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Frankfurt : Eisvergnügen am Ostparkweiher

Eisvergnügen: Der Weiher im Ostpark bietet sich derzeit genauso zum Eishockeyspielen an wie zum eleganten Schlittschuhlaufen. Bild: Maximilian von Lachner

Der Frost macht es möglich: Viele Weiher sind vereist. Das lädt zum Schlittschuhlaufen ein – ein Vergnügen, das es in Frankfurt zuletzt vor fünf Jahren gab.

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          Jetzt trägt das Eis. Zumindest das auf dem Weiher im Ostpark. Die Schlittschuhläufer haben am Wochenende nicht lange bitten lassen. In Scharen sind sie auf die Eisfläche gegangen, um dort Schlittschuh zu laufen, Eishockey zu spielen oder einfach über die Fläche zu spazieren, die ansonsten Heimstatt der insbesondere im Ostpark so unbeliebten Nilgänse ist. Dass es eine Freude sein kann, auf einem zugefrorenen Weiher unterwegs zu sein, noch dazu auf einem, dessen Oberfläche so groß ist wie der gesamte Hafenpark, versteht sich von selbst. Zuletzt hatten die Frankfurter dieses Vergnügen im Februar vor fünf Jahren, nachdem zwei Wochen lang klirrende Kälte geherrscht hatte.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Noch Mitte der vergangenen Woche war das Eis auf den Weihern so dünn gewesen, dass es höchstens dafür reichte, dass die Tauben und Gänse erste Rutschpartien machen konnten. Das galt für die Weiher im Ostpark, am Rechneigraben in den Wallanlagen oder im Von-Bernus-Park in Bockenheim.

          Grünflächenamt mit einem leichten Magengrummeln

          Am Altarm der Nidda in der Nähe des Sossenheimer Wehrs kämpften zu diesem Zeitpunkt die Nutrias noch mit den physikalischen Gegebenheiten: Es gab zwar schon eine geschlossene Eisdecke, doch sie trug noch nicht das Gewicht der nicht eben leichten und von den Frankfurter sehr verwöhnten Biberratten.

          Mittlerweile treiben auf dem Main Eisschollen. Bei Griesheim am Rheinzufluss fast sieht es so aus, als könnte sich auch dort in den kommenden Tagen eine geschlossene Eisdecke bilden. Das für den Main zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg bestätigt das nicht. Der dem Amt vorliegende Eisbericht gibt an, im Frankfurter Raum seien 30 Prozent des Mains zugefroren und das Eis zehn Zentimeter dick. Selbst wenn es weiterhin kalt bleibt und nachts die Temperaturen auf minus fünf bis minus zehn Grad fallen, gibt es wenig Hoffnung, dass sich in Frankfurt so etwas entwickelt wie das Alstereisvergnügen im Hamburg. Dort nimmt die Stadt die zugefrorene Außenalster regelmäßig zum Anlass, dort ein Volksfest zu feiern.

          Auch in Hamburg ist das letzte Eisvergnügen fünf Jahre her. Damals zählte die Hansestadt mehr als eine Million Eisspaziergänger an einem Wochenende. „Frankfurt ist nicht Hamburg“, sagt Heike Appel, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamts. Anders als in der Hansestadt ist in Frankfurt das Betreten der Eisflächen verboten. Allerdings kontrolliert das Ordnungsamt das Vergehen nicht und verhängt keine Bußgelder. Die Stadt duldet das Wintervergnügen, das Grünflächenamt allerdings mit einem leichten Magengrummeln. Appel kennt aus eigener Erfahrung Berichte von ins Eis eingebrochenen Kindern, Unfälle, die tödlich ausgegangen sind. Man kann selbst bei geringster Tiefe schnell ertrinken, heißt es.

          Fische werden während ihrer Winterruhe aufgeschreckt

          Nicht nur deshalb, sondern auch, weil in Frankfurt nicht gemessen wird, wie dick das Eis ist, gibt es keine offizielle Freigabe der Eisflächen. Die gibt es zwar auch in Hamburg nicht, die Eisspaziergänge seien immer auf eigene Gefahr, heißt es. Doch dort misst die Behörde für Umwelt und Energie die Stärke des Eises und stellt die Ergebnisse dieses Eiszustandsberichts ins Internet. Allerdings mit dem Hinweis, dass die Tragfähigkeit des Eises örtlich unterschiedlich ist und dies durch die Eismessungen „nicht vollständig abgebildet werden kann“.

          Absoluter Gegner des Schlittschuhlaufens auf Weihern, also auf Gewässern, die eine geringere Tiefe als vier Meter haben, ist der Verband Hessischer Fischer. Beim Eislaufen entstünde typischerweise ein starkes Schab- und Klopfgeräusch, das von der Eisdecke verstärkt in das Wasser weitergeleitet werde. Dadurch würden die Fische, die sich am Grund des Weihers in Winterruhe befänden, aufgeschreckt, sie verbrauchten ihre Energiereserven und ihr eigentlich auf Sparflamme laufender Stoffwechsel würde aktiviert. Durch die Eisdecke gebe es in den Gewässern ohnehin eine „kritische Sauerstoffsituation“. Die meisten Fische in diesen Eislaufgewässern gingen ein. Für die Fischer ist es unverständlich, dass die Städte dem Treiben auf dem Eis dennoch einfach zusehen.

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