https://www.faz.net/-gzg-o8wo

Weihnachtsmarkt : Bethmännchen in Birmingham

  • Aktualisiert am

Sechs Millionen Besucher werden in diesem Jahr zum Frankfurter Weihnachtsmarkt erwartet. Allerdings nur die Hälfte wird die Buden zwischen Mainufer und Zeil besuchen. Die übrigen drei Millionen werden ...

          2 Min.

          Sechs Millionen Besucher werden in diesem Jahr zum Frankfurter Weihnachtsmarkt erwartet. Allerdings nur die Hälfte wird die Buden zwischen Mainufer und Zeil besuchen. Die übrigen drei Millionen werden Bethmännchen und Brenten in Birmingham, Edinburgh, Leeds oder Manchester kaufen: In diesen vier britischen Städten organisiert die Tourismus + Congress GmbH einen "Frankfurter Weihnachtsmarkt". Mit bis zu 65 Ständen sind die dortigen "Frankfurt Christmas Markets" kleine Kopien des Originals am Römerberg.

          Die Budenbetreiber stammen aus Deutschland und bringen alles vom Festland mit. Selbst die Beschilderung ist zweisprachig - in Englisch und in Deutsch. Der Markt solle authentisch sein, das sei ein ausdrücklicher Wunsch der Briten, sagt Kurt Stroscher, Abteilungsleiter der Tourismus + Congress GmbH. Viele Engländer und Schotten bemühten sich, den Glühwein auf deutsch zu bestellen, berichtet Marlis Löwenthal. Die 48 Jahre alte Bremerin gehörte mit ihrem Glühweinstand zu den Pionieren der Frankfurter Weihnachtsmärkte in Großbritannien. Gemeinsam mit 19 anderen Ausstellern bildete sie im Jahr 1997 in Birmingham den ersten "Frankfurt Christmas Market".

          Um ihre Bude herum mußte Löwenthal damals einen zwei Meter hohen Zaun aufstellen lassen, und den schmalen Eingang bewachten zwei Männer eines Sicherheitsdienstes: Die englischen Behörden hatten den Ausschank von Alkohol an Personen unter 21 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt untersagt und bezweifelten, daß sich Löwenthal an das Verbot halten würde. "Da verstehen die Engländer keinen Spaß." Immerhin: Ein Jahr später ging der Zaun den Besuchern des Weihnachtsmarktes schon nur noch bis zum Bauch. Heute kontrolliert nicht einmal mehr ein Sicherheitsdienst, an wen die Bremerin ihre Getränke verkauft. "Man vertraut uns und weiß, daß wir mit dem Ausschank verantwortungsvoll umgehen", sagt Löwenthal.

          Wie viele Aussteller ging die 48 Jahre alte Frau nach Großbritannien, weil sie in Frankfurt keinen Platz bekam. Zwar darf Löwenthal mittlerweile eine Bude auf der Zeil aufbauen, außerdem steht einer ihrer Stände in Berlin. Dennoch läßt sie in diesen Tagen mehrere tausend Liter Glühwein nach Birmingham, Edinburgh und Leeds bringen. "So langsam ist es auch da drüben eine lukrative Veranstaltung", sagt die Geschäftsfrau. Teuer seien Transport, Unterkunft und Verpflegung. Löwenthal vermeidet zusätzliche Ausgaben, indem sie großzügig plant, damit ihr die Vorräte in Großbritannien nicht vor Weihnachten ausgehen. "Eine Nachbestellung können Sie nicht bezahlen." Also schickt Löwenthal insgesamt neun Schiffscontainer nach Großbritannien. Auf allen stehe "German Christmas Market".

          Der deutsche Weihnachtsmarkt aus Frankfurt ist in Großbritannien ein gefragter Gast. Viele Städte sprächen ihn mittlerweile an, sagt Stroscher, nicht alle eigneten sich allerdings als Standort. Er achte darauf, daß es ausreichend potentielle Besucher für einen Weihnachtsmarkt gebe. Außerdem müsse ein geeigneter Platz vorhanden sein, auf dem die Aussteller ihre Waren anbieten könnten. Daran sei in diesem Jahr ein Weihnachtsmarkt in Dublin gescheitert. In der irischen Hauptstadt waren Bauarbeiten am geeigneten Standort noch nicht abgeschlossen. Daher werde es dort erst 2004 einen Frankfurter Weihnachtsmarkt geben, außerdem noch einen in Nottingham, sagt Stroscher. Im Norden Großbritanniens hingegen wird Edinburgh einziger Standort bleiben: Die Stadt bestehe darauf, den Frankfurter Weihnachtsmarkt in Schottland exklusiv zu haben, sagt Stroscher.

          Seinen Einsatz sieht der Abteilungsleiter der Tourismus + Congress GmbH als gute und kostenlose Werbung für Frankfurt. "Wir haben einen hohen Nutzen ohne Aufwand." Seine Abteilung organisiere für die Städte die Weihnachtsmärkte, indem er und seine Mitarbeiter die Plätze an die Budenbetreiber vermieteten und als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung stünden. Die Ausgaben würden über die Standgebühren der Aussteller finanziert, das Engagement in Großbritannien sei kostendeckend. Irgendwann schlage sich das Engagement in Großbritannien in Reisen nach Frankfurt und Übernachtungen nieder, hofft er. "Das ist dann unser wirtschaftlicher Vorteil", sagt Günter Hampel, Geschäftsführer der Tourismus + Congress GmbH. (mawe.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ob er gerade spielt? Ramelow im Juli 2020 im Thüringer Landtag

          PR-Profis auf Clubhouse : Besser als „Bodo“

          Clubhouse gilt als Trend-App und hat in Deutschland nun das erste PR-Desaster verursacht. Wie verhält man sich richtig in den virtuellen Quasselrunden? Wie aktiv sind die PR-Agenturen schon? Und lohnt es sich, dabei zu sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.