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Neuer Frankfurter Weg : Schweizer Vorbild in der Drogenpolitik

  • -Aktualisiert am

Der Schweizer Weg: Im intravenösen Konsumraum der "Kaserne" der Stadt Zürich hält eine Frau eine Spritze in der Hand. Bild: Lucas Bäuml

Der Frankfurter Weg scheint nicht zu funktionieren, der Konsum auf den Straßen ist weiterhin ein großes Problem. Ein Blick in die Schweiz zeigt mögliche Lösungen.

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          Frankfurt schaut nach Zürich, zumindest diejenigen, die sich in der Stadtpolitik mit der Drogenszene befassen – sei es als Gesundheitsdezernent oder als Verantwortlicher für Ordnung und Sauberkeit. Die Mitglieder der CDU-Fraktion sind begeistert von den Erfolgen des Zürcher Wegs: saubere Straßen, eingehegte Drogenszene, kaum Obdachlosigkeit. Es wirkt, als habe die Stadt die Szene im Griff. Hat sie auch.

          Doch der Zürcher Weg ist nicht nur wirkungsvolle Repression. Die Erkenntnis ist: Es muss Auffangstellen und Angebote geben, in die hineingedrängt wird. Dazu gehören die Wohnprogramme, durch die sich Schwerstabhängige stabilisieren, die hohe Aufenthaltsqualität in den Konsumeinrichtungen, das Vertrauen, das die Drogenhilfe aufgebaut hat, sowie gut ausgebildete und sehr gut bezahlte Sozialarbeiter in Uniform, die Konflikte im öffentlichen Raum moderieren. Sie arbeiten neutral, nicht als Anwälte der Szene. Das heißt: Wer offen konsumiert, wird angesprochen, weggeschickt, ja, damit auch verdrängt. Aber wer sich nur aufhält, gehört zur Stadtgesellschaft. Die Sozialarbeiter werden von Süchtigen angesprochen, wenn diese ein Problem haben oder unangemessen behandelt werden.

          Rosinenpicken funktioniert nicht

          Zürich lässt es sich etwas kosten, den öffentlichen Raum für alle nutzbar zu halten, und die Drogenkonsumenten nicht sich selbst zu überlassen. Allein die Sozialarbeiter-Patrouille kostet vier Millionen Franken im Jahr. Es ist der Schweizer Stadt gelungen, die Szene einzuhegen, weil es „drinnen“ attraktiver als draußen ist. Drinnen gibt es weniger Repression, auf der Straße ist es ungemütlich. Das bedeutet auch, dass es ein reichhaltiges Drogenangebot in den städtischen Einrichtungen gibt. Doch die Züricher sind pragmatisch: Sie können den Konsum nicht verhindern. Da wollen sie ihn lieber vor ihrer Nase haben. Die Szene hat ein Interesse daran entwickelt, in den Einrichtungen zu sein. Das macht andererseits Strafmaßnahmen wirkungsvoll, die Süchtige zeitweise ausschließen, weil sie gewalttätig waren oder mit offenem Bein nicht zum Arzt gehen.

          Das zeigt: Rosinenpicken funktioniert in der Drogenpolitik nicht. Frankfurt muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass ein Großteil der Süchtigen „clean“ wird, und davon, dass man die Schwierigkeiten im Bahnhofsviertel in Griff bekommt, wenn nur an einzelnen Stellschrauben gedreht wird. Die Stadt kann sich nicht allein repressive Maßnahmen herauspicken, wenn es daran geht, Ideen aus Zürich in den Frankfurter Weg einzugliedern. Der ist ein Gesamtpaket.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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