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Welche Wähler ansprechen? : Die FDP auf der Sinnsuche

Nicht mehr das Gelbe vom Ei: Die FDP Bild: Illustration Getty, Bearbeitung F.A.S.

In Frankfurt zeigt sich, dass die Klientel der Liberalen längst viel bunter strukturiert ist, als manche Altvorderen in der Partei meinen. Der vermeintlich typische FDP-Wähler ist eine Spezies, die selten geworden ist.

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          Wer war schon in der „Au“, dem seit 38 Jahren besetzten Haus in Rödelheim? Vermutlich dürften die meisten Frankfurterinnen und Frankfurter noch nicht einmal an dem Grundstück vorbeispaziert sein, geschweige das Haus betreten haben. Und doch bewegt es seit Jahrzehnten die Gemüter der Stadtgesellschaft. Zuletzt wäre sogar die neue Stadtregierung aus Grünen, SPD, FDP und Volt noch vor dem ersten Arbeitstag an der Frage gescheitert, wie man mit solchen linksautonomen Zentren umgeht. Die Frankfurter FDP zerlegte sich regelrecht ob dieser Kontroverse, und nur eine im Nachgang mit den Koalitionspartnern ausgehandelte Zusatzvereinbarung konnte die Stimmung halbwegs beruhigen. Hatte sich an der Sache, der Besetzung des Hauses, bis dahin etwas geändert? Natürlich nicht!

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es geht ja um mehr: Linksautonome Zentren wie die „Au“ dienen als Projektionsfläche für Konflikte, die längst unter der glattgebügelten Parteioberfläche wabern. Dass FDP-Mitglieder lieber ordentliche Mietverträge der Bewohner hätten als einen faktisch weitgehend anarchischen Zustand, überrascht nicht wirklich. Doch die Konservativeren und Älteren in der Partei, die noch in Kritik und Abneigung gegen die Achtundsechziger und ihren parlamentarischen Arm, die Grünen, politisch sozialisiert sind, fremdeln mit dem linken Spektrum stärker als Nachgewachsene, die dazu ein funktionaleres Verhältnis haben.

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