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Wetter : Das ist der Klimawandel

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Das Jahr 2003 hat alles in den Schatten gestellt. Und obwohl der damalige Jahrhundertsommer nun schon einige Zeit her ist, beeinflußt er noch immer unsere Wahrnehmung. 2004 hatte unter diesem Phänomen ...

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          Das Jahr 2003 hat alles in den Schatten gestellt. Und obwohl der damalige Jahrhundertsommer nun schon einige Zeit her ist, beeinflußt er noch immer unsere Wahrnehmung. 2004 hatte unter diesem Phänomen besonders zu leiden: Ganz egal, was das Jahr aus meteorologischer Sicht auch zu bieten hatte, alles verblaßte gegen die Erinnerung an das Vorjahr. Im vergangenen Jahr nun ist das nicht mehr ganz so gewesen, verwöhnt von den 2003er Rekorden, haben die Frankfurter dem Sommer 2005 dennoch nicht selten unrecht getan. Immer wieder ist er als "schlimm", "verregnet" oder gar "katastrophal" bezeichnet worden, dabei war er nicht nur normal, sondern sogar zu warm, zu trocken und zu sonnig.

          Und das gilt im übrigen auch für das gesamte Jahr. Bevor wir das vertiefen, sei aber noch einmal darauf hingewiesen, daß wir mit dem Jahr 2005 gewissermaßen von vorne beginnen mußten: Statt wie zuvor die Daten von der Meßstation am Palmengarten interpretiert unser Wetterfachmann Reik Schaab seit Anfang 2005 die Meßwerte vom Frankfurter Flughafen. Das hat zur Folge, daß er sich nun auf eine Datenreihe stützt, die "nur" bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht, bei den Temperaturen bis 1936, beim Niederschlag bis 1949 und bei der Sonnenscheindauer bis 1951. Bei den Palmengartenwerten konnte er bis ins Jahr 1857 zurückblättern, aber diese Daten waren leider zuletzt nicht mehr ganz repräsentativ.

          Blickt man auf die Durchschnittstemperatur des Jahres 2005, so weiß aber auch der Wert vom Flughafen zu beeindrucken: Mit 11,0 Grad war das vergangene Jahr nämlich immerhin das siebtwärmste seit 69 Jahren. Außerdem hatte 2005 den wärmsten Herbst seit 1936 zu bieten. Mit 20 statt neun sogenannten heißen Tagen (also jenen, an denen die Temperatur mindestens einmal 30 Grad erreicht hat) und 61 statt 42 Sommertagen (also jenen, an denen das Quecksilber die 25-Grad-Marke erreicht oder überschritten hat) errang das vergangene Jahr sogar die Plätze fünf und sechs - allerdings seit 1949.

          2005 ist damit auch ein weiterer Beweis für die immer wieder beschworene Klimaerwärmung. Daß es die wirklich gibt, das bestreitet inzwischen niemand mehr, nur die Frage nach den Ursachen entzweit die Experten. Die ist anhand der Statistik vom Flughafen auch nicht zu klären, zu sehen ist auf der Grafik aber sehr gut, daß die tatsächlichen Monatstemperaturen 2005 bis auf zwei Ausnahmen deutlich über den langjährigen Mittelwerten lagen. Das ist für sich genommen nicht außergewöhnlich, es ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren jedoch zum Normalfall geworden - schon seit längerem ist fast jeder Monat 1,5 bis 2,5 Grad wärmer, als er eigentlich sein sollte.

          Wirklich nicht so besonders aufregend sind dagegen die Niederschlagswerte des vergangenen Jahres: "Im Prinzip war es so trocken wie 2004", sagt Meteorologe Schaab. Damals waren es 523,8 Millimeter, diesmal 524 Millimeter gegenüber einem langjährigen Durchschnittswert von 657,8 Millimetern. Immerhin reicht das für Platz 13 auf der Liste der trockensten Jahre seit 1949. Interessanter aber ist ein Blick auf den Schnee: 32 Tage mit "festem Niederschlag" hat man am Flughafen gemessen. Das ist seit 1949 nur einmal überboten worden, nämlich 1985.

          Von der Sonne schließlich möchte unser Wetterfachmann am liebsten gar nicht reden. Dabei kommt 2005 mit 1770,2 Stunden Sonnenschein (111,6 Prozent des Normalwerts von 1586 Stunden) immerhin auf Platz zehn der seit 1951 geführten Rangliste. Außerdem bescherte uns das vergangene Jahr den zweitsonnigsten Herbst seit 1951: 416,2 Stunden Sonne, das wurde nur 1959 mit 495,2 Stunden überboten. Vom Rekordjahr 2003 ist das alles jedoch gewissermaßen Lichtjahre entfernt: Damals schien die Sonne in zwölf Monaten 2136,8 Stunden.

          PETER BADENHOP

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