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Weihnachtsmarkt II : Große Kinderaugen und rote Glühweinnasen

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Der Vierjährige will unbedingt ein Lebkuchenherz und einen Maiskolben und Wunderkerzen und Popkorn und, und, und. . . die kleine Schwester, die auf Vaters Schultern thront, deutet aufgeregt in alle Richtungen.

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          Der Vierjährige will unbedingt ein Lebkuchenherz und einen Maiskolben und Wunderkerzen und Popkorn und, und, und. . . die kleine Schwester, die auf Vaters Schultern thront, deutet aufgeregt in alle Richtungen. Mit quietschvergnügtem „da, da, da“ grapschen die Hände nach Lämpchen und Girlanden. Es ist Vormittag und noch ruhig in den Budengassen auf Paulsplatz und Römerberg. Die elfenbeinfarbenen Pferde des historischen Karussells ziehen ohne Reiter ihre Runden, „Süßer die Glocken nie klingen“ krächzt es blechern aus den Lautsprechern, die Kasse „klingt“ hier erst am Nachmittag richtig.

          Beim Schwenkgrill nebenan ist das anders. Eine asiatische Reisegruppe bestaunt das Angebot. Einer deutet beherzt auf die brutzelnden Würste und sagt etwas wie „Flankfulte“; verschmitzt grinsend antwortet der Verkäufer: „Ja, ja, Frankfurter!“ Dann überreicht er eine Rostbratwurst im Brötchen und kassiert die üblichen 2,50 Euro. Die Touristen sind sichtlich erfreut und tauchen den Stand in gleißendes Blitzlicht.

          Schokoküsse und ihre schaumgefüllten blassen Verwandten, die wohl nicht zufällig wie Schneefrauenbrüste aussehen, türmen sich gleich in mehreren Buden. Für drei Euro gibt es eine ganze Tüte der klebrigen Süßigkeiten. „Solches Kirmeszeug“, schimpft die ältere Frau, die mit den Freundinnen über den Weihnachtsmarkt bummelt. Die echten Lebkuchen, die Bethmännchen und der Stollen gefallen ihr besser, auch die Backförmchen und vor allem die geschnitzten Krippen, das wäre noch ein schönes Geschenk.

          „Frö-hö-liche Weihnacht überall“

          Klack, klack, klack rollen die Murmeln die Bahn hinunter - immer wieder probieren zwei Buben das kleine Wunderwerk aus Holzleisten und Würfeln aus. Immerhin ein kostenloses Vergnügen, solange man die Bahn nicht kaufen möchte. Unentgeltlich ist auch das Bestaunen der gewaltigen Dampflokomotive, die an den Wochenenden mit viel Rauch und lautem Pfeifen die Waggons über die Hafenbahn-Gleise zieht. Die Reise nach Griesheim und zurück indes hat mit 9,50 Euro für die ganze Familie ihren Preis, dafür aber dauert der Spaß auch eine ganze Stunde. Die Fahrt auf dem Kinderkarrussel ist schon nach ein paar Minuten vorbei. Da ist gut beraten, wer gleich sechs Chips für fünf Euro kauft - kein Kind will gleich wieder aus der Feuerwehr aussteigen.

          Dann ist es Nachmittag, der Himmel verdunkelt sich, und der Weihnachtsbaum vor dem Römer erstrahlt, weil man nun die traurig-dürren Zweige nicht mehr wahrnimmt. Auch die Krippe sieht abendlich illuminiert viel freundlicher aus. Die Menschen schieben sich nun langsam durch die Gassen. Ein punkiges Pärchen kuschelt in der Märchenkutsche auf dem großen Karussell. „Frö-hö-liche Weihnacht überall“, tönt es über den Platz. Eng drängt sich die Gruppe von Büroangestellten um den Glühweinstand einer Hilfsorganisation, rot glühen Nasen und Wangen. Sie wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr wiederkommen, der kleine Junge schon am Sonntag.

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