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Öffentlicher Nahverkehr : Von Seil- und Straßenbahnen

Bald über Frankfurt schweben? Das Liniennetz der Straßenbahnen sollte lieber ausgebaut werden. (Symbolbild) Bild: Daniel Vogl

Ob München, Hamburg oder nun auch Frankfurt – viele deutsche Städte denken über eine Seilbahn für den öffentlichen Nahverkehr nach. Das ist allerdings bestenfalls eine Spielerei, eigentlich aber: eine Schnapsidee.

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          Gestern lud der Regionalverband zu einer lustigen Veranstaltung ein: dem „1. Seilbahntag Frankfurt Rhein-Main“. Das ist nämlich die neueste Mode in Deutschland: Jeder Ort möchte eine Seilbahn, auch wenn sie bisher niemand vermisst hat. In München grübelt man über Seilbahnen, in Hamburg, in Essen und vielen anderen Städten. Da will Frankfurt nicht beiseitestehen.

          Dass Politiker etwas ausprobieren wollen wie Kinder, die mit Lego spielen, ist nicht neu. In den sechziger Jahren stand in Frankfurt die Alweg-Bahn kurz vor dem Bau, lange träumte man in Deutschland vom Transrapid. Immer wurde so getan, als gäbe es nicht längst bewährte Verkehrsmittel, die einfach nur modernisiert und ausgebaut werden müssten. Die Alweg-Bahn war überflüssig, weil Frankfurt die Straßenbahn hatte und hat. Der Transrapid war unnötig, weil Deutschland über ein dichtes Eisenbahnnetz verfügt. Seilbahnen im Rhein-Main-Gebiet braucht kein Mensch, weil es schon S-Bahnen, U-Bahnen und Straßenbahnen gibt.

          Ausweitung des Liniennetzes

          Ihre Netze haben viele Lücken, die geschlossen werden sollten. Ein neues Verkehrsmittel aber verlangt eigene Werkstätten und einen eigenen Fuhrpark. Und es schafft Umsteigezwänge, denn irgendwo ist auch die schönste Seilbahnfahrt zu Ende, da heißt es dann umständlich wechseln in eine S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn. Warum nicht einfach eine dieser Linien dorthin verlängern, wohin stattdessen eine Seilbahn gebaut werden soll? Dann könnten die Fahrgäste doch bequem durchfahren.

          In den Lüften sei leichter zu bauen als am Boden, heißt es. Da sollen sich die Planer aber mal nicht vertun. Seilbahn-Stationen sind riesige Bauwerke, die niemand vor seiner Tür haben möchte. Stützen auch nicht. Und werden es Anwohner wohl mögen, wenn die Fahrgäste in ihre Schlafzimmer gucken können?

          Statt die Zeit beim „1.Seilbahntag“ zu vertrödeln, sollten sich die Planer zum „1.Straßenbahntag Frankfurt Rhein-Main“ versammeln. Um etwa darüber zu beraten, wie die Linie16 wieder nach Offenbach verlängert werden kann, weil sie seit 1996 an der Stadtgrenze endet, was jeder regionalen Zusammenarbeit Hohn spricht. Und um zu überlegen, wie man die Wiesbadener Planer bei ihrem Jahrhundertprojekt der City-Bahn unterstützen kann.

          Man könnte auch darüber reden, wie sich für die Frankfurter Straßenbahn eine schnellere Trasse zum Stadion finden lässt und wie man es hinbekommt, dass die ebenfalls an der Frankfurter Stadtgrenze endende Linie 17 nach Neu-Isenburg verlängert werden kann. Das alles wäre jede Mühe wert. Seilbahnen hingegen sind bestenfalls eine Spielerei, eigentlich aber: eine Schnapsidee.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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