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Warten in Frankfurt : Historisch wertvoll, mit oder ohne Trinkhalle

Unumstößlich: Die Galluswarte behauptet sich an ihrem Platz. Bild: Frank Röth

Lange dienten Warten als Vorposten, dann umschloss die wachsende Stadt die Türme. Die Warte im Gallus könnte städtebaulich wieder besser zur Geltung kommen. Wie, darüber wird im Stadtteil diskutiert.

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          Scheinbar auf verlorenem Posten steht die Galluswarte, auf einer Verkehrsinsel. Der Verkehr der Mainzer Landstraße umtost den historischen Bau. Eine Bahnbrücke rückt ihr aufdringlich nahe. Am Fuße der Warte herrscht hektische Betriebsamkeit: Menschen verlassen die S-Bahn-Station, überqueren die Mainzer Landstraße, strömen zu ihren Büros, hasten zur Straßenbahnhaltestelle oder steuern eine der beiden Trinkhallen und öffentlichen Toiletten in den Anbauten am Fuße der Warte an.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie viele Passanten die Galluswarte wohl bewusst wahrnehmen? Immerhin ist sie, 1414 errichtet, die älteste von einst fünf Warten, die Frankfurt vorgelagert waren. Böse Zungen behaupten, dass womöglich nur jene Zeitgenossen, die vor den Trinkhallen ihren Kopf stark in den Nacken legen, um ihre Flasche zu leeren, das Baudenkmal wirklich im Blick haben. Dies zu ändern schickt sich nun eine von der Stadt initiierte Planungswerkstatt an. Sie soll in einen Architektenwettbewerb münden und Vorschläge liefern, wie die Galluswarte stärker herausgestellt und im Ensemble mit der S-Bahn-Station und Bahnbrücke zum Entrée in den Stadtteil und in die Stadt gestaltet werden kann.

          Belüftung der Kanalisation

          „Wir wollen eine städtebaulich und architektonisch prägende Lösung erhalten, die dem historischen Wert des Gebäudes gerecht wird“, sagte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) am Montag zum Auftakt des ersten Werkstattgesprächs. Auch wenn die Auffassungen darüber durchaus noch divergieren, wie sich in der Gesprächsrunde zeigte, ist bereits ein Schritt getan: Nachdem der Turm und die Mauer, die ihn und einen Seitenhof umgibt, im Jahr 2005 von außen erneuert und beigefarben verputzt worden sind, wurde nun auch die Innensanierung beendet.

          Die wichtigste Veränderung ist, dass die Warte, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zur Belüftung der Kanalisation diente, von dem dicken Abluftrohr befreit werden konnte, das mit einem Durchmesser von eineinhalb Metern bis in die Turmspitze reichte. Zwischen Außenmauer und Rohr, um das eine Spindeltreppe führte, sei stellenweise nur 50 Zentimeter Platz gewesen, sagte Helmut Jäger von dem mit der Innensanierung beauftragten Büro „Die Baurunde“. In das freigeräumte Turminnere seien eine Stahlkonstruktion eingezogen und in Höhe dreier ehemaliger Zwischengeschosse jeweils Stahlpodeste installiert worden. Über Leitern biete sich ein Aufgang bis in die Turmspitze. Die mit Sandstein gefassten Ausgucke seien teilweise mit Fenstern versehen, an andere von innen Klappläden angeschlagen worden. Die Scharten seien mit Gitter gesichert worden.

          Wenig Raum und viel Lärm

          Rund 140.000 Euro kosteten die eineinhalb Jahre dauernden Arbeiten. Finanziert wurde der Umbau auch mit Mitteln des von Bund, Land und Stadt getragenen Förderprogramms „Soziale Stadt“, in das das Gallus aufgenommen worden ist und in dessen Rahmen auch die Vitalisierung des „Wahrzeichens“ des Stadtteils angestrebt wird. Eine Nutzung werde aber wohl nur eingeschränkt möglich sein, meinte Architekt Jäger mit Hinweis auf das enge Raumangebot des zwanzig Meter hohen Turms, der im Inneren einen maximalen Durchmesser von 2,50 Metern habe. Im Wartturm, der nicht ständig, sondern nur für besondere Anlässe zu nutzen sei könnten Ausstellungen mit Bildern, etwa zur Geschichte des Stadtteils, präsentiert werden, sagt Jäger.

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