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Bouffier in Corona-Krise : Ohne Sunnyboy

Den Mittelweg einschlagen: Hessens Ministerpräsident zeigt in der Krise Besonnenheit. Bild: Thomas Lohnes/Hessische Staatska

Das Ringen der Länder um die Corona-Lockerungen nimmt Volker Bouffier gelassen hin. Hessens Ministerpräsident liegt das Gockelgehabe mancher Amtskollegen fern.

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          Die Hessen können froh sein, dass sie in dieser Zeit von einem Ministerpräsidenten regiert werden, der nichts mehr werden, der sich nicht mehr profilieren will. Volker Bouffier (CDU) fiele nicht im Traum ein, in den seltsamen Wettbewerb anderer Länderchefs einzusteigen, wer in der Corona-Pandemie je nach den Wechsellagen der Statistik den härtesten Hund oder den coolsten Sunnyboy abgibt.

          Niemand vermag zur Stunde zu sagen, ob die nächsten Schritte zu weit gehen oder viel zu vorsichtig sind. Aber beim hessischen Ministerpräsidenten überwiegt der Eindruck, es werde jedenfalls ernsthaft versucht, weder in die eine noch die andere Richtung zu überziehen.

          Weiter auf die Folter gespannt

          In der Gastronomie wird man aufatmen, dass diese Branche nun endlich eine Perspektive hat, auch wenn Ende Mai noch weit ist für jemanden, der ohne Umsatz leben muss, und wenn es gut möglich ist, dass einige Ernüchterung heute folgt, wenn die detaillierten Regelungen für die Wiedereröffnungen bekannt werden. Dem Handel ist der innige Wunsch nach einem Fall der 800-Quadratmeter-Grenze erfüllt worden, ohne dass jemand weiß, ob mit den weit geöffneten Ladentüren auch die Kauflust der Kundschaft zurückkommt.

          Weiter auf die Folter gespannt werden die Eltern kleiner Kinder. Die schon am Dienstag bekanntgegebene Öffnung der Kitas vom 2. Juni an in der noch nicht näher beschriebenen Form eines „eingeschränkten Betriebs“ verlangt Müttern und Vätern noch einmal dreieinhalb harte Wochen ab, und auch für die Zeit danach ist nicht klar, wie groß die Entlastung sein wird. Wenn es hier doch noch gelänge, rascher zu praktikablen Lösungen zu kommen, wäre die Freude in manchem Heim riesengroß.

          Die Umstellung auf ein wiederum neues Kriterium, anhand dessen bemessen werden soll, ob die Seuche zu stark um sich greift oder nicht, zeigt sinnfällig, wie schwer auch langjährigen Politikern die Beurteilung der Situation nach wie vor fällt. Das Nachjustieren ist keine Schwäche, sondern zeugt von Lernfähigkeit in einer dynamischen, völlig unbekannten Situation. Es kann immer noch alles schiefgehen in dieser Pandemie. Es kann aber auch sein, dass diese Krise zu einer Sternstunde unserer Demokratie wird, weil sie ihren größten Vorteil, eben diese Lern- und Anpassungsfähigkeit, in besonderer Weise ausspielen konnte. Für Ministerpräsidenten, denen das Gockelgehabe mancher Amtskollegen fern ist, sollte in einem späteren Buch darüber dann aber ein eigenes Kapitel reserviert werden.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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