https://www.faz.net/-gzg-a4jt2

Ausgefallener Dank in Frankfurt : Warum Steinmeier den Corona-Helfern noch danken sollte

Besucher: Bundespräsident Steinmeier sollte den ausgefallenen Dank an die Corona-Helfer in Frankfurt noch nachholen Bild: dpa

Für die Schlagzeilen sorgen im Corona-Kontext zu oft die Falschen. Deshalb ist es wichtig, dass die Richtigen die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. So sollte der Bundespräsident doch noch nach Frankfurt kommen.

          2 Min.

          Entfällt: „Gespräch mit Menschen aus der Region, die sich in der Corona-Pandemie besonders engagieren“. So steht es im Terminkalender des Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier musste sich wegen Corona in Quarantäne begeben; einer seiner Personenschützer ist mit dem Virus infiziert. Auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wollte Steinmeier auf seiner Reise nach Frankfurt verleihen, doch der Preisträger, der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen findet auch so die Aufmerksamkeit, die er verdient. Was aber ist mit denjenigen, die sich im Kampf gegen die Pandemie so sehr engagieren? Auch sie sollen und dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

          Denn für die Schlagzeilen sorgen im Corona-Kontext zu oft die Falschen. Diejenigen, die die Zahlen, nach denen sich das Krisenmanagement richtet, für Hokuspokus halten. Diejenigen, die keine Dankbarkeit dafür verspüren können, dass Deutschland wirtschaftlich bisher so glimpflich durch die Krise kommt. Diejenigen, die Korrelationen und Kausalitäten nicht unterscheiden können, die glauben, alles sei ohnehin eine große Verschwörung, am Ende gar gegen die Freiheit.

          In Dankbarkeit förmlich hineinwachsen

          Deshalb ist es wichtig, dass die Richtigen die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen, ist es schade, dass für sie der Termin mit dem Bundespräsidenten ausfällt. Denn es geht darum, ihnen Aufmerksamkeit im Wortsinn zu schenken. Vielleicht müssten mehr Menschen lernen, in Dankbarkeit förmlich hineinzuwachsen und auf diesem Weg achtsamer zu werden: für diejenigen, die in den Krankenhäusern alles tun, um zu helfen. 25 Tage verbringen Corona-Patienten, die beatmet werden müssen, durchschnittlich im Krankenhaus. Das ist fast ein Monat – bei welchen Infektionskrankheiten kommt man auf eine so lange Zeitspanne?

          Da kommt es dann wirklich darauf an, in guten Händen zu sein. Vielen Dank also dafür, und auch an diejenigen, die bisher die entsprechenden Bettenkapazitäten „nur“ bereithalten, dafür im Krankenhaus sehr viel anders organisieren mussten, auf Einnahmen verzichten, die sonst im üblichen Krankenhausbetrieb zu erzielen gewesen wären.

          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Dankbar sollte man aber nicht nur jenen sein, die sich um die kümmern, die infiziert sind. Auch die Krisenstäbe in den Unternehmen, die sich achtsam um ihre Mitarbeiter im Büro und im Homeoffice kümmern, haben Lob verdient. Sie sorgen seit dem Frühjahr dafür, dass nur sehr selten davon die Rede war, dass ein Unternehmen zu einem Hotspot für Covid-19 geworden ist. Der Fleischverarbeiter Tönnies ist die große Ausnahme geblieben; dass das so ist, haben Menschen zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit organisiert, die dafür ganz gewiss zu wenig Anerkennung bekommen.

          Natürlich ist da auch die Polizei, die mit so vielen Anfeindungen auf der Straße leben muss, wenn es gilt, Abstands- und Hygieneregeln durchzusetzen, aber auch der Straßenbahn-, Bus- oder S-Bahnfahrer, der täglich Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen im Wortsinn zum Ziel bringt, trotz Corona. Und ja, auf Lehrer wird auch immer gern geschimpft, aber auch die bemühen sich von diesem Montag an mit dem Ende der Herbstferien mit wieder neuen Regeln aus der Situation das Beste zu machen: Alle 20 Minuten soll frische Luft ins Klassenzimmer; hoffentlich bleiben die Kinder in ihren dicken Jacken gelassen. Denn noch mehr Lernstoff darf in den Köpfen nicht verlorengehen als ohnehin schon in diesem traurigen Jahr.

          Frischluft im Kopf: Vielen täte das in diesen Corona-Zeiten auch im übertragenen Sinne gut. Diejenigen aber, die lüften, Hände halten, Züge steuern und für Ordnung sorgen, verdienen die größere Aufmerksamkeit. Der Bundespräsident sollte seinen Termin mit den Helfern in Frankfurt zur nächsten Gelegenheit nachholen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Höchste Anspannung: Polizisten rennen am 21. November in Leipzig, um die Situation zu sichern, als sich Gegner der Corona-Politik und Gegendemonstranten in der Innenstadt gegenüberstehen.

          Polizei und Rassismus : Unter Verdacht

          Die Polizei steht unter Druck. Sie sei rassistisch, heißt es immer wieder. Ein Forscher, der mit Polizisten unterwegs war, sagt: So einfach ist es nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.