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Weihnachtsmarkt : Zeil ohne Weihnachtsbuden

Weihnachtsmarkt auf dem Frankfurter Römer. Auf der Zeil soll er nicht mehr stattfinden Bild: Henning Bode

Laut Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) sollen die rund 80 Weihnachtsbuden, die sonst auf der Zeil stehen, an den Main verlegt werden. Aber das wollen die Schausteller nicht.

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          „Weihnachtsbuden wird es auf der Zeil nicht mehr geben. In diesem Jahr nicht und wohl auch in Zukunft nicht mehr.“ Das hat Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) vor einem Jahr verkündet und begründete diesen Willen mit der anstehenden Sanierung der Zeil. Dass sich an diesem Vorhaben nichts geändert hat, machte er abermals deutlich und reagierte auf Kritik des Schaustellerverbands Frankfurt/Rhein-Main. Der Dezernent zeigte sich „sehr verwundert“ darüber, dass der Verband seine Entscheidung offenbar nicht akzeptiert. Laut Sikorski sollen die rund 80 Buden, die sonst auf der Zeil stehen, an den Main verlegt werden. Aber das wollen die Schausteller nicht.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir gehören auf die Zeil“, sagte der Vorsitzende des Schaustellerverbands, Edmund Hausmann, der insbesondere beklagte, dass viele Schausteller das Geld, das sie in neue Buden oder Fahrgeschäfte investiert hätten, dann nicht mehr erwirtschaften könnten, „weil die Kundschaft fehlt“. Der Standort am Fluss sei allenfalls im Sommer attraktiv, sagte Hausmann. „Wenn es aber kalt ist und die Menschen nicht an den Main kommen, sind wir verloren.“

          Anliegerverein Zeil Aktiv wehrt sich

          Gerade am Main aber sieht Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH „ein großes Potential für einen Markt mit ganz eigenem Charme“ – und kann ebenso wie Sikorski die Aufregung der Schausteller nicht nachvollziehen, „da wir ja bemüht sind, für jeden eine Lösung zu finden“. Fedas Konzept sieht vor, die Stände rechts vom Eisernen Steg zu postieren, so dass die Buden an den „eigentlichen Markt“ auf dem Römerberg angebunden sind. Schon allein durch das illuminierte Ufer, sagt Feda, sei dieser Standort „etwas Besonderes“. Links vom Eisernen Steg wäre zudem Platz für die vielen Reisebusse der Touristen.

          Noch vehementer als die Schausteller wehrt sich der Anliegerverein Zeil Aktiv gegen die Pläne der Stadt. Es sei „völlig unverständlich“, dass die Buden dort nicht mehr aufgestellt und auch sonstige Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürften, sagt dessen Geschäftsführer Frank Schmauß. Der Weihnachtsmarkt und der Einzelhandel befruchteten sich gegenseitig, mehr als 80 Prozent der Geschäftsinhaber an der Zeil seien für den Erhalt des Markts auf der Zeil. Das City Forum, das mit 180 Mitgliedern die größere privatwirtschaftliche Initiative ist, stellt die Situation jedoch etwas anders dar: Ihrer Ansicht nach wird das Thema Weihnachtsmarkt von den Händlern „durchaus kontrovers diskutiert“, wie Geschäftsführer Heinz Schmitz sagt. Und auch Frank Albrecht, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbands, kann die Argumente von Schmauß nicht nachvollziehen. Seinen Erkenntnissen zufolge brauchen die Händler die Buden auf der Zeil nämlich nicht. Viele beschwerten sich sogar über das „Gedrängel, das erst wegen der vielen Buden entsteht“. Viel mehr Gewinn bringen wird den Geschäftsinhabern laut Albrecht ohnehin die Zeil selbst, wenn sie erst einmal hergerichtet sei. „Abgesehen davon haben wir einen attraktiven Weihnachtsmarkt – aber der findet nicht auf der Zeil, sondern auf dem Römerberg statt.“

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