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Prozess gegen Alexander Falk : Wenn Eskalation Programm ist

Alexander Falk (Mitte) mit seinen Anwälten, die einen neuen Befangenheitsantrag angekündigt haben. (Archivbild) Bild: dpa

Seit Sommer verhandelt das Frankfurter Landgericht den Fall des Hamburgers, der einen Killer auf einen Frankfurter Anwalt angesetzt haben soll. Die Stimmung ist oft gereizt. Das liegt vor allem an der Verteidigung.

          2 Min.

          Ein paar Wochen lang ist es ruhig gewesen um Alexander Falk und den aufsehenerregenden Strafprozess am Landgericht. In dessen Zentrum steht der prominente Hamburger, weil er einen Auftragsmörder auf einen Frankfurter Rechtsanwalt angesetzt haben soll, der in einem anderen Verfahren gegen Falk auf der Gegenseite stand. Im Februar 2010 wurde er vor seinem Haus angeschossen. Doch kaum ist der Prozess um die Ereignisse wieder richtig in Gang gekommen, ist er schon wieder eskaliert.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die oft gereizte Stimmung im Gerichtssaal ist zum großen Teil die Verteidigung verantwortlich. So wie am Donnerstag, wenn sie eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft als „Mimimi-Antrag“ bezeichnet, der „mit zitternder Stimme“ vorgetragen worden sei und für den sich die Staatsanwältin „schämen“ solle. Oder wenn ein Verteidiger zum Vorsitzenden Richter sagt, es möge ja sein, „dass Sie mimosenhaft ausgestattet sind“. Und der zweite Anwalt an einem anderen Tag anmerkt, dass er „ein an der Haftsache besessener Richter“ sei und manche seiner Handlungen außerdem „juristischer Nonsens“ seien.

          Und nun dürfte sich die Stimmung aufs Neue verschlechtern: Am Donnerstag hat die Verteidigung abermals einen Befangenheitsantrag gegen den Kammervorsitzenden angekündigt. Den ersten hatten die Rechtsanwälte im Oktober gestellt, er wurde abgelehnt. Grundlage damals wie heute ist die Behauptung, der Vorsitzende begegne dem Kronzeugen Etem E. zu unkritisch, wegen dessen Aussagen Alexander Falk nach Jahren erfolgloser Ermittlungen doch noch vor Gericht landete. Diesmal geht es um einen Vorwurf im Zusammenhang mit einem Journalisten, der im Umfeld der Verhandlung E. mit dem Handy gefilmt hatte. Dies hatte der Richter mit den Worten unterbunden, der Kronzeuge sei im Zeugenschutzprogramm.

          Strafanzeige gegen den Leiter der Mordkommission

          Anlass, sich darüber zu empören, bot am Donnerstag die Aussage des Ermittlungsführer von der Frankfurter Mordkommission. Er sagte auf mehrmalige Nachfragen hin, für Etem E. habe es zwar polizeiliche Schutzmaßnahmen gegeben, er sei jedoch trotz des Angebots niemals im Zeugenschutzprogramm gewesen. Das nahmen die Rechtsanwälte von Falk zum Anlass, den nächsten Befangenheitsantrag anzukündigen.

          Der Vorsitzende Richter ist indes nicht der einzige, über den sie sich aufregen. Gleiches gilt für eben jenen Kriminalhauptkommissar, der am Donnerstag zum ersten Mal im Zeugenstand war. Gegen ihn haben sie Strafanzeigen wegen Urkundenunterdrückung und Verrat von Dienstgeheimnissen erstattet. Sie werfen ihm vor, die kriminelle Vorgeschichte des Kronzeugen verschwiegen zu haben. In einer Pressemitteilung, die sie im November verschickten, sprechen sie von Aktenmanipulation, einem „skandalösen Vorgehen“ und „schweren Pflichtverletzungen“. Deshalb erschien dieser gestern auch vorsorglich in Begleitung eines Rechtsanwaltes bei Gericht.

          Den brauchte er aber gar nicht. Über Stunden hinweg beantwortete er ohne Probleme, ruhig und sachlich die vielen Fragen von Strafkammer und Verteidigung zum Vorgehen der Mordkommission. Das betrifft immerhin den Zeitraum seit Anfang 2009, als das Opfer angeschossen wurde. Der Kommissar schilderte, wie sich zunächst keine Spuren in Richtung Alexander Falk erhärten ließen, obwohl der angeschossene Anwalt noch im Krankenwagen von einem solchen Zusammenhang gesprochen hatte. Der Zeuge legte auch dar, wie Jahre später der Durchbruch gelang, als 2017 in Hamburg der Kronzeuge auftauchte und sowohl von einem Treffen berichtete, bei dem Falk den Mordauftrag gegeben haben soll, als auch von einer belastenden Tonbandaufnahme, die er den Ermittlern übergab.

          Beendet ist die Befragung des Kriminalbeamten noch nicht. Dafür reichte die Zeit am Donnerstag nicht. Er muss mindestens noch einmal kommen, voraussichtlich Ende des Monats. Wann sich indes der Angeklagte noch einmal äußern wird, wie von seinen Anwälten angekündigt war, bleibt unklar. Der Prozess wird am Dienstag kommender Woche fortgesetzt.

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