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Fehlende Expertise : Frankfurts Mühen mit dem Fernbusbahnhof

Der aktuelle Haltepunkt für Fernbusse am Frankfurter Hauptbahnhof. Hier herrschen chaotische Zustände. Bild: dpa

Bislang fehlte der Stadt ein Fernbusbahnhof. Nun, kurz vor dessen Fertigstellung bleibt eine wichtige Frage offen im Raum stehen: Wer soll ihn betreiben?

          Bei der Organisation des Fernbusverkehrs hat sich die Stadt Frankfurt bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Seit nunmehr sechs Jahren ist dieser Markt liberalisiert, was die Zahl der Omnibusse, die den Frankfurter Hauptbahnhof ansteuern, in die Höhe schnellen ließ. Dass dort bis zur Stunde chaotische Zustände herrschen, ist ein Skandal, dass in diesem Gewusel niemand groß zu Schaden gekommen ist, das reine Glück.

          Jetzt endlich, viel zu spät, geht der Bau eines Omnibusbahnhofs seiner Vollendung entgegen. Dass schon jetzt die Frage im Raum steht, ob die Zahl der Parkplätze dort ausreicht, ist das eine. Vollends ärgerlich ist aber, dass im Rathaus ernsthaft daran gedacht ist, das Unternehmen Flixbus zum Betreiber zu machen.

          Warum? Weil es auch noch andere Omnibusunternehmen gibt, die diesen Halteplatz nutzen werden, und weil allen Beschwörungen zum Trotz, natürlich würden Konkurrenten niemals benachteiligt, stets die Gefahr besteht, dass genau dies im Alltag doch geschieht. Bis heute klagen zum Beispiel Konkurrenten der Deutschen Bahn, dass sie auf dem Netz des Staatskonzerns benachteiligt würden. Auch das Argument, dass Flixbus derzeit einen überragenden Marktanteil habe, zieht nicht. Es ist ja eben das Schöne an einer freien Wirtschaftsordnung, dass alles in Bewegung ist. Wird Flixbus einem tatkräftigen Angreifer bereitwillig den halben Busbahnhof überlassen?

          Ausreden der Stadt

          Das Argument aus dem Dezernat von Stadtrat Jan Schneider (CDU), der Verwaltung fehle die Expertise für das Betreiben eines Busbahnhofs, muss man als lachhaft zurückweisen. In dem gewaltigen Konzern Stadt, der an einem Weltflughafen beteiligt ist und eine der größten Messegesellschaften managt, der einen mittelgroßen Energieversorger unterhält und eine riesige Wohnungsgesellschaft, soll es nicht möglich sein, einen Omnibusbahnhof mit ein paar Bahnsteigen, einem Wartesaal und einer Toilettenanlage zu unterhalten? Als sich Mainova und die Wohnungsgesellschaft ABG im Carsharing-Markt engagierten, waren sie nicht so zimperlich. Dabei haben sie dort aber nun wirklich nichts verloren.

          In Sachen Fernbusbahnhof spricht auch gar nichts dagegen, diese an sich öffentliche Aufgabe an ein Privatunternehmen zu vergeben. Nur eben nicht an einen Kunden dieser Anlage. Aber es fügt sich in das Bild einer Stadtverwaltung, die zwar redliche Autofahrer zunehmend schikaniert, sich aber schwertut, die Alternativen zu fördern. Fernbusse, das sei hier noch einmal gesagt, sind umweltfreundlich und verdienen Unterstützung. Jedoch nicht auf diese Weise.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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