezernent Oesterling verschließen sich keineswegs den Warnungen der Gegner, die alten Bäume im Grüneburgpark würden durch den Tunnel gefährdet. Ihr Konzept sieht vor, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und das Umweltdezernat prüfen, welche Auswirkungen die Tunnellösung auf das Grundwasser und den unter Denkmalschutz stehenden Grüneburgpark haben wird.

          Der Beteuerung des verkehrspolitischen Sprechers der SPD, Eugen Emmerling, dass die Grünanlagen weitgehend geschont würden, trauen die Tunnelgegner indes nicht. Auch das Versprechen des Verkehrsausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Siefert (Die Grünen), die Bäume würden so weit wie möglich geschont, halten sie für ein Lippenbekenntnis. Hier werde sehenden Auges in Kauf genommen, dass wertvollen, zum Teil jahrhundertealten Gewächsen einfach das Wasser abgegraben werde, hieß es.

          Der Tunnel unter dem Grüneburgpark würde allerdings nicht in offener Bauweise errichtet, vielmehr würde die VGF als Bauherrin eine Tunnelbohrmaschine einsetzen, wie sie derzeit auch für den Bau des Stadtbahntunnels ins Europaviertel verwendet wird. Bei dieser Technik gibt es nach Angaben des VGF-Chefs Michael Rüffer kaum Probleme mit dem Grundwasserspiegel.

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